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Von der Nähmaschine in den Operations-Saal

Von der Nähmaschine in den Operations-Saal

HERMESKEIL. Das kann Heike Lang keiner mehr nehmen: Die 22-Jährige ist die erste Operationtstechnische Assistentin (OTA) im Kreis Trier-Saarburg, die ihren Ausbildungsabschluss in der Tasche hat.

"Sie muss die medizinischen Instrumente präzise und sekundengenau anreichen und sie muss dafür sorgen, dass schon alles vorbereitet ist, wenn ich auftrete." So beschreibt Dr. Hans-Gerhard Braick, Chefarzt der Unfallchirurgie im Hermeskeiler St. Josef-Krankenhaus, das Anforderungsprofil, das er und seine Kollegen im Operationssaal an Heike Lang stellen. Spezialisiert auf Arbeit im Operations-Saal

Ob in der Unfall- oder Allgemeinchirurgie, in der Gynäkologie oder auch bei Operationen im Fachbereich Hals-Nasen-Ohren (HNO) - mitdenken und antizipieren sind zwei ganz wichtige Eigenschaften, die von der 22-Jährigen aus Pluwig gefordert sind, wenn sie bei operativen Eingriffen den behandelnden Ärzten assistiert. Im Gegensatz zu den "Krankenschwestern im Operationsdienst", wie die gängige Berufs-Bezeichnung im Fachjargon heißt, gibt es bei Lang jedoch ein signifikantes Unterscheidungsmerkmal. Beim konventionellen, etablierten Muster dauert es sieben Jahre, bis diese Fachkräfte ihre Ausbildung abgeschlossen haben und ihren festen Tätigkeitsbereich im OP gefunden haben. Das liegt unter anderem daran, dass zunächst drei Jahre lang die Ausbildung im Bereich der Krankenpflege auf dem Programm steht. "Dabei kann man die Arbeit einer Krankenschwester auf der Station mit der einer Krankenschwester im OP absolut nicht miteinander vergleichen", sagt Pflegedirektor Peter Joecken. Bei Heike Lang war jedoch alles anders: Als Operationstechnische Assistentin war sie von Anfang an im OP im Einsatz und hat sich voll auf diese Tätigkeit spezialisiert. Sowohl Dr. Braick als auch Pflegedirektor Peter Joecken halten das für einen sinnvollen Weg. Der Pflegedirektor weist auf die "Verdichtung der Arbeit im OP" hin und betont die damit verbundene Notwendigkeit, mehr Personal in diesem Bereich einzusetzen. Die Betreiber-Gesellschaft der Hermeskeiler Klinik, die Marienhaus GmbH, habe erkannt, "dass man auf diese Entwicklung mit verkürzten Ausbildungszeiten reagieren muss", sagt Joecken.Ausbildungsgang noch nicht fest etabliert

Deshalb wurde auch im St. Josef-Krankenhaus vor drei Jahren der Versuch gewagt, eine junge Frau zur "Operationstechnischen Assistentin" ausbilden zu lassen. Denn anders als in der Schweiz oder den Niederlanden ist dieser Ausbildungsgang in Deutschland noch nicht fest etabliert. "Heute sind wir natürlich schon stolz darauf, dass alles so gut geklappt hat", freuen sich Joecken und Gerhard Lorig, der als stellvertretender OP-Leiter in erster Linie für die Ausbildung von Heike Lang zuständig war und sie in das Team integriert hatte. Inzwischen hat die 22-Jährige ihren Abschluss nämlich in der Tasche und darf sich "erste OTA im Kreis Trier-Saarburg" nennen. Interessanter als Dienst auf der Station

Sie fühle sich "super wohl" im St. Josef-Krankenhaus und freue sich auf ihre weiteren Aufgaben in der Hochwaldklinik, sagt Lang. Nach einem Neun-Monate-Praktikum im Krankenhaus habe sie die Ausbildungsstelle angeboten bekommen und sofort zugesagt. "Ich fand die Arbeit im OP von Anfang an interessanter als den Dienst auf der Station", sagt die junge Frau aus Pluwig. "Genäht wird überall"

Die 22-Jährige kam über einen Umweg zu einem Job im medizinischen Bereich. Nach der Realschule hatte sie zunächst als Assistentin für Textil- und Modedesign gearbeitet, dann aber umgesattelt. Allerdings: So groß die Unterschiede zwischen diesen zwei Tätigkeiten sind, eine Gemeinsamkeit gebe es schon: "Ob Mode-Design oder OP-Schwester: Genäht wird überall", sagt sie lachend.