Vier Religionen im Dialog

Saarburg · Wie halten es die Religionen mit der Toleranz? Dieser Frage gehen Vertreter von vier Glaubensgemeinschaften bei einer Podiumsdiskussion in Saarburg im Rahmen der Aktionstage für Toleranz nach.

Saarburg. Das kleine Café Urban im neuen gläsernen Anbau der ehemaligen Saarburger Glockengießerei ist mit rund 35 Teilnehmern bis auf den letzten Platz gefüllt, es ist ein wahrhaft multikulturelles, buntes Völkchen. Menschen verschiedener Religionen gehen bei einer Podiumsdiskussion der Frage nach, wie es steht um "Die Frommen und die Toleranz". Der Abend ist Teil der Aktionstage des Bündnisses zum Abbau von Vorurteilen und menschenfeindlicher Einstellungen (der TV berichtete).
Der oft geäußerten Kritik, dass die Religionen durch Abgrenzung Intoleranz befördern, wird von den Vertretern von vier weltumspannenden Glaubensgemeinschaften weitgehend widersprochen. Horst Steffen ist Pastoralreferent bei der katholischen Kirche und moderiert neutral; er lenkt den Fokus auf die Aussagen der Disputanten auf dem Podium: Der evangelische Saarburger Pfarrer Peter Winter, Zine Artebas (Muslim), Saskia Law (Bahai) und die Jüdin Rachel Kyll. Dabei sind die Bahai mit etwa fünf bis acht Millionen Gläubigen die kleinste und jüngste (gegründet um 1848) Glaubensgemeinschaft. Sie vertreten eine handlungsorientierte Ethik, die sich einer humanitären Vision der gesellschaftlichen Entwicklung und des sozialen Zusammenhalts verpflichtet fühlt.

Andersgläubige respektieren


Übereinstimmend erklären die anderen drei Vertreter, dass sich in ihren Religionen erst in jüngerer Vergangenheit eine Kultur der Toleranz gegenüber Andersgläubigen gebildet hat. Voraussetzung sei der Dialog mit anderen Religionen. Problematisch war und ist es immer dann, wenn Machtstreben und politische Interessen unter dem doktrinären Deckmantel des Glaubens in den Vordergrund treten. Der Muslim Zine Artebas sorgt mit zwei Aussagen für viel Nachdenklichkeit: "Die Opfer islamistischer Fundamentalisten sind übrigens überwiegend selbst Muslime, und die sogenannten Salafisten sind einfach zu wenig auf dem Boden des Islam verhaftet!"
Moderator Horst Steffen fasst nach zweistündiger, hochinteressanter Diskussion zusammen: "In der Begegnung mit den Anderen gelten auch andere Wahrheiten, nämlich die des Anderen." Diesen Satz können alle vier Podiumsteilnehmer unterschreiben.

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