Vision oder Wirklichkeit?

ZÜSCH. Das Volk hat das letzte Wort: Am Sonntag stimmen die Züscher in einem Bürgerentscheid darüber ab, ob ein neues Bürgerhaus gebaut wird oder nicht. An dieser Frage scheiden sich seit Jahren die Geister, was für viel Zoff in Züsch gesorgt hat. Im TV vertreten Gegner und Befürworter des Projekts nochmals ihren Standpunkt.

DAS SAGT HERMANN BERNARDY: "Ein Bürgerhaus brauchen wir allein deshalb, um das Vereinsleben zu aktivieren. Mit einem zentralen Treffpunkt können wir das Wir-Gefühl im Dorf stärken", betont der SPD-Ortsbürgermeister. Das Anwesen Biehl solle sich zum Zentrum von Züsch entwickeln. Für ihn nicht unwesentlich sei die Tatsache, dass der Umbau des leer stehenden, ortsbildprägenden Gebäudes in der Hermeskeiler Straße auch eine optische Aufwertung für Züsch bedeutet. "Ein attraktives Erscheinungsbild ist auch vor dem Hintergrund wichtig, dass wir in unserem geplanten Neubaugebiet Grundstücke verkaufen wollen."Gemeindechef sieht noch Einsparpotenzial

Finanziell könne sich die Gemeinde das Vorhaben leisten, sagt Bernardy, zumal 50 Prozent der Gesamtkosten bezuschusst werden. Und: "Auch beim verbleibenden Anteil von rund 344 000 Euro gibt es noch Einspar-Potenzial", erklärt der Gemeindechef. Wenn man sich beispielsweise für die Mehrwertsteuer-Option entscheide, die zum Vorsteuer-Abzug berechtigt, müsse die Gemeinde im günstigsten Fall bis zu 50 000 Euro weniger investieren. Dem Argument, dass andere Vorhaben in Züsch nicht mehr verwirklicht werden können, wenn das Bürgerhaus gebaut wird, hält Bernardy entgegen: "Ich sehe in den nächsten Jahren keine größeren Projekte, die die Gemeinde finanzieren müsste."DAS SAGT HARTMUT HECK: Der erste Beigeordnete und Chef der "Wählergruppe Heck" kritisiert den Bau eines Bürgerhauses scharf. "Wir sind der Meinung, dass für einen Großteil privater und kultureller Veranstaltungen sowie für Vereinsfeiern in Züsch schon jetzt ausreichend Räumlichkeiten vorhanden sind. Die Investition von 713 000 Euro steht in keinem Verhältnis zu den Nutzungsmöglichkeiten", spricht Heck zudem die aus seiner Sicht unzureichende Größen-Dimensionierung mit "nur" 150 Sitzplätzen im Erdgeschoss an. Ein Bürgerhaus-Bau könne verheerende Konsequenzen für die Gemeindekasse haben: "Wir werden uns auf Jahre binden, weil alles über Kredite finanziert werden muss", sagt Heck. Er rechne damit, dass die Gemeinde allein an Zinsen in den nächsten 20 Jahren rund 200 000 Euro zahlen muss. Zudem weist Heck auf die "Unwägbarkeiten" hin, die mit dem Umbau eines alten Hauses verbunden sind. Dass das Projekt teurer als erwartet wird und früher Reparaturkosten anfallen, sei nicht auszuschließen. Die Erklärungen der Befürworter, das Bürgerhaus sei wichtig, um der Jugend eine Chance zu geben, kann Heck nicht nachvollziehen. "Warum ist dann kein Jugendraum vorgesehen?", fragt der Beigeordnete. "Wir tun nur dann etwas für die Jugend, wenn wir nicht bauen und dafür andere Projekte in Angriff nehmen können", sagt Heck. Das alte Anwesen abzureißen und die frei werdenden Flächen als Bauland ausweisen, wäre für den Kriminalbeamten eine sinnvolle Alternative.DAS SAGT HERMANN METER: "Der Bau eines Bürgerhauses ist die letzte Chance, um in Züsch noch etwas zu gestalten. Wenn das nicht klappt, sind wir ein untergehendes Dorf", fürchtet der Mitbegründer der Bürger-Initiative, die die Abstimmung am Sonntag erwirkt hat. Für viele Veranstaltungen ist die Mehrzweckhalle nach seiner Auffassung zu kahl und zu groß. "Wir brauchen aber einen Ort für familiäre Feiern, brauchen eine Stätte der Begegnung für unsere Jugend", sagt das langjährige Ratsmitglied. Meter prangert vor allem das Vorgehen der "Wählergruppe Heck" scharf an. "Die haben jahrelang für das Projekt gestimmt, ihre Meinung danach aber mehrmals um 180-Grad geschwenkt." Die Bedenken, dass die Gemeinde das Vorhaben nicht schultern kann, hält Meter für unbegründet. "Das ist doch alles genau überprüft worden. Außerdem gibt einen abgesegneten Finanzierungsplan."Bürger müssen nicht mit ihrem Vermögen haften

Weil er oft darauf angesprochen worden sei, legt Meter auch Wert auf die Feststellung, "dass kein Bürger mit seinem persönlichen Vermögen haften muss, wenn die Gemeinde das Ganze finanziell doch nicht packen sollte". Obwohl der Bürgerentscheid erst durch das Engagement von ihm, Palmatius Kohlhaas und Hermann Schmitt möglich wurde, kritisiert Meter, dass es überhaupt so weit kommen musste. "Die Sache hätte eigentlich vom Rat entschieden werden müssen. Dass jetzt die Verantwortung auf die Bürger abgewälzt wird, finde ich im Prinzip nicht richtig."DAS SAGT MICHAEL HÜLPES: "Ich bin absolut dafür, dass ein Bürgerentscheid gemacht wird", erklärt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil. Eine Empfehlung enthält sich der Verwaltungschef zwar diplomatisch ("In dieser Situation wollen wir den Züschern diese Entscheidung nicht abnehmen"). Wie auch immer die Abstimmung aber ausgeht: "Der Beschluss wird danach ohne Wenn und Aber durchgesetzt", sagt der CDU-Politiker.

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