Vom Bergrücken zum Großschock

Ungewöhnliche oder geheimnisvolle Straßen- und Ortsnamen nimmt der Trierische Volksfreund an dieser Stelle unter die Lupe und versucht, ihre Herkunft zu erklären. Diesmal geht es um die Straße "Am Großschock" in Obermennig.

Konz-Tälchen. (kdj) Gelegentlich geben Straßennamen Rätsel auf - vor allem dann, wenn sie sich nicht bestimmten Ereignissen, Orten oder Personen zuordnen lassen. Aber selbst wenn sie ausgesprochen ortsbezogen sind, bringen sie nicht nur Heimatforscher gelegentlich ins Grübeln. Das liegt oft daran, dass der Name über Jahrhunderte hinweg aus Ausdrücken anderer Sprachräume "gewachsen" ist, wie beispielsweise die Bezeichnung "Am Großschock", die im Konzer Tälchen einer kleinen Straße ihren Namen gab.

Herkunft liegt im Lateinischen



Was wie eine unspezifische Erinnerung an ein fürchterliches Ereignis klingt, offenbart sich dem Forscher nach sorgfältiger Recherche als ein aus einer fremden Sprache über lange Zeit veränderter Name, der auf den ersten Blick nicht mehr erkennbar "eingedeutscht" wurde.

Rudolf Molter, Konzer Heimatforscher und Autor mehrerer Bücher, befasst sich eingehend mit der Bezeichnung "Schock" und schreibt, sie werde bereits in einer Sankt Mattheiser Urkunde aus dem Jahr 1443 verwendet, welche die Brüder Grimm zitieren. Darin heißt es: "bis an Menger (= Niedermenniger) Graben oder Schock". Auch im Gerichts- und Schöffenbuch von Krettnach und Obermennig werde 1599 "ein Anwander (Anlieger) auf Groß Schock" bei einer Flurbegehung genannt, und 1725 werde ein unweit Obermennig gelegener Wald "groß schock" in einen Weinberg verwandelt.

Rudi Molter hat den Begriff "Schock" von seiner heutigen Bedeutung gelöst und leitet ihn vom lateinischen "iugum" (auf Deutsch: Ochsen-Joch) ab, dessen gebogene Form einem Bergrücken ähnlich ist. Molter: "Tatsächlich werden die höchsten Plätze im Dorf oder Bergrücken (=Buckel) Schock genannt."

Name entwickelt sich im Laufe der Jahrhunderte



Molter nennt weitere Beispiele: "An der Obermosel, im luxemburgischen Raum, heißt die Kirchenempore Schock", und er zitiert einen volkstümlichen Ausspruch: "De Scheier as voll bes enner de Juck", was so viel heißt wie "die Scheune ist voll bis zum Dach". Molter berichtet auch von einer Urkunde von St. German /Trier aus dem Jahr 1505, worin eine Konzer Juck/Jock im Bereich des hochgelegenen heutigen Heinengärtenwegs genannt ist. Vom lateinischen iugum zum Schock macht Molter mehrere Stationen fest. Aus iugum wurde das althochdeutsche juh oder joh; im Altfranzösischen hieß das Ochsen-Joch joug. Vom Juck oder Jock und zum Schock war es dann nicht mehr weit.