Völkerverständigung im Hochwald: Jugendliche aus verschiedenen Ländern machen Arbeitsurlaub im Forst

Völkerverständigung im Hochwald: Jugendliche aus verschiedenen Ländern machen Arbeitsurlaub im Forst

Junge Leute aus unterschiedlichen Ländern haben drei Wochen freiwillig und ohne Lohn im Hochwald gearbeitet. Dabei lernten sie die Region und die Menschen kennen.

Hermeskeil. Nun heißt es Abschied nehmen für 15 Teilnehmer einer Freiwilligeninitiative des Vereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste, kurz ijgd (siehe Extra). Seit dem 19. Juli arbeiteten die jungen Leute, vorwiegend Schüler und Studenten, im Forstamt Hochwald. Und das freiwillig und unentgeltlich im Rahmen eines sogenannten Workcamps mit Teilnehmern aus verschiedenen europäischen Ländern - und darüber hinaus. Ihr einziger "Lohn": fünfstündige Arbeitstage, die es ihnen erlaubten, auch Land und Leute kennenlernen zu können, und freier Eintritt wie ins Schwimmbad - gesponsert von der Stadt.Ausflüge in die Umgebung


Kletterpark- und Sommerrodelbahn-Ausflüge erwiesen sich als echte Gruppenerlebnisse, schwärmte Mona Möntmann (24), die mit Natalija Radivojevic (22) die 16- bis 24-Jährigen betreute. Außerdem besuchten sie Trier, die Burg Grimburg und die Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert, und an den Regentagen war eben Kartenspielen angesagt. Hilfreich für die Arbeiten sei gewesen, dass dank eines "vernünftigen Teamworks alles gut funktionierte". Und sie hätten viel gelernt, nennt sie als Beispiele die um das Duschgebäude der Pfadfinderhütte verlegten Drainagerohre sowie eine "römische Feuerstelle" - gebaut nach Plänen von den Grabungen am Militärlager: "So etwas erlebt man ja nicht alle Tage."

Auch das dürfte mit beigetragen haben, dass Teilnehmer aus Ländern wie Frankreich, Russland, der Türkei oder auch Deutschland durchweg zufrieden sind. Schließlich stand für sie selbst neben Arbeit und Freizeitspaß eher etwas anderes im Vordergrund. So verriet etwa Matteo (19) aus Italien, dass er vor allem deshalb dabei sei, "um neue Leute kennenzulernen". Levan (21) aus Georgien motivierte die Aussicht auf einen Auslandsaufenthalt und die Spanierin Maria (21) der Einblick in andere Kulturen. "Ich denke, das ist eine gute Sache", begründete sie ihre Entscheidung, sich in ihrer Freizeit für das Allgemeinwohl in einem anderen Land zu engagieren. Dabei war Waldarbeit für fast alle eine völlig neue Erfahrung.

Bahabolom (16) aus Eritrea versicherte zwar, er arbeite gern im Wald. Doch für Milica (21) aus Serbien war nicht nur das ungewohnt. Sie habe bisher auch noch nie selbst gekocht, erzählte sie lachend. Denn viel wichtiger war für sie der Einblick in andere soziale Gefüge und, dass sie die deutsche Sprache üben konnte.Lob für die "gute Grupppe"


Von Hermeskeils Forstrevierleiter Jörg Clemens gibt es nur Lob: für die "gute Gruppe" wie für das funktionierende Miteinander von Helfern und Forstwirten auch der Reviere Sternfeld und Beuren. Gemeinsam hätten sie "viel geschafft", nennt er sehr viel mehr als "Freistellungs- und Schälschutzarbeiten": Sie hätten Gatter abgebaut, Gewässer gepflegt, am Naturerkundungspfad eine neue Station aufgebaut und vieles entlang des Weges frisch gestrichen. Im Forstrevier Sternfeld bauten die Freiwilligen einen Hochsitz mit auf und eine neue Aussichtsplattform am Knüppeldamm im Weyrichsbruch, und im Revier Beuren karrten sie Hackschnitzel bei für Fußwege wie etwa zu Kreuzen.

Hermeskeils Stadtbürgermeister Mathias Queck bezeichnet das zweite Camp dieser Art in Hermeskeil als eine "gute Sache". Das Projekt bringe Jugendliche verschiedener Länder zusammen und diene so ja auch der Völkerverständigung. Außerdem könnten die jungen Leute, die in der Pfadfinderhütte übernachteten und sich dort selbst kochten, nebenbei Deutsch lernen. Die Initiative zeigt für ihn aber auch Perspektiven auf für die von der Stadt geplante Waldwerkstatt (der TV berichtete). Hermeskeil kann dafür mit 75 Prozent Zuschuss aus dem Leader-Programm der EU rechnen.Extra

Am Knüppeldamm im Weyrichsbruch bei Kell hat eine Jugendgruppe einen Hochsitz und eine Aussichtsplattform mit aufgebaut. Mit im Bild Revierleiter Markus Kritten (links) und Forstwirt Ludwin Loch (rechts). Foto: Forstamt Hochwald.

"Völkerverständigung, interkulturelles Lernen und die Förderung freiwilligen Engagements" sind die Ziele des Vereins Internationale Jugendgemeinschaftsdienste ( www.ijgd.de/workcampsinternational/ ). Gegründet 1949, organisiert er seit mehr als 60 Jahren Workcamps, Ferien- oder Urlaubsfreizeiten für junge Leute, die sich so engagieren und gleichzeitig Land und Leute kennenlernen können. Dafür kooperiert der gemeinnützige Verein der internationalen Jugendarbeit mit Kommunen, Jugendämtern, Forst- oder Umweltschutzbehörden. Jährlich nehmen an circa 100 Workcamps in ganz Deutschland etwa 1500 junge Menschen teil. Weitere 400 arbeiten in Camps ausländischer Partnerorganisationen. Etwa zeitgleich arbeiteten zwei weitere ijgd-Workcamps in den Forstämtern Traben-Trarbach und Saarburg. urs

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