Von Treidelkähnen und Motorschiffen

Von Treidelkähnen und Motorschiffen

SAARBURG. "Saarschifffahrt damals und heute" lautet der Titel der Ausstellung im Saarburger Amüseum. Auf zwei Stockwerken können die Besucher sich einen historischen Überblick über die rund 1000-jährige Geschichte der Saarschifffahrt verschaffen. 24 maßstabsgetreue Modelle und zahlreiche alte Fotos und Urkunden illustrieren das facettenreiche Thema.

Nikolaus Lonsdorfer und Friedrich Lück blicken stolz auf die historischen Fotos an der Wand. Die Bilder aus den 1950er-Jahren geben Einblick in den Arbeitsalltag der Saarschiffer zu dieser Zeit. Lonsdorfer und Lück waren selbst Schiffer. Sie kennen unzählige Geschichten und Anekdoten aus jener Zeit, in der die Saarschifffahrt noch ungleich bedeutender war als heute. Schiffsmodelle in liebevoller Handarbeit

"180 Schiffe gab es damals noch im Saargebiet", sagt Nikolaus Lonsdorfer, "heute sind es gerade mal 17." Er ist seit seinem 15. Lebensjahr Schiffer und war später Kapitän der "MS Germania", eines ehemals motorlosen Treidelschiffes, das 1957 motorisiert und nach vielen Jahren treuen Dienstes 1991 verschrottet wurde. Er hat fast alle Modelle der Ausstellung gebaut - nicht aus einem Baukasten, sondern vollends in individueller Handarbeit. "Etwa 40 Tage hat es gedauert, bis ein Modell im Maßstab 1:50 fertig war", sagt er. Schraube und Anker liegen vor dem Amüseum

Auch die "Germania" hat er als Modell gebaut, einige Originalteile - darunter Schiffsschraube und Anker - befinden sich vor dem Amüseum. Von Friedrich Lück stammt das Modell der "MS Arcona", die er früher gesteuert hat. Die Saarschifffahrt-Ausstellung führt bis ins zehnte Jahrhundert zurück. Die Schifferei ist das älteste Gewerbe in Saarburg, wenig später kam auch der Fährbetrieb dazu, denn Brücken über die Saar gab es damals noch nicht. So entwickelte sich der Personen- und Güterverkehr auf der Saar. Diese mehr als 1000 Jahre umfassende Entwicklung können die Besucher in chronologischer Reihenfolge nachvollziehen. Im ersten Stock befindet sich die Dauerausstellung zur Saarschifffahrt, die es in dieser Form schon seit 1997 gibt. "Von Beginn an sollten einzelne Berufszweige in Sonderausstellungen hervorgehoben werden", sagt Anette Barth, Leiterin der Volkshochschule (VHS) Saarburg. In Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro hat die VHS die Ausstellung im Amüseum organisiert. Von den ersten kleinen Flößen bis hin zur hochmodernen "MS Lutin", die 2005 vom Stapel gelaufen ist, werden insgesamt 24 Modelle in der Ausstellung gezeigt. In einem separaten Raum ist Anschauungsmaterial zur "Operation Seelöwe", einer im Jahr 1940 geplanten Invasion an der englischen Küste, gezeigt. "Man benötigte damals viel mehr Schiffe, als tatsächlich vorhanden waren", erklärt Friedrich Lück, "und deshalb wurden auch 2300 Binnenschiffe beschlagnahmt und zu Marine-Transportbooten umgebaut." Seine "MS Arcona" war auch auf der Liste, kam aber - im Gegensatz zu vielen anderen Booten - wieder heil zurück. "Zwei Wochen vor der geplanten Invasion wurde die Sache plötzlich verschoben, weil man eingesehen hatte, dass man die Operation nicht realisieren konnte", sagt Lück.Nach den Schiffern werden die Drucker dokumentiert

An der Wand hängen Fotos von den Umbauarbeiten, Pläne zur genauen Umsetzung der Invasion und eine Abschrift des Hitler-Befehls aus dem Jahr 1940. Die Saarschifffahrt hat also nicht nur eine lange, sondern auch eine durchaus bewegte Geschichte hinter sich. Ein Besuch im Amüseum in Saarburg lohnt sich: Noch bis zum 3. September ist die Ausstellung auf zwei Etagen zu erleben. Im nächsten Jahr, verrät Annette Barth, wird eine andere Berufsgruppe mit einer Sonderausstellung im Amüseum bedacht: die Drucker.