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Von Stadtbürgern zu Staatsbürgern

Von Stadtbürgern zu Staatsbürgern

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit begeht die Stadt Saarburg das 725. Jubiläum der Verleihung der Stadtrechte am 29. Mai 1291. Offizielle Feierlichkeiten gibt es nicht, deshalb erinnert die Volkshochschule mit einem Vortrag an das Ereignis.

Saarburg. Nachdem vor 25 Jahren die 700-Jahr-Feier der Verleihung der Stadtrechte an Saarburg durch König Rudolf von Habsburg im großen Rahmen begangen wurde, hat die Stadt in diesem Jahr keine offiziellen Termine zum 725. Jubiläum anberaumt. Deshalb haben die Volkshochschulen (VHS) des Kreises und der Stadt einen der renommiertesten Forscher im Bereich der geschichtlichen Landeskunde, Professor Franz Irsigler von der Uni Trier, eingeladen, über die Entwicklung Saarburgs zwischen 1291 und der frühen Neuzeit (Ende des 15. Jahrhunderts) zu referieren. Rund 50 Zuhörer finden sich im Schulungsraum der ehemaligen Feuerwache an der Heckingstraße ein.
Flugs lässt VHS-Chefin Dr. Simone Martini noch einige Stühle aufbauen, der Andrang ist größer als erwartet. Leider bleibt dabei die Verständlichkeit des Referenten schlecht, eine Mikrofonanlage hätte Abhilfe schaffen können. Irsigler beginnt seinen Vortrag bei König Rudolf von Habsburg. Die Stadtrechte wurden 1291 ja nicht nur Saarburg, sondern auch den im Erzstift Trier gelegenen Orten Bernkastel, Mayen, Montabaur und Welschbillig verliehen. Wittlich gehöre - entgegen mancher Quellenangaben - nicht in diese Reihe.
Erzbischof Boemund von Warsberg aus Trier war wohl die treibende Kraft, er sucht seine wirtschaftlichen und rechtlichen Interessen abzusichern. Entscheidende Hinweise lieferte ab 1215 das "Liber annalium iurium", ein Verzeichnis der Abgaben und Einnahmen des Trierer Erzbistums. Professor Irsigler liefert dabei interessante Details und Einordnungen. So existierten im gesamten deutschen Reich nur etwas mehr als 2000 Städte, davon vielleicht 25 bis 30 mit mehr als 10 000 Einwohnern.
Saarburg wächst auch wegen Burg


Saarburg zählte zu der mit 90 Prozent größten Gruppe von Kleinstädten mit 300 bis 500 Bewohnern. Auch Trier zählte im Mittelalter wohl unter 10 000 Bürger. Damals wie heute sei die wenig fruchtbare Gegend ganz im Westen von kleinen Städten geprägt gewesen. Saarburgs Bevölkerung und territorialpolitische Bedeutung wuchsen jedoch auch wegen seiner strategisch wichtigen Burganlage an der Saar und trotz Hungersnöten und Pest. Der berühmte Kurfürst Balduin von Luxemburg (um1285 bis 1354) spielte dabei eine entscheidende Rolle. Er jagte hier Bären und Hirsche, die Fischerei (Aale aus dem noch nicht umgeleiteten Leukbach waren eine begehrte Delikatesse) und die Müllerei blühten. Im 15. Jahrhundert war Saarburg dann eine typische Burg- und Amtsstadt von rund 500 Einwohnern, sogar mit Hospital und Schule innerhalb der wehrhaften Stadtmauern ausgestattet.
Irsigler sagt dazu abschließend: "So haben die Ansätze kommunaler Selbstverwaltung in Städten wie Saarburg durchaus zur Entwicklung vom Stadtbürger zum Staatsbürger beigetragen." Anschließend gab es bei einem Glas Wein Gelegenheit zum Gespräch mit dem Historiker. DT