Von Wein, Watzmann und tiefen Wasseradern

Von Wein, Watzmann und tiefen Wasseradern

Hochkarätige Tropfen von Spitzenweingütern und ein Moderator, der amüsante Sprüche klopft und gleichzeitig kundig informiert: Das hat die Ockfener Bockstein-Weinprobe "Jung trifft Alt" der Feuerwehr geboten. Bei den 140 Besuchern kam sie gut an.

Ockfen. Bereits mit seinem ersten Satz setzt Moderator Claus Piedmont bei der Ockfener Weinprobe Maßstäbe: "Der Bockstein ist für Ockfen das, was der Watzmann für Berchtesgaden ist." In dieser Art führt der Winzer aus Filzen seine Kommentierung fort. Tiefgründige Informationen kommen mit flotten Sprüchen gepaart daher und lassen die 140 Besucher zum Teil herzlich lachen.
Alle neun Minuten zwei Weine

Foto: (h_sab )
Starke Worte, starke Mimik: Claus Piedmont moderiert die Ockfener Weinprobe. Was am Ende übrig bleibt, sind jede Menge leerer Flaschen. Foto: (h_sab )


Dabei haben Moderator und Publikum ein hartes Programm vor sich. "Jung trifft Alt" lautet das Motto der Weinprobe, die die Feuerwehr zum 110. Geburtstagsfest organisiert hat. Nur alle fünf Jahre feiert die Wehr derart. 18 Weine von 14 Weingütern, allesamt vom Ockfener Bockstein, gilt es zu verkosten. Es geht um hochkarätige Tropfen: Acht der Betriebe gehören dem Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter an, mit dabei Spitzenwinzer wie Markus Molitor (Bernkastel-Kues) und Roman Niewodniczanski (Wiltingen).
Piedmonts Plan, alle neun Minuten ein Weinpärchen zu probieren, geht glücklicherweise nicht auf. Die jungen Mitglieder der Ockfener Fastnachtsfreunde Heilei, die die Bewirtung übernommen haben, sind zwar schnell, aber so schnell auch wieder nicht. So bleibt den Besuchern ein wenig Zeit, die Weine zu genießen.
"Bockstein reloaded" - mit diesem Schlagwort fasst Piedmont die jüngste Vergangenheit der Ockfener Lage zusammen. Viel habe sich in den vergangenen fünf bis sechs Jahren getan, sagt der Kommentator. Damit meint er die Wiederbestockung des Weinbergs, dessen Produkte um 1900 Hochpreise erzielten, der seit den 80er Jahren aber auch brach gefallene Flächen aufwies. Generell stellt Piedmont fest: "Die Saar ist in." Und dass die Saarweine besonders gut darin sind zu altern, macht der Moderator an Hand des ältesten Weins der Probe, einer 2003er Auslese des Saarburger Winzers Josef Dienhart, deutlich. Piedmont: "Ein 2003er, der sich so darstellt, das können nur wir, die Mittelmosel vielleicht noch ein bisschen." Winzer Dienhart hat es seinem Wein offensichtlich gleichgetan. Der muntere 85-Jährige weilt wie auch andere bei der Probe vertretenen Winzer unter den Ockfener Gästen. Bei der trockenen Auslese des Ockfeners Otto Minn von 2010 stellt Piedmont fest: "Einen Ockfener Bockstein trocken auszubauen, ist eine Herausforderung." Folgerichtig sind nur vier der 18 kommentierten Weine nicht fruchtsüß. Der Moderator nimmt die Gäste in 400-Jahr-Schritten mit auf eine Reise durch die Geschichte des Saarweinbaus. Er erläutert die Besonderheit des Bodens (Grau- und Blauschiefer) und geht in teils eindrücklichen Bildern auf Herstellungsmethoden ein.
Die Besucher erfahren außerdem, dass der obere Riegel des Bocksteins mit 90 Prozent Steigung der steilste Weinberg an der Saar ist. Piedmont erklärt, dass Steillagenweine deshalb so besonders seien, weil sich die Rieslingwurzeln bis zu 12,5 Meter tief in die Erde bohrten, um dort Wasseradern anzuzapfen. Die Tonminerale, die in die Trauben befördert würden, schmeckten in dieser Tiefe besonders stark.
Probieren und kommentieren des Kulturguts Wein sei eine hochemotionale Sache, sagt Piedmont und vergleicht das Ganze mit einem Kuss. "Wer bei einem Kuss von der Berührung zweier Verdauungskanäle spricht, macht die Emotionen kaputt." Die Emotionen des Ockfener Publikums hat der Moderator offensichtlich ganz auf seiner Seite. Mit kräftigem Applaus bedankt es sich für den kurzweiligen Vortrag, Helmut Ludwig, gebürtiger Hämmer, der zur Probe aus Hamburg angereist ist, sagt: "Das hier war toll. Ich habe viel gelernt. Der Bockstein ist einfach eine Marke, ich erkenne ihn mit verbundenen Augen."

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