Vom Bauerndorf zur Wohngemeinde

SCHWEICH/RUWER/TRIER-LAND. Wie sah es früher in den Verbandsgemeinden Schweich, Ruwer und Trier-Land aus? Wie haben sich die Dörfer im Laufe der Zeit entwickelt? Diesen und anderen historischen Fragen geht der Trierische Volksfreund jeden Donnerstag in seiner Reihe "Stadt- und Dorfgeschichte(n)" nach. Heute präsentieren wir ein historisches Foto des Dorfes Gutweiler aus den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Das Bild beschreibt Barbara Weiter-Matysiak.

Das Foto gehört zu einer Bilderserie, die Friedhelm Thörnig um das Jahr 1965 aufgenommen hat. Unverkennbar ist der signifikante Kirchturm, der 1953 der Giebelfront der neugotischen Kirche von 1895 vorgesetzt wurde. Eine Pfarrkirche wurde erstmals 1569 erwähnt, ein noch vorhandener Zahlenstein bezeugt den Neubau einer Kirche 1578. Die Kirche war von alters her Ziel von Wallfahrten auch aus der weiteren Umgebung zu den heiligen Ärzten Cosmas und Damian, den Kirchenpatronen von Gutweiler. Der kleine Ort, im Jahr 1098 in einer Urkunde des Simeonstifts erstmals schriftlich belegt, wies im 16. und 17. Jahrhundert nur jeweils sieben Feuerstellen auf, das entspricht etwa 35 bis 49 Einwohnern; im Jahr 1787 zählte Gutweiler mit Sommerau 81 Einwohner. Im Jahr 1760 wurde ein Pfarrhaus errichtet, in dem auch Schulunterricht abgehalten wurde. Im Jahr 1830 wurde dann vom Schulverband Gutweiler-Sommerau-Korlingen eine Schule gegenüber der Kirche gebaut. Dieses alte Schulgebäude, die Kirche und das Pfarrhaus markieren den alten Ortseingang. Heute haben Neubaugebiete den historischen Dorfbereich an den nordwestlichen Rand des Orts gerückt. Bis Mitte der 1960er-Jahre war das landwirtschaftlich geprägte Gutweiler auf 282 Einwohner angewachsen. Noch zeigt das Bild ein klassisches Bauerndorf. Die Getreidegarben sind zum Trocknen aufgestellt, Rüben und Mais reifen auf den Nachbarfeldern, und ein Kranz von Obstbäumen umgibt das Dorf. Doch der Strukturwandel war damals in vollem Gange: Die Schulchronik berichtete bereits im Jahr 1969, dass es nur noch einen Vollerwerbsbauern in Gutweiler gebe. Der Rest der Erwerbsbevölkerung hatte sich bei der Firma "Romika" oder anderswo verdingt und bebaute seine Äcker nach Feierabend. In den 1960er-Jahren waren eine neue Schule gebaut, der Ort kanalisiert, umfangreiche Neubaugebiete im Brühl und im Obersten Garten ausgewiesen (rechts außerhalb des Bildausschnittes) sowie der alte Häuserbestand modernisiert oder durch Neubauten ersetzt worden.Wachstum dank Nähe zur Universität

Es war die Nähe zu Trier und der Universität, die die Einwohnerzahl des idyllischen Ortes in der Folge auf mehr als 700 Einwohner anwachsen ließ und den Wandel vom Bauerndorf zur Wohngemeinde forcierte.

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