Vor der Haustür wartet Baukultur der Extraklasse

Vor der Haustür wartet Baukultur der Extraklasse

Zum achten Mal hat der Landkreis Trier-Saarburg Bauherren und Architekten für vorbildliches Bauen ausgezeichnet. Der Preis soll dem zeitgemäßen Bauen zu mehr Ansehen verhelfen. Die prämierten Projekte zeigen, wie innovativ Architektur zwischen Eifel und Hunsrück sein kann.

Trier. "Das ist hoffentlich kein schlechtes Omen für die ausgezeichneten Bauwerke", witzelte Landrat Günther Schartz zu Beginn der Preisverleihung und wies auf einige rechts vom Rednerpult aufgestellten Tafeln. Ein Versicherungsanbieter präsentierte dort das "Sonderthema Großschäden" und informierte anschaulich über Großbrände in Traben-Trarbach und Explosionen in Neunkirchen.
Diese Katastrophen möchte man den sechs Bauwerken wahrlich nicht wünschen, die beim Wettbewerb "Vorbildliches Bauen im Landkreis Trier-Saarburg" im Foyer der Sparkasse in der Theodor-Heuss-Allee ausgezeichnet wurden. Alle sechs Bauwerke zeugen von Innovationsfreude und dem Mut zum Bruch mit Altbewährtem von Architekten wie Bauherren.
Das Ziel des Architekturwettbewerbs ist es, dem zeitgemäßen Bauen zu mehr Ansehen zu verhelfen. 15 Vorschläge gingen insgesamt bei der Kreisverwaltung ein. Die sechs besten wurden von einer Jury, die aus dem Architektenbeirat des Kreises und Mitgliedern des Bauausschusses bestand, ausgewählt und mit jeweils 750 Euro prämiert.
Wohnen und Gewerbe zugleich



Landrat Schartz lobte das gelungene Zusammenspiel von Architektur, Finanzwelt - und seiner Verwaltung. Für ihn spiegelt moderne und zeitgemäße Architektur die "geistige Dynamik der Region" wider.
Im Vordergrund stand diesmal die Funktionalität von Wohnen und Gewerbe. Manfred Müller von der Architektenkammer Rheinland-Pfalz bedauerte in seiner Rede, dass in der Vergangenheit der Mensch als Maßstab in der Baukunst verloren gegangen sei. Die unzähligen Materialien und Techniken, die heute zur Verfügung stünden, führten außerdem nur allzu oft in architektonische Beliebigkeit.
Die Bauleitplanung, das kommunale Werkzeug zur Lenkung der städtebaulichen Entwicklung, sei nicht in der Lage, kulturelle Defizite zu überbrücken. "Die Politik schaut dem Bürger aufs Maul", kritisierte Müller. "Sie verkauft Sparmaßnahmen als Deregulierung und Entbürokratisierung." Nur wenige Gebäude von heute hätten das Zeug zum Baudenkmal der Zukunft. "Dinge zu bauen, die in der Zukunft Bestand haben, das ist Nachhaltigkeit", erklärte Müller.
Axel Bettendorf von der Handwerkskammer (HWK) Trier erinnerte daran, dass Bauen auch die handwerkliche Umsetzung des Geplanten sei. Der Leiter des Umweltzentrums der HWK zeigte sich beeindruckt von der Leistungsfähigkeit der Region. Dem konnte auch Landrat Schartz zustimmen, der den Preis nicht zum ersten Mal verlieh. "Die Qualität ist durchgehend sehr hoch in diesem Jahr", erklärte er. "Vor allem fällt auf, dass die Architekten die Umgebung mehr einbeziehen."
Extra

Die Auszeichnung "Vorbildliches Bauen im Landkreis Trier-Saarburg" vergibt der Architektenbeirat des Landkreises in Zusammenarbeit mit der Sparkasse Trier, der Handwerkskammer Trier und der Architektenkammer Rheinland-Pfalz. Der Preis soll zeitgemäße Bauformen fördern und Bauherren sowie Architekten zur Nachahmung anregen. Die Jury umfasst den Architektenbeirat des Kreises und Mitglieder des Kreisbauausschusses. sen

Mehr von Volksfreund