Vom Hochwald in den wilden Westen

Vom Hochwald in den wilden Westen

Von rund sieben Millionen Menschen wanderten alleine zwischen 1850 und 1900 fünf Millionen aus Deutschland nach Nordamerika aus, darunter 44 Lampadener Bürger. Diese und weitere interessante Informationen hielt Dr. Herbert Jakoby auf Einladung des LampaDia-Teams für die Zuhörer im gefüllten Gemeindesaal bereit.

Lampaden. Etwa 50 Millionen Amerikaner sind deutschen Ursprungs. Die Auswandererwelle zwischen 1850 und 1900 brachte alleine 44 Lampadener Bürger nach Nordamerika. Aber auch die Zahlen für die einzelnen Ortschaften der Verbandsgemeinde Kell am See hatte Jakoby im Gepäck (siehe Extra). Herbert Jakoby, in Lampaden aufgewachsen. Angeregt durch vom Hörensagen bekannte Auswanderer aus seiner Heimat und aus seinem weiteren Familienkreis befasst er sich intensiv mit der Geschichte der Auswanderung nach Amerika. Dabei hat er herausgefunden, dass vor allem im 19. Jahrhundert weit mehr Menschen aus Lampaden und Umgebung nach Amerika ausgewandert sind, als bisher allgemein bekannt ist. Er konnte viele heute lebende Nachkommen von Auswanderern aus Lampaden und Umgebung aufspüren und hat dabei auch einige überraschende Entdeckungen gemacht. Die erste Auswanderin sei Anna Schommer, geb. Rossler, gewesen. "Sie wurde 1801 in Niedersehr geboren, heiratete 1829 Johann Rossler aus Wadrill und machte sich 1840 mit ihrem Ehemann und zwei Kindern auf nach Chicago." Auch von prominenten Nachfahren Lampadener Auswanderer weiß Jakoby zu berichten. "Sarah Ruhl, Ur-Ur-Ur-Enkelin von Johann Müller, lebt in New York und ist eine der bedeutendsten Dramatikerinnen der USA, 2005 nominiert für den Pulitzer Preis. Oder Tim Mahoney, Ur-Ur-Ur-Enkel von Peter und Angela Müller, ist Lead-Gitarrist der Crossover-Rock-Band 311 aus Omaha. Mike Johanns, Ur-Enkel von Johann Müller, ist ein bekannter hoher amerikanischer Politiker." Jean Nickolaus Tretter (Jean Nickolaus Tretter Collection in LGBT Studies), die Brüder John F. und Jerry Grundhofer (zählen zu den erfolgreichsten Bankiers der USA) und die Brüder Pete und Frank Gusenberg, die sich mit Al Capone bekriegten und am St. Valentine\'s Day Massacre von dessen Leuten umgebracht wurden, seien nur ein Teil der Aufzählung der Menschen mit Lampadener Herkunft. "Das Auswandern geschah nicht aus Abenteuerlust, sondern aus purer Not", sagte Jakoby. Im zweiten Teil stellte Heribert Scholer aus Schillingen die Bearbeitungen der Standesamtsunterlagen, auch von Lampaden, vor. Das Ergebnis für Lampaden wird in etwa zwei Jahren als Familienbuch vorliegen. hm

Extra

Auswanderungen in der VG Kell am See. Stand 1871. In Klammern die damaligen Einwohnerzahlen. Baldringen: (155) 29 Auswanderer, Greimerath: (594) 136 Auswanderer, Heddert: (172) 38 Auswanderer, Hentern: (281) 12 Auswanderer, Kell (961) 244 Auswanderer, Lampaden: (385) 44 Auswanderer, Mandern: (525) 23 Auswanderer, Paschel: (141) 56 Auswanderer, Schillingen: (736) 224 Auswanderer, Schömerich: (169) 47 Auswanderer, Waldweiler: (503) 43 Auswanderer, Zerf: (1033) 151 Auswanderer. VG Kell insgesamt: (5655) 1047. hm

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