Vogelgrippe: Kreis übt den Ernstfall

Vogelgrippe: Kreis übt den Ernstfall

HERMESKEIL/TRIER. Wie groß die Gefahr ist, dass die Vogelgrippe – wie die Geflügelpest umgangssprachlich genannt wird – den Kreis Trier-Saarburg trifft, kann niemand sagen. Um im Falle eines Falles gut vorbereitet zu sein, übte der Kreis jetzt den Ernstfall – um Schwachstellen zu erkennen und mehr Sicherheit zu gewährleisten.

Futuristisch wirkt das Szenario auf dem Übungsgelände der Kaserne Hermeskeil. In weißen und gelben Schutzanzügen vermummte Menschen tragen Körbe zwischen einem Gebäude, das einen Legehennenbetrieb simuliert und dem Kleincontainer, auf dem Geflügeltötung steht, hin und her. Alles wirkt echt, nur das Geflügel und das Geschnattere fehlen. Und die Vorstellung daran lässt erschaudern. Einige Meter weiter warten Feuerwehrmänner auf ihren Einsatz. In einer aufgebauten Waschstraße werden sie die Fahrzeuge beim Verlassen des Geländes dekontaminieren. Kreis verantwortlich für Bekämpfung der Seuche

"Wir sind davon ausgegangen, dass im Laufe des Mittwochs auf einem Geflügelhof mit 4500 Tieren und 750 Junghennen in der Verbandsgemeinde Hermeskeil vermehrt Todesfälle im Aufzuchtstall festgestellt wurden", erklärt Kreisveterinär Dirk Lühnenschloß das Szenario. Bis zum Mittag des Folgetages seien etwa 150 Tiere verendet. Daraufhin habe der Betriebsinhaber den Geflügelgesundheitsdienst unterrichtet, der noch am gleichen Nachmittag den Legehennenbetrieb besucht habe. Im Verdachtsfall werden verendete Tiere und Blutproben per Kurier an das Landesuntersuchungsamt nach Koblenz gebracht. Erste aussagekräftige Ergebnisse könnten im fiktiven Fall frühestens für den späten Nachmittag des Freitags erwartet werden. "Aufgrund des seuchenhaften Krankheitsgeschehens wurde das Veterinäramt in Trier benachrichtigt, das den Geflügelhof umgehend sperrte", erläutert Lühnenschloß die Ausgangslage weiter. "Verantwortlich dafür, dass die Bekämpfung der Seuche in Gang gesetzt wird, ist der Kreis", sagte Landrat Günther Schartz. Heißt: Der Kreis gibt das Kommando dafür, dass alle Tiere getötet werden. Davon gingen die Übenden aus. Im Veterinäramt in Trier wurde ein Krisenzentrum errichtet, von wo aus alle erforderlichen Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche koordiniert werden können. Übergeordnete Behörden, die lokale Ordnungsbehörde der entsprechenden Verbandsgemeinde, Feuerwehr sowie Polizei wurden umgehend informiert. Auf einer Landkarte sind der Sperrbezirk - drei Kilometer um das Seuchengehöft - das Beobachtungsgebiet und die Kontrollzone festgelegt, erklärt Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier Saarburg. Im erfundenen Fall wären 263 Geflügel haltende Betriebe mit 99 501 Tieren betroffen. Etliche Aufgaben, wie das Ordern der Container, die in der Tierbeseitigungsanlage in Rivenich (Kreis Bernkastel-Wittlich) stehen und das Benachrichtigen einer Firma, die sich auf Tiertötungen spezialisiert hat, müssen erfolgen. Auch die Bürger werden im Ernstfall nicht alleine gelassen. Müller: "Im Krisenzentrum besetzen wir drei Bürgertelefone, um Fragen zu beantworten." Nach der Übung in Hermeskeil, in der von der Kreisverwaltung bis zum Malteser Hilfsdienst 50 Beteiligte ihre Rollen übernommen hatten, wurde die Übung im Krisenzentrum analysiert: "Im Grunde sind keine schwerwiegenden Probleme aufgetreten", resümierte Landrat Günther Schartz während einer Pressekonferenz. Kleine Mängel seien beim Desinfektionsprozess der Kleidung festgestellt worden. Schartz: "Hier wird mehr Platz benötigt." Für Dirk Lühnenschloß ist von großer Bedeutung, dass die Ansprechpartner sich vor Ort persönlich kennen gelernt haben. Die Übung sei auf alle Tierseuchen übertragbar. Landrat Günther Schartz fühlt sich nach der Übung sicherer, weil er weiß, "dass wir untereinander die Kommunikationsstruktur stehen haben."

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