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Volksbank schließt im Sommer Filiale in Greimerath - Gemeinde hofft auf Geldautomaten

Volksbank schließt im Sommer Filiale in Greimerath - Gemeinde hofft auf Geldautomaten

In Greimerath wird es ab dem kommenden Sommer keine Bankfiliale mehr geben. Die Volksbank will ihre Geschäftsstelle im Ort aufgeben und stattdessen ihr Angebot in Zerf ausbauen. Die Ortsgemeinde kämpft dafür, dass zumindest ein Geldautomat im Dorf erhalten bleibt. Doch die Hoffnung darauf scheint gering.

"Die Leute sind entsetzt", sagt Greimeraths Ortsbürgermeister Edmund Schmitt. Allmählich verbreite sich unter den Bürgern die Nachricht, dass die Volksbank die einzige Bankfiliale in dem etwa 1050 Einwohner zählenden Ort im kommenden Jahr schließen will.

Schmitt weiß darüber seit Anfang Oktober Bescheid. Damals hatte ihn die Bank zum Gespräch in die Saarburger Geschäftsstelle eingeladen. Dort habe man ihm mitgeteilt, dass sich zunächst die Öffnungszeiten der Greimerather Filiale in Abstimmung mit der Zerfer Filiale ändern würden. Seither können die Kunden in Greimerath dienstags und donnerstags am Vor- und Nachmittag ihre Geldgeschäfte erledigen. Darüber hinaus erfuhr der Ortschef aber auch, dass die Filiale im Sommer ganz aufgegeben wird und die Greimerather künftig in Zerf mitversorgt werden sollen.

Als Begründung habe man ihm "wirtschaftliche Gründe" genannt, sagt Schmitt. "Wir sehen ein, dass im Sinne der Kunden eine gewisse Wirtschaftlichkeit geprüft wird. Aber diese Kunden haben letztendlich auch für den Erfolg gesorgt - und nun lässt man sie im Stich", beklagt der Ortschef.

Es trifft besonders die Älteren

Der Ortsgemeinde sei es ein "großes Anliegen", dass zumindest eine Versorgung mit einem Geldautomaten und Überweisungsgerät im Ort verbleibt. Die Volksbank habe ihm erklärt, dass darüber noch nicht entschieden sei. "Deshalb möchten wir unseren eindringlichen Appell an die Verantwortlichen senden." Die Strukturen dafür, sagt Schmitt, seien schließlich vorhanden: "Es wären keine übermäßigen Kosten aufzubringen." Auch bei der ersten Beigeordneten Christel Martin besteht noch "Hoffnung, dass wir einen gewissen Service im Ort erhalten können". An eine Genossenschaftsbank wie die Volksbank habe sie auch entsprechende Erwartungen, sagt Martin. "Sie folgen ja der Philosophie, für ihre Kunden vor Ort da zu sein." Die Greimerather hätten der Bank zudem schon viel zurückgegeben. Vor Jahren habe es neben der Filiale auch ein Raiffeisen-Lager für Baumaterial im Ort gegeben, ergänzt Ortschef Schmitt. "Hier sind ganze Häuser mit diesem Material gebaut worden."

Bei seinen Besuchen im Dorf, etwa bei runden Geburtstagen, habe er bereits viele Reaktionen auf die angekündigte Filialschließung mitbekommen: "Die Enttäuschung ist groß." Vor allem die älteren Menschen, die "gern Bargeld in der Tasche haben", könnten ihre Bankgeschäfte bald nicht mehr so leicht erledigen. "Sie brauchen dann immer jemanden, der sie nach Zerf fährt." Auf die Busverbindung dorthin könne man kaum bauen, gibt Christel Martin zu bedenken. Morgens und mittags fahre zwar ein Bus, aber zurück komme man erst Stunden später. Mal eben Geld abzuheben, sei daher kaum machbar. Die Gemeinde wolle "nichts unversucht lassen", sagt Schmitt, bevor die definitive Entscheidung über mögliche dauerhafte Dienstleistungen in Greimerath falle.

Die Volksbank macht darauf jedoch kaum Hoffnung. Man wolle die Filiale zum 31. Juli 2017 in die Zerfer Geschäftsstelle integrieren. Diese werde im neuen Gewerbegebiet neben dem geplanten Supermarkt neu errichtet, teilt Alfons Jochem, Vorstandsmitglied der Volksbank Trier, auf Anfrage mit. In Zerf würden dann auch Geräte zur Selbstbedienung wie Geldautomaten und Überweisungsgeräte bereitstehen. Weil man diese Angebote in Zerf bündele, könne man in Greimerath künftig keinen solchen Service anbieten.

Kunden überweisen im Internet

"Die Entscheidungen sind uns nicht leicht gefallen", sagt Bankvorstand Jochem. Die "Rahmenbedingungen" für Banken und das "Kundenverhalten" hätten sich jedoch "nachhaltig verändert". Das Onlineangebot werde stärker genutzt. In Greimerath sei die "Kundenfrequenz leider nur noch so gering, dass wir den Standort nicht halten können". Dort würden mittlerweile 91 Prozent aller Überweisungen online getätigt. Auch die Zahl der Ein-und Auszahlungen gehe stark zurück - von 155 im Oktober 2015 auf 71 im Oktober 2016. Deshalb müsse die Bank ihren "Filialbetrieb anpassen". Man habe die Kunden darüber bereits schriftlich und in Gesprächen informiert.Meinung

Kunden nicht im Regen stehen lassen

Von Christa Weber

Durch einige Dörfer ging im Frühjahr ein Aufschrei, weil die Sparkasse dort Filialen geschlossen hat. Die Greimerather trifft nun dasselbe Schicksal. Dort zieht sich die Volksbank zurück, die Gründe dafür sind aber ganz ähnlich: Die Filiale wird zu wenig genutzt, immer mehr Kunden erledigen ihre Bankgeschäfte online.

Es stimmt sicherlich, dass immer weniger Menschen auf eine Filiale im eigenen Ort angewiesen sind. Aber trotzdem gibt es noch Kunden, denen das Ausweichen auf Onlinebanking oder eine weiter entfernte Filiale große Probleme bereitet. Und die darf man nicht einfach im Regen stehen lassen. Betroffen sind vor allem die Älteren. Und gerade sie haben die Geldinstitute mit ihren Sparguthaben jahrzehntelang unterstützt. Aber sie haben selten Erfahrung mit Onlinebanking, sind oft nicht mobil, die Busanbindungen sind problematisch - und der Nachbar bringt zwar gern die Einkäufe vorbei, aber wohl kaum Geld von der Bank.

Die Ortsgemeinden tun bereits viel, um verlorene Infrastruktur aufzufangen. Etwa durch eigene Dorfläden, wenn der Supermarkt schließt. Die Leistungen einer Banken können sie nicht ersetzen. Hier sind sie darauf angewiesen, dass auch die Banken im Sinne ihrer Kunden an einer Lösung mitarbeiten. Einen Geldautomaten aufzustellen, zumindest für eine Übergangszeit, könnte eine Lösung sein.

c.weber@volksfreund.de