Vier Stunden Kurzweil

NITTEL. Die Geisterstunde beginnt um Mitternacht – normalerweise. Die Premiere des Theaterstücks "Liebe mich… Dann beiß ich dich" im Nitteler Bürgerhaus endete um 0 Uhr. Aber nach dieser fulminanten Aufführung ging mit Sicherheit kein Zuschauer verängstigt nach Hause.

Der neu gegründete Nitteler Theaterverein "Mullebutz" hatte sich prächtig vorbereitet. Wunderbare Kostüme, fantastische Arbeit der Maskenbildner und überragende Kulissen boten einen tollen Rahmen für einen ungewöhnlichen Theaterabend. Das von François Rischard aus Nittel geschriebene und inszenierte Stück "Liebe mich… Dann beiß ich dich" bot Komik pur und bemerkenswerte schauspielerische Leistungen - das Publikum im ausverkauften Bürgerhaus dankte mit lang anhalten-dem Applaus. Zum Inhalt: Im transylvanischen Nittel sind zwei Touristen spurlos verschwunden, und als die Polizei eine Vermisstenanzeige auf-nimmt und dabei erfährt, dass das junge Paar mit dem Fahrrad zum Temmelser Schloss unterwegs war, ahnen Kommissarin Reskiwitsch (souverän: Eva Reski) und Inspektor Rennwijck (absolut glaubwürdig: Alois Wietor) schon, dass dieser Fall ihre Möglichkeiten überschreiten wird. Sie holen sich Hilfe im fernen Luxemburg. Die Hilfe naht in Person von zwei "Spezialagenten" mit Namen Kurz (herrlich prollig: Irmi Wietor) und Lang (der Autor François Rischard), und als die beiden erfahren, dass im Temmelser Schloss offensichtlich Vampire wohnen, sind sie sicher, den Fall in wenigen Minuten lösen zu können. Wer glaubt denn schon an Vampire? Von da an entwickelt sich eine Geschichte, die herrlich absurd ist und die Zuschauer zu Lachsalven hinreißt. Der Clou: Die beiden Vampire "Graf Schwuchtel" (überragend: Winfried Mich) und "Graf Draculi" (sehr überzeugend: Martin Steuer) sind stockschwul. Als Kurz und Lang, die auch "Dumm" und "Dämlich" heißen könnten, im Schloss aufkreuzen, verlieben sich die Vampire in die beiden Agenten. Die drei hübschen Schwestern von Obervampir Schwuchtel verfolgen aber eigene Pläne mit den Überraschungsgästen. Und durch das Chaos wütet der bucklige Diener der Schlossbewohner, eine Kreatur mit Namen Mullebutz (Jörg Fuchs mit großem komödiantischen Talent), gegen die Quasimodo jede Schönheitskonkurrenz spielend leicht gewonnen hätte. Am Ende wird die Menschheit vor den Vampiren gerettet, aber nicht mit Sonnenlicht oder Holzpflock… Die Zuschauer in den weiteren Aufführungen (Karten gibt es noch für die Zusatzvorstellung am Freitag, 3. November) können sich auf einen sehr unterhaltsamen und vergnüglichen Abend freuen. Man sollte aber etwas "Platt" verstehen und ordentlich Sitzfleisch mitbringen. Mit Pausen dauert das Spektakel fast vier Stunden. Lohnenswert ist es allemal!

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