Viele Geschäfte bleiben am offenen Sonntag zu

Konz · Vier verkaufsoffene Sonntage sind für den rheinland-pfälzischen Einzelhandel in Städten die Norm. Nicht so in Konz: Dort zieht die Mehrheit der Geschäfte nur an zwei Sonntagen mit. Dieser Verzicht auf den vermeintlichen Zusatzgewinn am "offenen Sonntag" gilt bei den Konzer Händlern als beschlossene Sache.

Konz. Geschäftsoffener Sonntag in Trier mit Autoschlangen vor vollen Parkhäusern, Menschenmassen auf Straßen, in Kaufhäusern und in Einkaufzentren. In Trier wie anderswo im Land gelten offene Sonntage als Tage der klingenden Kassen, verheißen sie den Kunden doch Shopping mit Familie oder Freunden ohne beruflichen Zeitdruck. Viermal im Jahr lässt das Ladenöffnungsgesetz diese Ausnahme zu, und in fast keiner rheinland-pfälzischen Stadt würde der Einzelhandel freiwillig auf diesen Umsatzjoker verzichten. Die Betonung liegt auf "fast" keiner Stadt, denn es gibt einen Ausreißer: Konz.Teilnahme steht jedem frei


Die im Verein Konzer Stadtmarketing zusammengeschlossenen Einzelhändler haben mit erdrückender Mehrheit beschlossen, nur an zwei Sonntagen im Jahr zu öffnen. Die Teilnahme an den restlichen zwei Sonntagen steht zwar jedem frei, doch das Stadtmarketing wirbt nicht für diese Tage, und es gibt auch kein Rahmenprogramm auf den Straßen. Wer dennoch öffnet, steht allein auf leerer (Einkaufs-)Flur.
Alle vier offenen Sonntage nutzt nur der Möbelriese Martin, auch mal dabei ist Euronics Konz-Könen. Hinzu kommen zwei Einzelhändler, Die Mode und In Leder, im Center am Saar-Mosel-Platz.
Warum so viel Verzicht? Vom TV befragt, erklärt Josef Holbach, Vorsitzender vom Stadtmarketing: "Wir haben eine Erhebung unter unseren Mitgliedern gemacht. Und die waren bis auf wenige Ausnahmen der Meinung, dass die zwei offenen Sonntage im März und im September genug sind." Allen Mitgliedern sei aber freigestellt, auch an den Tagen im Januar und November zu öffnen. Diese würden aber vom Stadtmarketing nicht beworben oder mit Sonderaktionen unterstützt. Nur Möbel Martin, auch Mitglied, habe 2014 alle Termine genutzt. Die Zurückhaltung erklärt Holbach so: "Wir sind keine regionale Einkaufsstadt wie Trier. Der offene Sonntag ist für uns nur eine Verschiebung der Kaufkraft und bringt kein zusätzliches Plus. Was die Kunden an diesem Tag ausgeben, sparen sie an anderen Tagen ein." Aktiv beworben und mit einem Programm umrahmt würden die offenen Sonntage im März und im September. Dann seien auch alle Mitgliedsbetriebe dabei. Besonders hebt Holbach den Sonntag im September hervor: "Der ist verbunden mit dem größten Kinderfest in Rheinland-Pfalz, vom Jugendnetzwerk Konz organisiert und vom Stadtmarketing gesponsert." Rund 5000 Kinder hätten im vergangenen September am Fest im Konzer Stadtzentrum teilgenommen. Prominenteste Gäste: Die Maus und Käpt\'n Blaubär vom WDR.Mittelweg gefunden


Holbach meint, dass man in Konz den richtigen Mittelweg gefunden habe: "Selbst wenn wir jährlich 52 offene Sonntage hätten, wären das 52 Tage mit Umsätzen, aber der Jahresgesamtumsatz würde deshalb nicht steigen." Mit seinem Teilverzicht bilde der Konzer Handel deutschlandweit eine Ausnahme. Holbach: "Anfangs sind wir von anderen Städten belächelt worden. Inzwischen würden viele von denen gerne die Zahl der offenen Sonntage wieder zurückdrehen. Aber das können sie nicht mehr ohne schweren Imageverlust."
Warum Möbel Martin regelmäßig alle vier Sonntage nutzt, erklärt dessen Geschäftsführer Clemens Schäfer mit den Besonderheiten der Möbel- und Einrichtungsbranche. Schäfer: "Wir verkaufen viele Dinge, über die man als Paar oder im Familienkreis gemeinsam entscheiden will." Es sei eben ein Unterschied, ob sich jemand Schuhe, ein Buch oder ein Handy kaufen wolle oder ob es um die neue Küche, ein neues Schlafzimmer oder eine Ledergarnitur gehe. Letzteres seien Produkte, die nur zusammen ausgewählt würden. "Der Sonntag ist meist der einzige Tag in der Woche, an dem Paare und Familien Zeit für einen gemeinsamen Einkauf haben. Für uns von Möbel Martin sind die offenen Sonntage daher unabdingbar", sagt Schäfer.
Die vier verkaufsoffenen Sonntage sind dieses Jahr am 25. Januar, 29. März, 20. September und 8. November.Meinung

Auf eigenen Pfaden
In vielen Städten sind die offenen Sonntage eine Art heilige Kuh geworden. Sie gelten wie die späten Ladenschlusszeiten als Waffe gegen die einstige Servicewüste Deutschland. Das trifft in der Regel in Einkaufsstädten wie Trier zu. Hat die Regel aber überall ihren Sinn? Oder wird sich gerade in kleineren Städten nur daran geklammert, weil "die in der Nachbarstadt auch ihre offenen Sonntage nehmen". Der Konzer Handel hat sich verweigert. Händler und Mitarbeiter sind offenbar nicht bereit, sich über vier Sonntage abzuplagen, auch wenn es übers Jahr gerechnet nicht einmal ein Umsatzplus einbringt. Eine klare Entscheidung, die nur noch deutlicher an die Kunden gebracht werden müsste. Letztlich ist das eine Frage der Etikettierung, denn wo "Verkaufsoffener Sonntag" draufsteht, muss auch ein offener Sonntag mit allen Geschäften drin sein. Ansonsten ist es nur eine Sonntagsöffnung bei Möbel Martin und einigen anderen Händlern. trier@volksfreund.deExtra

Ein Mode- und ein Lederwarengeschäft am Saar-Mosel-Platz hatten bisher immer an drei Sonntagen geöffnet und dabei in dem ansonsten geschlossenen Umfeld ihre besonderen Erfahrungen gemacht. Irmgard Orth, Inhaberin von Die Mode: "Ich öffne immer an den Sonntagen im März, September und November." Doch dabei müsse sie sich die Klagen von enttäuschten Kunden anhören, die es nach dem Besuch bei Möbel Martin noch ins Zentrum gezogen habe. "Die waren wegen eines verkaufsoffenen Sonntags nach Konz gekommen und standen dann vor geschlossenen Läden", sagt Orth. Ihr Vorschlag: Die Tage, an denen nur wenige Geschäfte am Sonntag öffnen wollten, sollten nicht allgemein als "verkaufsoffener Sonntag Konz" deklariert werden. Stattdessen könnten die öffnungsbereiten Betriebe gesondert für ihr Sonntagsangebot werben. Und im Lederwarengeschäft quer gegenüber, das am Sonntag im November dabei war, heißt es: "Wir finden es traurig, dass nicht alle mitmachen und wir alleine dastehen." Warum Martin aufhabe und der Rest der Stadt tot sei, fragten dann die Leute, die wegen eines vermeintlich offenen Sonntags nach Konz gekommen seien. f.k.

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