"Viele gute Begegnungen"

HERMESKEIL/WALDRACH. "Mein Eindruck ist, dass beide Teile ganz gut zusammengewachsen sind und die Zusammenlegung akzeptiert ist."Dieses Fazit zieht Bischof Reinhard Marx ein Jahr nach der offiziellen Auftaktveranstaltung und zum Abschluss seiner fünfwöchigen Visitationsreise durch das Dekanat Hermeskeil-Waldrach.

In der katholischen Kirche ist die Bischofsvisitation bereits seit Jahrhunderten feste Tradition. In den zurückliegenden fünf Wochen bereiste Bischof Reinhard Marx das Dekanat Hermeskeil-Waldrach. Es war in seiner Amtszeit die siebte Visitation in den insgesamt 35 Dekanaten des Bistums Trier. Die Entwicklung der Kirche im Amtsbezirk wahrnehmen und beraten - das sind Schlagworte, die sich mit dem Begriff der "Visitatio" verbinden. Für den Oberhirten des Bistums bedeutete das einen vollen Terminkalender. Fast 130 Treffen hatte Marx im Hochwald und im Ruwertal vereinbart; er suchte dabei das Gespräch mit kirchlichen Mitarbeitern, aber auch den Gedankenaustausch mit Pfarrgemeinderäten. Denn: "Unsere Kirche ist beschenkt mit vielen Ehrenamtlichen, die ihre Freizeit opfern", sagt Marx. Mittagessen mit evangelischen Pfarrern

Außerdem standen Besuche von sozial-karitativen Einrichtungen oder ein Mittagessen mit den evangelischen Pfarrern auf dem Programm. Die eher zurückhaltende Mentalität der Hochwälder war dabei kein Hindernis. "Es gab viele gute Begegnungen, und ich bin sehr herzlich aufgenommen worden", sagt der Bischof. Besonders hervorheben will er keines der Treffen. Höhepunkte seien aber sicher die insgesamt 18 Gottesdienste gewesen, in denen Marx mehr als 600 Jugendlichen das Sakrament der Firmung spendete. Das Ziel müsse es sein, dass Jugendliche sagen: "Es ist gut, dass wir dabei sind", begründet Marx, warum die Firmungen ein Schwerpunkt seiner Reise waren. Was die Zahl der Gottesdienstbesucher angeht und den Zustand des kirchlichen Lebens betrifft, steht das Dekanat Hermeskeil-Waldrach jedoch im Vergleich zu anderen Regionen im Bistum "noch ganz gut da", wie Marx mit einem Blick auf die Statistiken (siehe Extra) hervorhebt. Das liegt auch an den vergleichsweise günstigen Rahmenbedingungen im stark katholisch geprägten Gebiet."Wichtig, dass Leute Arbeit in der Heimat finden"

"Natürlich ist es auch für mich als Bischof wichtig, dass die Leute in ihrer Heimat Arbeit finden und eine Zukunft haben", verweist Marx auf gesellschaftliche Faktoren wie die niedrige Erwerbslosenquote im Hochwald und Ruwertal. Grund zum Zurücklehnen gebe es für die Kirche jedoch nicht: "Wir müssen uns nachhaltig darum bemühen, die Gläubigen zu binden", fordert der Bischof. Was die Menschen im Dekanat bei den Gesprächen mit ihm am meisten bewegt habe, sei sicher die Frage gewesen: "Wie sieht unsere Pfarrei in ein paar Jahren aus?", sagt Marx. Denn die unter dem Titel "Projekt 2020" eingeleitete Strukturreform des Bistums wird auch auf den unteren Ebenen Veränderungen mit sich bringen. Bei diesem Punkt ist der Bischof Pragmatiker. "Ich habe da keine Alternative und muss mich den Realitäten stellen. Wir können nicht in jeder Pfarrei das gesamte pastorale Programm bewältigen", sagt Marx. Zukunftsfähigkeit bedeutet für den Bischof vielmehr, "dass wir uns nicht weiter zerstreuen, sondern uns versammeln und Kompetenzen bündeln". So sollen auch im Dekanat Hermeskeil-Waldrach größere Gebilde entstehen und die Zahl der Seelsorgeeinheiten von zehn auf fünf reduziert werden. Das bedeute aber nicht, "dass das Leben vor Ort ausgelöscht wird. Wir wollen die Kirche nicht aus dem Dorf verschwinden lassen", versichert Marx. Es gehe darum, bessere Verbindungen zwischen den Pfarreigemeinschaften zu schaffen. Diesen Prozess in Gang zu bringen, sei aber nicht einfach, gibt Marx zu. Dass dies jedoch der richtige Weg ist, steht auch für Dechant Clemens Grünebach außer Frage.

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