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Vorzeigeprojekt in Sachen sozialer Wohnungsbau: Konzer Holzhäuser sollen bundesweites Vorbild werden

Vorzeigeprojekt in Sachen sozialer Wohnungsbau: Konzer Holzhäuser sollen bundesweites Vorbild werden

Die ersten syrischen und iranischen Bewohner sind in die neuen Holzhäuser in Konz (Kreis Trier-Saarburg), in der Saarstraße, eingezogen. Vor Ort erntet das Pilotprojekt Lob – von ihnen und von Vertretern des Gemeinde- und Städtebunds.

Foto: Christian Kremer

Zwei der drei neuen Holzhäuser in der Konzer Saarstraße sind bewohnt. Diese Woche sind eine iranische und eine syrische Familie in die zweistöckigen Holzhäuser eingezogen. Zurzeit leben dort drei Erwachsene, drei Kinder und ein Jugendlicher. Um den Erstbezug zu feiern, haben die Konzer Verwaltung und der Deutsche Gemeinde- und Städtebund (GSTB) zum Pressetermin geladen. Der kommunale Spitzenverband lobt das Projekt in höchsten Tönen . Und während nebenan ein Mann auf dem Balkon Platz nimmt, um das Spektakel mit Kamerateam, Journalisten und Politikern zu beobachten, sind seine neuen Nachbarn mitten drin: Najah Abouzaid (41), ihre Kinder Ali (19) und Dina (12) aus Syrien und Peyman Ardaneh (36), seine Frau Lana Seyad Ghafori (31) aus dem Iran schauen sich an, was vor ihrer neuen Haustür los ist.

Einhellig geben die Flüchtlinge an, dass sie sich wohlfühlten. "Es ist neu und sauber hier", sagt Ardaneh. Für die Kinder fehle ein Raum zum Spielen gebe, setzt Ghafori hinzu. Zudem bräuchten sie noch ein Sofa, sagen die Familien einhellig.

Als Achim Lutz von der Konzer Verwaltung das mithilfe eines Übersetzers geführte Gespräch mitbekommt, erklärt er, dass schon Sofas und ein Regal fürs Wohn- und Esszimmer bestellt seien. Auch Gardinen oder Jalousien würden noch aufgehängt. Noch könne ja jeder in das Wohn- und Esszimmer hereingucken.

Das Konzer Pilotprojekt mit drei Holzhäusern mit jeweils 50 Quadratmeter Wohnfläche (Wohn- und Essbereich im Erdgeschoss und Schlaffzimmer sowie Bad im Obergeschoss) hat schon vor dem Einzug der beiden Familien bundesweite Aufmerksamkeit erzeugt. 77.000 Euro hat die Verbandsgemeinde Konz pro Haus investiert - Betten für fünf Personen, eine Küchenzeile samt Geräten und weitere Einrichtungsgegenstände sind inbegriffen. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Gemeinde- und Städtebunds, ist zum zweiten Mal wegen der Holzhäuser nach Konz gekommen. Das Projekt sei "günstiger" und "haltbarer" als vergleichbare Container und zugleich "relativ hübsch", sagt er. Landsberg hegt die Hoffnung, dass die von den Architekten Manfred Müller und Gerd Kintzinger entwickelten Pläne bundesweit Nachahmer finden. "Jede gut ausgestattete Schreinerei ist in der Lage, das nachzubauen", erklärt Winfried Manns, Geschäftsführer des rheinland-pfälzischen Gemeinde- und Städtebunds. "Die Holzhäuser sind nicht nur für Flüchtlinge interessant. Das ist eine Alternative für den sozialen Wohnungsbau überhaupt", setzt der ehemalige Konzer Bürgermeister hinzu.

Lob für neue Auflage

Er unterstützt Landsberg, als dieser die umstrittene Wohnsitzauflage im neuen Integrationsgesetz lobt, durch die Asylbewerber länger an einen Ort gebunden sein sollen. Laut den beiden Spitzenfunktionären profitieren die Kommunen davon. Sie bekämen mehr Planungssicherheit. Auch ehrenamtliche Helfer litten unter den ständigen Wechseln bei den Flüchtlingen, setzt der Konzer Bürgermeister Karl-Heinz Frieden hinzu. Da sei eine Wohnsitzauflage sinnvoll.

Die Flüchtlinge selbst scheinen von den neuen Regeln noch nichts zu wissen. Beispielsweise wohnt der Mann von Najah Abouzaid noch in Hannover. Während die Syrerin darauf hofft, dass er bald nach Konz kommt, würde ihr Sohn Ali lieber zu ihm ziehen. Er sei 19 und dürfe hingehen, wo er wolle, gibt ein Übersetzer Alis Aussagen wieder.