Visionen kosten kein Geld

BERNKASTEL-KUES. Vom ersten gemeinsamen Weinbautag an Mosel, Saar, und Ruwer soll ein Signal ausgehen. Aufbruchstimmung kam am Dienstag allerdings nur phasenweise auf.

Die Premiere des Mosel Weinbautages dauerte bereits drei Stunden. Es wurde langsam laut, die ersten Besucher verließen die Mosellandhalle. Doch als Werner Kirchhoff, Vorstandsvorsitzender der Moselland eG ans Mikrofon ging, trat noch einmal Ruhe ein. "Lassen Sie uns Weinbaupolitik machen", forderte er. Was er meinte, war eine Diskussion, die nichts mit Parteipolitik zu tun hat. Dem Experten war das Thema "Vision 2020" zu kurz gekommen. Norbert Weber, der Präsident des Deutschen Weinbauverbandes, hatte zwar das "Grundgerüst" dieser angestrebten Neuordnung dargestellt: Davor, danach und in der Diskussion ging es dann aber wieder um Fördermöglichkeiten, Versäumnisse und Schuldzuweisungen in Richtung Politik.Schon vor 100 Jahren hätten Winzer Visionen gehabt. "Sonst wäre der Moselwein in den 20er- bis 40er-Jahren nicht auf den großen Weinkarten vertreten gewesen", sagte Kirchhoff. "Wenn es heute nicht um Visionen geht, brauchen wir diesen Weinbautag gar nicht erst zu machen.""Moselwein muss Eigenständigkeit behalten"

Kirchhoffs Visionen kosten noch nicht einmal Geld. "Wir müssen Riesling verkaufen, den der Verbraucher trinken will", sagte er, "und wir müssen uns auf das besinnen, was wir am besten können. Und das ist der Weißwein."Die Visionen, über die in Regie des Deutschen Weinbauverbandes gesprochen werde, haben, so Kirchhoff, noch viele Schwächen: "Doch wenn wir keine Visionen mehr haben, können wir mit dem Weinbau aufhören." Riesling von Mosel, Saar und Ruwer, dürfe anders schmecken als ein Pfälzer Riesling. Kirchhoff: "Wir verlieren den Krieg, wenn wir unsere Eigenständigkeit verlieren."Die Visionen, die bis 2020 bundesweit eine Vereinheitlichung im Wust von Bezeichnungen und Klassifizierungen bringen sollen, sehen unter anderem vor, dass Prädikatsweine nur noch im lieblichen und edelsüßen Bereich liegen. Das trockene Segment soll mit den Classic- und Selections-Weinen sowie mit den ersten Gewächsen bedient werden. Außerdem sollen die Winzerbetriebe, wie andere Sparten auch, einer Zertifizierung unterzogen werden. Weber: "Erzeuger, Vermarkter und Handel haben jetzt noch die Chance zu diskutieren, ehe sich auch der Staat Gedanken macht." Das Konzept funktioniere aber nur, wenn Erzeuger und Kellereien mitmachten. Zu den Erzeugern gehören, das ist Weber wichtig, auch die Fasswein-Produzenten.Adolf Schmitt, Präsident des Weinbauverbandes Mosel-Saar-Ruwer, Weinbau-Staatssekretär Günter Eymael und die Europa-Abgeordnete Christa Klaß (CDU) machten die Sichtweise aus ihren jeweiligen Aufgabenbereichen klar.Dabei kamen die Defizite (Rückgang der Rebfläche, Gefahr für die Kulturlandschaft) genauso zur Sprache wie die Stärken (unnachahmliche Qualität, einmalige Landschaft).Vielleicht ist es ja noch früh genug für einen Wechsel in eine gute Zukunft. Immerhin hatte Hubert Friedrich, Leiter des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Mosel, zu Beginn der Veranstaltung gefordert, dass von dem Weinbautag ein Signal zum Aufbruch ausgehen müsse: "Wir müssen mit einer Stimme reden."