Wärme und "Saft" aus eigener Kraft

Wärme und "Saft" aus eigener Kraft

IRSCH. Die finanzielle Situation der Gemeinden wird immer dramatischer. Während einerseits das Geld fehlt, steigen andererseits Strom- und Heizkosten unaufhaltsam. In Irsch gibt es deshalb Bestrebungen, öffentliche Gebäude künftig mit "eigener" Energie zu versorgen. Blockheizkraftwerke sollen es möglich machen.

Auch in Irsch ist die Kasse leer. Viele Projekte kann die Gemeinde nur noch mithilfe von Zuschüssen realisieren. Mehrere Vorhaben, die für 2006 geplant waren, mussten bereits vorübergehend abgesagt werden, weil die benötigten Finanzspritzen ausgeblieben sind. Dazu gehört unter anderem der rund 600 000 Euro teure Endausbau des Mitte der 90er-Jahre erschlossenen Baugebiets "In der Acht", für den die Gemeinde mit Fördermitteln aus dem Investitionsstock des Landes gerechnet hatte. "Inzwischen haben wir erneut einen Zuschussantrag gestellt", berichtet Ortsbürgermeister Jürgen Haag. Immerhin: Der Bau des Jugendkellers im neuen Bürgerhaus kann, sofern die Baugenehmigung vorliegt, beginnen. Mit insgesamt 87 000 Euro will das Land den Irschern dabei unter die Arme greifen.55 000 Euro Kosten für Gemeinschaftsräume

Skeptisch blicken die Ratsherren aus der Saargemeinde auf die jährlichen Ausgaben für die Bewirtschaftung der öffentlichen Gebäude und Liegenschaften. Für die Versorgung der Turn- und Mehrzweckhalle, des Sportplatzes, der Grundschule und des Bürgerhauses mit Strom, Heizöl und Wasser rechnet die Gemeinde im laufenden Geschäftsjahr mit Aufwendungen von insgesamt rund 55 000 Euro, weitere Gebühren und Abgaben eingeschlossen. Allein die Heizölkosten belaufen sich auf rund 30 000 Euro - und die künftige Entwicklung der Energiepreise ist noch nicht abzusehen. Nicht zuletzt deshalb liebäugeln die Gemeindeväter mit alternativen Energiequellen, "zum Beispiel mit Blockheizkraftwerken", wie Jürgen Haag berichtet. Zahlreiche Kommunen nutzen bereits die Möglichkeit, Strom und Wärmeenergie in "Eigenregie" zu produzieren. So betreibt die Hunsrückgemeinde Reinsfeld schon seit einiger Zeit in ihrem Bürgerhaus eine Anlage dieser Art. Kürzlich erhielt auch der örtliche Kindergarten ein "BHKW" (der Trierische Volksfreund berichtete). Die Reinsfelder rechnen allein im Kindergarten mit einer Stromkosten-Ersparnis zwischen 1000 und 1200 Euro jährlich, die Heizkosten sollen 600 bis 700 Euro niedriger sein als bisher. Die Einsparungen werden unter anderem durch die Einspeisung des überschüssigen Stroms in das RWE-Netz erreicht. Denn laut dem "Gesetz für die Erhaltung, die Modernisierung und den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK)" sind die Netzbetreiber verpflichtet, den in KWK-Anlagen erzeugten Strom anzukaufen. Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist auch der hohe Wirkungsgrad der "Kleinkraftwerke", bei deren Betrieb je nach Modell unterschiedliche Brennstoffe, darunter Öl, Gas oder Biomasse, zum Einsatz kommen. Verschiedene Hersteller versprechen eine Energieausbeute von bis zu 90 Prozent, die dadurch erreicht wird, dass die Anlagen nicht nur Strom produzieren, sondern außerdem die Abwärme zum Heizen der angeschlossenen Gebäude nutzen. "Sollten wir uns dazu entschließen, Blockheizkraftwerke einzusetzen, werden wir weder den Bau noch den Betrieb der Anlagen übernehmen", erklärt Haag. Stattdessen werde man sich vertraglich an eine auf KWK-Anlagen spezialisierte Firma, die den Aufbau und den Betrieb auf eigene Rechnung durchführt und die erzeugte Energie an die Gemeinde verkauft, binden. Fachleute sprechen bei diesem System von "Contracting". Derzeit ist der Einsatz eines oder mehrerer Blockheizkraftwerke in Irsch noch Zukunftsmusik. Um sich ein Bild von der Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung in öffentlichen Gebäuden machen zu können, will sich der Gemeinderat in den kommenden Tagen in Reinsfeld umsehen und sich von einem potenziellen Investor beraten lassen.