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Vom Mount Everest bis an den Wolfgangsee

Vom Mount Everest bis an den Wolfgangsee

Wahre Spielfreude und scheinbar mühelose Interpretation der Stücke haben rund 300 Zuhörer in der Züscher Mehrzweckhalle beim Konzert des Musikvereins Harmonie Neuhütten genossen. Die 40 Musiker und ihr Chef, Dirigent Markus Willems, präsentierten zudem Musik, an deren Noten nicht jeder Verein herankommt.

Züsch. "Am Anfang war ich schon aufgeregt, aber dann ging\'s", freut sich Anna-Lena Zimmer. Die 14-jährige Schlagzeugerin genießt das Vertrauen von Dirigent Markus Willems, denn schließlich gibt nicht nur er, sondern auch die Rhythmus-Abteilung, im Fachjargon auch "Schießbude" genannt, das Tempo vor, wenn der Musikverein Harmonie aus Neuhütten vor großem Haus in der Mehrzweckhalle Züsch aufspielt.
Arrangements von Kahlenbach


Gut, wenn man wie Willems Beziehungen hat. Er konnte seinen Musikern Noten aufs Pult legen, die es in keinem Verlag zu kaufen gibt: "Ich habe die Arrangements von Hermann Kahlenbach besorgt." Dieser Name lässt in Fachkreisen aufhorchen, denn es handelt sich um den mittlerweile verstorbenen Solo-Posaunisten des Rundfunk-Sinfonieorchesters Saarbrücken, der auch selbst ein Orchester führte.
Da kam die "Berliner Luft" erst so richtig unter Druck, und im Weißen Rössl am Wolfgangsee war richtig was los. Die zweite Hälfte war nach Ausflügen auf den Mount Everest und nach Oregon, dem spanischen Tanz Fandango und dem Musical "Tanz der Vampire" mit Ausnahme von "Bonjour Paris" eher deutsch geprägt.
Es gibt Musik, um die niemand herumkommt. Das ist in diesem Konzert zum einen die Polka "Rosamunde" des Tschechen Jaromir Vejvado gewesen, ohne die in der gesungenen Version keine Kappensitzung auskommt, und an diesem Abend wirklich zum Mitsingen, der "Steigermarsch" als Zugabe, wieder in der Kahlenbach-Version.
Ein Wahnsinnstempo legte das Orchester mit der "Laubener Schnellpolka" hin. Für jeden Laien ist die Qualität dieses Orchesters erkennbar, und zwar daran, dass alle gleichzeitig anfangen und Dirigent Willems seine Musiker nach vielen Rhythmus- und Tempowechseln gegen Ende des Stückes nicht wieder "einfangen" muss.
Es geht scheinbar alles so leicht, ist aber das Ergebnis einer harten, dreimonatigen Probenarbeit mit viel Disziplin und Konzentration.
Für Anna-Lena Zimmer war der Applaus von rund 300 Menschen eine tolle Erfahrung. Da hat es sich doch gelohnt, erst einmal beim Jugendorchester mitzuspielen, in dem 20 junge Leute für die Zukunft des Vereins üben.