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Vier Kandidaten und ein volles Haus

Vier Kandidaten und ein volles Haus

Wie schlagen sich die vier Bewerber, die am 22. September bei der Wahl des Bürgermeisters in der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg antreten? Das wollen am Dienstagabend 270 Zuhörer wissen, die zum TV-Forum in der Stadthalle gekommen sind. Kontroverse Standpunkte werden vor allem beim Stichwort "Personalunion" deutlich.

Saarburg. In der VG wird ein Nachfolger für Leo Lauer gesucht. Der CDU-Politiker gibt zum Jahresende sein Bürgermeisteramt ab. Für den frei werdenden Posten bewerben sich bei der Wahl am 22. September vier Politiker. Das Quartett stellt sich am Dienstag in der Stadthalle beim TV-Forum den Fragen der Moderatoren Marcus Hormes und Alexander Schumitz.
Die Besucher-Resonanz: Im Vergleich zum TV-Forum zur Landratswahl vorige Woche in Konz kommen mehr als doppelt so viele Menschen zur Gesprächsrunde mit den vier Kandidaten in Saarburg. Rund 270 Bürger nehmen in der Stadthalle Platz.

Die Kandidaten: Jürgen Dixius (CDU) arbeitet bei Landesforsten und ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt. Zudem hat der 52-Jährige das Amt des ersten VG-Beigeordneten inne. Frank Gerardy (SPD) ist Rechtsanwalt. Der 41-Jährige kommt aus Freudenburg. Matthias Pinnel (Grüne) ist Bäckermeister. Der 51-Jährige lebt in Wincheringen. Mario Wolter (FWG) ist Kriminalbeamter, wohnt in Irsch und ist 40 Jahre alt.

Die Vorstellungsrunde: Jeder Bewerber hat drei Minuten Redezeit und kann Werbung für seine eigene Person machen. Dixius betont, "dass man Erfahrung und Kontakte braucht, um die Region gut nach außen zu vertreten". Gerardy sagt selbstbewusst: "Ich garantiere Leistungsstärke und Tatendrang." Wolter betont: "Ich will mich nicht nur einbringen, sondern auch Verantwortung übernehmen." Pinnel liefert am Ende seiner Rede mit der Aussage "Alles in einer Hand ist das Gegenteil von Miteinander" schon gleich die Steilvorlage für das strittigste Thema des Abends.

Mögliche Personalunion: "Das ist das Spielchen drei gegen eins", klagt Dixius. Denn seine Kontrahenten sprechen sich eindeutig gegen eine mögliche Personalunion von Stadt- und VG-Bürgermeister aus. Gerardy, Wolter und Pinnel argumentieren unisono, dass diese Doppelfunktion zeitlich nicht leistbar sei. Außerdem führe sie zu Interessenkonflikten, da der VG-Chef Neutralität zwischen der Stadt und den 15 Ortsgemeinden walten lassen müsse. Dixius hält dem entgegen, dass er als VG-Beigeordneter seit Jahren Lauer vertritt und es in dieser Zeit auch keine Interessenkonflikte gegeben habe. Der CDU-Mann lässt die Frage offen, ob er im Falle eines Erfolgs am 22. September auch Stadtbürgermeister bleibt. Das entscheide der Wähler bei der Kommunalwahl im Mai 2014. Ausdrücklich tritt Dixius einem Einwand entgegen, den Wolter im Vorfeld des Forums im TV vorgebracht hatte. Eine Personalunion habe nicht zur Folge, dass dann aus dem ehrenamtlichen ein hauptamtlicher VG-Beigeordneter werde. Diese Absicht sei bisher noch nie im VG-Rat geäußert worden. "Wir wollen kein Geld ausgeben und keine neue Funktion schaffen", so Dixius.

Andere Themen: Grundsätzliche Einigkeit besteht bei allen vier Bewerbern darin, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien in der VG Saarburg vorangetrieben werden soll. Pinnel, der auf Fragen häufig mit dem Blick auf seinen Notizzettel antwortet, bezeichnet dies als "extrem wichtig". Er fordert nachdrücklich die Abschaltung aller Atomkraftwerke, vor allem aber in Cattenom. Bei der Kulturarbeit kommt vor allem von Gerardy Kritik: "Sie wurde bisher sträflich vernachlässigt", sagt der SPD-Kandidat mit Blick auf die finanzielle und personelle Ausstattung, die in diesem Bereich seitens der VG zur Verfügung gestellt wird.
Einigkeit besteht darin, dass sich die VG trotz aktuell noch wachsender Bevölkerungszahlen auf den demografischen Wandel einstellen muss.
Auf die Frage von Zuhörerin Selina Holbach, wo die Kandidaten sparen wollen, nennt keiner im Quartett konkrete Beispiele. "Es ist nicht einfach, Sparpotenzial aufzuzeigen. Im Personalbereich haben wir schon jetzt eine Grenze erreicht", sagt Dixius. Wolter betont, dass man vor künftigen "Investitionsentscheidungen noch stärker prüfen muss, welche Folgekosten anfallen".Extra

Zum zweistündigen Forum gehören auch unterhaltende Elemente. Beim Quiz rund um die VG Saarburg schlägt sich das Quartett wacker. Bei der Frage nach dem flächenmäßig kleinsten Ort liegen aber nur Pinnel und Dixius mit Ockfen richtig. Beim spontanen Vervollständigen von Sätzen erfahren die Zuhörer, dass Wolter sich nach einer Reifenpanne mit seinem Oldtimer erst mal ein "schattiges Plätzchen suchen muss, weil oft auch das Ersatzrad platt ist". Zu seinem Wechsel von der CDU zu den Grünen sagt Pinnel: "Das war eine gute Entscheidung." Wenn sich Gerardy etwas gönnen will, "gehe ich mit meiner Frau gerne essen". Die konkrete Restaurant-Empfehlung des SPD-Kandidaten wird an dieser Stelle aber nicht verraten. Dixius erste "Amtshandlung" im Falle eines Wahlsiegs: "Darauf trinke ich dann ein gutes Glas Wein." axExtra: Umfrage

Vier Kandidaten und ein volles Haus
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Stefan Hausknecht aus Saarburg-Beurig: "Ich fühle mich nach dem Forum gut informiert. Manchmal fand ich die Antworten der Kandidaten aber zu lang. Deshalb konnten nicht alle Themen angesprochen werden, die mich interessiert hätten - zum Beispiel, wie der öffentliche Personennahverkehr in unserer VG verbessert werden kann."
Christa Boqui aus Trassem: Der Besuch hat sich für mich gelohnt. Das Forum war informativ, umfangreich und hilfreich für die Wahl. Interessant war zu sehen, wie sich die Kandidaten darstellen und wie sie sich verhalten, wenn von ihnen auch mal spontane Antworten gefordert waren."
Rosi Kurz aus Irsch: "Meine Entscheidug, wen ich wählen werde, habe ich noch nicht getroffen. Das TV-Forum hat mir aber eine Orientierung gegeben. Zwei Kandidaten hatte ich vorher live noch nicht gesehen. Wegen der Nähe zu Cattenom sind für mich die erneuerbaren Energien ein wichtiges Thema." ax