Viele Schätze sind noch ungehoben

Viele Schätze sind noch ungehoben

NITTEL. Tintenfische in der Mosel? Schatzsuche im Weinberg? Wer dachte, Geschichte hat nur mit Königreichen, Kriegen und Katastrophen zu tun, wurde in Nittel eines besseren belehrt.

Gut 20 Interessierte kamen auf Einladung von Ortsbürgermeister Karl-Heinz Frieden ins Gasthaus "Müller-Holbach", um in Zukunft Geschichte zu machen. Das zumindest wünschen sich Paul Trauden und Hans-Josef Wietor aus Nittel und Hans A. Thiel aus Konz. Die drei Herren eint der Wunsch, gemeinsam mit interessierten Nitteler Bürgern die Geschichte des Ortes aufzuarbeiten. Drei große Themenbereiche sehen die Initiatoren des noch zu gründenden Vereins für Geschichte und Kultur als Betätigungsfelder: die geologische Geschichte, die Geschichte der Menschen und ihrer Arbeits- und Lebensverhältnisse und die politische Geschichte mit ihren Kriegen und wechselnden Herrschafts- und Besitzverhältnissen. Hans A. Thiel, der in Nittel aufgewachsen ist und sein (geschichtliches) Herz an den Nitteler Felsen verloren hat, zeigte überraschende Funde aus dem Kalkge-stein im Moselbogen. Edelsteine, Marmor und Fossilien seien keine Seltenheit, begeistert sich der Hobbyhistoriker. Nittel biete aufgrund seiner Lage, die erdgeschichtlich großen Veränderungen unterworfen war, aufregendes Fundmaterial für geologische Stu-dien. Wo Nittel heute liegt, waren vor Jahrmillionen Wüsten, später Ozeane mit einer äußerst interessanten Planzen- und Tierwelt. Unterstützt wurde dieser Teil der Forschungen durch den Geologieprofessor Thein von der Universität Bonn. Die Chronik des Ortes Nittel ist schon geschrieben - Hans-Josef Wietor sei Dank. Aber der beste Zeitpunkt, so ein Buch zu schreiben, ist immer morgen. "Seit der Veröffentlichung im Jahr 2000 haben sich viele neue Erkenntnisse ergeben", erzählte Wietor, "dazu kommt, dass Rehlingen und Köllig damals nicht berücksichtigt wurden." Zusätzlich würde der Chronist gern die "heimlichen Schät-ze" - damit meint er die auf Dachböden oder in Kellern lagernden Fotos, Urkunden und Dokumente - sichten. "Die Gefahr ist groß, dass bei einem Hausbesit-zerwechsel der ganze ,alte Kram' weggeschmissen wird", gab Hans-Josef Wietor seinen Befürchtungen Ausdruck.Fundstücke spiegeln die Geschichte

Der dritte im Bunde, Bauingenieur Paul Trauden, ergänzt die Bandbreite der Nitteler Geschichtsfreunde um den Aspekt der Lebensart und Arbeitswelt. Er will wissen, wie sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft im Alltag der Nitteler ausgewirkt hat. Straßennamen wie "Mühlenweg" lassen darauf schließen, dass es im Ort Mühlen gab, heute ist davon nichts mehr zu sehen. Trauden: "Nicht nur Berufe und familiäre Strukturen haben sich verändert. Woher kommen ortsspezifische Redewendungen? Wie haben Nitteler Bürger die Evakuierungen im Zweiten Weltkrieg erlebt?" Um das und noch viel mehr herauszufinden, möchte der Hobbyhistoriker Bewohner des Ortes interviewen. Traudens größter Wunsch ist, dass der Ort ein Archiv bekommt, in dem die Arbeit der Geschichtsfreunde für alle Bürger zugänglich ist. Die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten auf der luxemburgischen Moselseite ist ebenfalls geplant. In Nittel spiegeln sich mit Fundstücken aus der Kelten- und Römerzeit sowie aus den vergangenen zweihundert Jahren große Teile der europäischen Geschichte. Dass man heute über den "Dorfrand" schaut und Erkenntnisse aus-tauscht, liegt daher auf der Hand. Für Dienstag, 6. Juni, 20 Uhr, ist im Gasthaus "Müller-Holbach" das nächste Treffen der Geschichts- und Kulturfreunde Nittel terminiert. Dann soll der Verein gegründet werden. Interessierte sind willkommen.