Von Bach zu "Bruder Jakob"

SAARBURG. (gkl) Barockes, romantisches und zeitgenössisches erklang in der Pfarrkirche St. Laurentius beim dritten Orgelkonzert. Solist war Kurt-Ludwig Forg aus dem westfälischen Borken.

"Nur wenige Orgeln sind absolut schlecht - es liegt in der Kunst des Organisten, nur die guten Seiten darzustellen." So lautet das künstlerische Credo von Kurt-Ludwig Forg, der das dritte Orgelkonzert in der katholischen Pfarrkirche St. Laurentius in Saarburg gestaltete. Forg ist ein vielseitiger Künstler, der als Kirchen- und Kammermusiker, als Konzertorganist, Orgelsachverständiger und als Leiter der städtischen Musikschule im westfälischen Borken arbeitet. Bei der Saarburger Weimbsorgel brauchte Forg nicht lange nach den guten Seiten zu suchen, denn davon gibt es, wie man in der Vergangenheit schon häufiger feststellen konnte, sehr viele. Forg hatte ein Programm mitgebracht, das einige Überraschungen für die Zuhörer bereit hielt. So startete er mit Präludium und Fuge in G-Dur von Johann Sebastian Bach in ganz ungewohnter Registrierung. Normal ist es, dass die großen Orgelwerke des einstigen Thomaskantors (Leiter des Leipziger Thomanerchors) in kräftiger Plenoregistrierung dargestellt werden. Nicht so bei Forg, der mit fast schon lieblicher Flötenauswahl dieses Werk anging und damit die komplexen Zusammenhänge dieses BWV 541 sehr deutlich werden ließ. Die "Lieder ohne Worte" von Felix Mendelssohn Bartholdy sind aus der Klavierliteratur sehr bekannt. Drei von ihnen, Opus 30,3, 102,2 und 19,4) interpretierte Forg in einer Orgelübertragung und füllte den Kirchenraum dabei mit traumhaft schönen romantischen Klängen. Zwar hatte diese Darstellung nicht mehr viel mit der Charakteristik, die man aus der Klaviermusik kennt, zu tun, stellten aber eine überaus interessante, hörenswerte Variante dar.Übertriebene Virtuosität

Den Abschluss des Konzertes bildeten die sehr tonalen Variationen über den bekannten Kanon "Frére Jacques" von Hans Uwe Hielscher. Abwechslungsreich und natürlich unter Einbeziehung der in die Orgel integrierten Glocken gab Forg jedem dieser elf Teile ein eigenes Gesicht. Forgs Konzert hatte aber auch deutliche Schwachpunkte, die man nicht der Orgel, sondern seinem Spiel zurechnen muss. Virtuosität ist bei einem Musiker eine glanzvolle Angelegenheit, die aber nicht übertrieben werden sollte. War Forgs Tempowahl schon bei Bach grenzwertig, so schien sie bei der Toccata a-Moll vom Bachschüler Johann Ludwig Krebs überzogen und bei Max Regers Toccata a-Moll, Opus 80,11, jenseits dessen, was gut ist. Nicht nur, dass insbesondere bei Reger ein differenziertes Hören kaum möglich war. Die Pfeifen der Orgel hatten kaum die Möglichkeit, in vernünftiger Weise anzusprechen, einen vollständigen Ton auszubilden. Das kann bei aller Brillanz nicht der tiefe Sinn eines Vortrags sein. Trotzdem erreichte Forg sein Publikum, wie der herzliche Applaus, für den er sich mit einer Zugabe bedankte, belegte. Das letzte Orgelkonzert findet am 29. Oktober um 17 Uhr statt. Solist ist diesmal der Trierer Domkapellmeister Stephan Rommelspacher.