Voll im Trend: Landwirt im Hochwald baut Ur-Weizensorten Emmer und Dinkel an

Kostenpflichtiger Inhalt: Ur-Weizensorten im Trend : Das Korn der alten Römer kehrt zurück - Hochwälder Landwirt baut Emmer und Dinkel an

Im Hochwaldort Mandern baut Landwirt Stefan Marx Emmer und Dinkel an. Beim Verbraucher liegen solche Ur-Getreidesorten voll im Trend. Doch werden sie in der Region nur noch selten kultiviert. Denn es braucht gewisse Voraussetzungen, um sie erfolgreich zu vermarkten.

Stefan Marx streift mit der Hand über die Getreidehalme auf einem Feld bei Mandern. Dass es sich bei den Pflanzen nicht um normalen Weizen handelt, erkennt auch ein Laie. Die Ähren sind dunkel gefärbt. „Das ist charakteristisch für den Schwarzen Emmer“, erklärt der Landwirt aus dem Hochwald.

Emmer ist eine der ältesten Getreidearten der Welt, eine Art Ur-Form des Weizens, die schon vor 10 000 Jahren im Nahen Osten angebaut wurde. Zur Römerzeit galt Emmer als „Weizen von Rom“. Heute ist er auf europäischen Äckern weitgehend durch die ertragreicheren Getreide Weizen und Roggen verdrängt worden. Seit ein paar Jahren steigt das Interesse am Ur-Korn jedoch wieder. Stefan Marx ist einer von wenigen Getreidebauern in der Region, die sich den alten Sorten widmen. 150 Hektar Anbaufläche besitzt er, auf vier davon wächst Emmer, auf 15 Hektar Dinkel, ebenfalls ein Ur-Weizen. „Wenn man als Landwirt überleben will, muss man etwas Besonderes machen“, begründet der Hochwälder seine Initiative.

Vor drei Jahren hat er begonnen, Ur-Korn auszusäen. Es sei kein ökologischer oder „Bio“-Anbau, erklärt er, sondern integrierter Anbau. Dabei werden etwa bei Anbautechnik, Düngung und Pflanzenschutz umweltschonende Methoden angewandt, ohne alle strengen Vorgaben zu befolgen, die für die ökologische Landwirtschaft gesetzlich vorgeschrieben sind. Vor kurzem hat Marx die Ernte beendet, die bei Emmer und Dinkel sehr aufwendig ist: „Die Körner kleben an der Hülle, dem Spelz. Sie müssen geschält werden.“ Dafür habe er eine 35 000 Euro teure Maschine, die vier Tonnen Getreide pro Tag schäle.

Wegen des Spelz liege der Ertrag von Emmer etwa bei einem Drittel derselben Menge Weizen. Die aktuelle Trockenheit habe den Ertrag zusätzlich noch etwas gemindert. Aber das Ur-Getreide hat laut Marx auch Vorteile. Es ist zum Beispiel weniger krankheitsanfällig, wächst auch auf nährstoffärmeren Böden – und ist beim Verbraucher gefragt wie lange nicht. „Viele Leute sagen, dass ihnen die alten Sorten besser bekommen. Sie sind noch im ursprünglichen Zustand. Auf die hochgezüchteten Proteine im heutigen Weizen reagieren viele mit Unverträglichkeiten.“ Neben der steigenden Nachfrage, sagt Marx, motiviere ihn „eine gewisse Experimentierfreude“. Man müsse sich langsam herantasten an den Umgang mit Emmer, für den es keine allgemeinen Anbauempfehlungen gebe.

Dass er diese Produktionsnische mit Erfolg besetzt hat, liegt auch an besonderen Umständen, weiß Marx: „Bei mir ist der Absatz gesichert.“ Der von ihm geerntete Emmer und Dinkel werde in der Wagner-Mühle in Sommerau (Ruwertal) zu Mehl vermahlen. Neben ihm belieferten zwei weitere Landwirte aus der Region die Mühle. Mehr als dort verbraucht werde, könne er nicht anbauen. Dennoch sei das Geschäft mit dem Ur-Getreide ein wichtiges Standbein. „Die Preise fürs Getreide stimmen schon lange nicht mehr. Bei Weizen und Roggen liegen sie auf einem Niveau wie vor 50 Jahren“, beklagt der Manderner. Ohne die Subventionen der EU könne man in der Landwirtschaft nur noch schwer existieren. Beim Emmer habe er im Vorjahr 60 Euro für den Doppelzentner (100 Kilogramm) bekommen. Er habe bereits weitere Ur-Sorten wie Wald­staudenroggen im Blick. „Aber man darf nicht alles auf einmal machen. Erst muss der Emmer noch bekannter werden.“

Die dunklen Ähren sind ein Markenzeichen des Emmers, der sozusagen ein Vorfahre unseres heutigen Weizens ist. . Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Dass der bereits gut angenommen wird, bestätigt Müller Wolfgang Wagner. Kunden im Mühlenladen kämen sogar aus Prüm und dem Saarland. „Es spricht sich einfach rum.“ Er verkaufe sein Mehl nicht nur an Großkunden wie Bäckereien, sondern auch an kleinere Supermärkte, Bauernläden und Privatleute, inzwischen auch per Online-Shop. Angesichts der Konkurrenz durch die großen Industriemühlen, sagt Wagner, sei es der richtige Weg, „statt auf Masse auf Qualität und Außergewöhnliches zu setzen.“ Die Kunden wollten gesunde Produkte – Urgetreide sei reich an Mineralstoffen. Viele Menschen backten heute ihr Brot wieder selbst. „Wir kommen immer mehr darauf zurück, wie früher gearbeitet wurde.“

So sieht Dinkel aus – vor dem Schälen (links) und danach (rechts). Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Das ist auch die Philosophie von Tobias Ehses, der im Hochwald in Reinsfeld die Bäckerei Düren-Süß betreibt. Er verwende das Emmer- und Dinkelmehl aus Sommerau, sagt er, weil er gern „mit robusten Rohstoffen“ arbeite, die zudem direkt aus der Region stammten. „Es ist cool, mit etwas so Ursprünglichem zu backen“, sagt Ehses. „Die Kelten und Römer haben damit schon gearbeitet.“ In seinen Backkursen fragten die Teilnehmer immer häufiger nach den alten Sorten. Der Absatz von Emmer- und Dinkelvollkornbrot sei gut. Deren Teig ruhe und reife sehr lang. Das mache das Brot verträglicher. „In der industriellen Herstellung geht so etwas gar nicht.“

Gerhard Brenner, Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbands im Kreis Trier-Saarburg, freut sich über das offensichtlich gut funktionierende kleine Ur-Getreide-Netzwerk. Solche lokalen Strukturen seien allerdings auch Voraussetzung für den Erfolg, da die Vermarktung alter Getreidesorten nicht über „die klassischen Wege“ funktioniere. Zudem seien solche Nischen, um die es sich bei Emmer und Dinkel handele, schnell besetzt: „Die Frage ist dann immer, wie weit man so etwas ausdehnen kann, ohne Konkurrenz- und Preisdruck aufzubauen.“ Dass Landwirte wie Stefan Marx über Einkommensalternative nachdenken, sei aber nicht verwunderlich, sagt Brenner. „Beim Getreide haben wir hochspekulative globale Märkte. Der Preis für 100 Kilogramm Weizen liegt aktuell bei 17 Euro.“

Hochwälder Landwirt baut Ur-Getreide an

Das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Eifel berät Landwirte im ehemaligen Regierungsbezirk Trier. Dort ist der Anbau von Emmer und Dinkel laut DLR-Mitarbeiter Markus Gasper „eine absolute Nische“ (siehe Info). Er kenne etwa sieben Landwirte, die Dinkel anbauten, unter anderem in Trier-Filsch, Morscheid (VG Ruwer) und Newel (VG Trier-Land). Emmer müsse man „weit suchen gehen“. Das liege auch an der erforderlichen Technik für das Schälen der Früchte. Ein Absatz-Netzwerk wie rund um die Mühle in Sommerau sei ideal, sagt Gasper: „Da wird lokal angebaut, verarbeitet und vermarktet.“

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