Vom Norden in den Hochwald

HERMESKEIL. Heiko Stöhr heißt der neue Leiter der Hermeskeiler Jugendherberge, der frischen Wind von der Insel Borkum in den Hochwald bringt.

An Ideen mangelt es Heiko Stöhr nicht. Vor allem im Wintersport sieht der neue Leiter der Hermeskeiler Jugendherberge eine Chance. Der Erbeskopf sei ja nicht allzu weit weg. Dass ihm ein örtliches Sportgeschäft ein Paar Ski zur Verfügung stellt, um für einen Abstecher dorthin zu werben, passt dem 31-Jährigen ins Konzept. "Vielleicht muss man da ein bisschen quer denken", schätzt er die Chancen auf eine bessere Auslastung der Jugendherberge als gut ein. Darin bestärkt ihn etwa auch die Resonanz auf eine andere Idee des Jugendherbergsverbandes. Das Pauschal-Angebot für eine bis zu fünfköpfige Familie - 49 Euro für zwei Übernachtungen mit einem Abendessen - sei binnen eines Monats 25 Mal gebucht worden. "Also es geht schon", meint er dazu, obwohl er sich bewusst ist, dass an solchen Image-Angeboten kaum zu verdienen ist. Mehrbettzimmer waren gestern

Abgesehen von Familien, die hauptsächlich während der Ferien oder an Wochenenden verreisen, setzt Stöhr große Hoffnungen auf die Ausrichtung von Seminaren oder Schul-Veranstaltungen und sieht Geschäftsreisende oder Handwerker als potenzielle Gäste. In vielen Köpfen geistere einfach noch das Bild von Jugendherbergen mit Mehrbettzimmern und Metallbetten herum. Ihm selbst ging es nicht anders, als er auf die Stellenausschreibung von "Die Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland" stieß. Mittlerweile ist er überzeugt, mit einer neuen Gästeklientel die "Saure-Gurken-Zeit" von November bis Februar überbrücken zu können. Sein Ziel: In diesem Jahr 16 000 Übernachtungen zu schaffen statt der unter 15 000 in 2005. Voraussetzung für weitere Steigerungen ist seiner Ansicht nach die Ausstattung mit technischen Standards wie etwa eines Internet-Terminals, das die Herberge demnächst erhält. Ein Plus des Hauses sieht Stöhr in der zentralen Lage mit Museen, Gastronomie und Schwimmbad vor der Tür. Doch auch das Gebäude - "neu saniert und super in Schuss" - ist für ihn "wunderschön, das hat Flair". Ihn selbst hatte die Fassade auf Anhieb überzeugt, und er entschied sich gleich beim ersten Besuch für Hermeskeil: "Ich wollte weiter ein schönes Haus leiten." Außerdem sei der Hunsrück eine "landschaftlich einfach malerische" Gegend, die dem aus Kassel stammenden Wahl-Hochwälder bis dahin allerdings völlig unbekannt war. Wechsel aus familiären Gründen

Dass es ihn nach fünf Jahren in einem Jugendgästehaus auf der Insel Borkum nach einem Wechsel drängte, liegt nur teilweise daran, dass das beruflich ganz gut tue, wie er meint. Es seien nämlich "wunderschöne Jahre" auf der Insel gewesen. Obschon seine drei Kinder im Alter von fünf, drei und einem Jahr ohne Wald aufgewachsen sind und auch keinen Schnee kennen. Doch mit seiner Frau sei er sich stets einig gewesen, aufs Festland zu ziehen, wenn für die Kinder die Schulzeit nahe. Da trifft es sich gut, dass sie in Hermeskeil den Kindergarten direkt gegenüber haben und auch die Grundschule gleich um die Ecke. "Wir genießen das hier voll und ganz", versichert der 31-Jährige Familienvater, der die Nachfolge von Heidi Hans-Sadowsky antritt. Die beliebte Herbergsmutter hatte sich nach 19 Jahren nicht ganz freiwillig von dieser Aufgabe verabschiedet.

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