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Wanderer und Radler im Visier

HERMESKEIL. Wieder mehr Gäste, dafür aber eine deutlich geringere Gesamtzahl an Übernachtungen – das ist die Bilanz der Tourismus-Saison 2005 in der Verbandsgemeinde Hermeskeil. ARRAY(0x11d93838)

Die gute Nachricht zuerst: Die Region rund um Hermeskeil hat 2005 wieder mehr Urlauber angelockt. Insgesamt haben sich im vorigen Jahr 21 770 Menschen einen mehrtägigen Aufenthalt in der Verbandsgemeinde gegönnt. 2004 lag die Gästezahl noch bei 21 116. Allerdings: Die Touristen bleiben nicht mehr so lange. Das beweist die Rubrik "Übernachtungszahlen", die von 86 865 (2004) auf aktuell 78 811 zurückging. Ein deutlicher Einschnitt also, der laut Aussage von Herbert Schindler "aber nicht schockieren sollte". Der Leiter der Tourist-Information verweist darauf, dass für die Differenz zu 2004 in erster Linie die rückläufigen Zahlen auf den Campingplätzen und bei den Jugendzeltlagern verantwortlich sind. "Das mag gerade in diesem Bereich auch am Wetter gelegen haben", sagt Schindler. In den Hotels, Ferienwohnungen und Pensionen blieb der Touristen-Zulauf hingegen weitgehend stabil. Die Analyse der Statistik verweise zugleich jedoch auf einen Trend, der nicht nur Hermeskeil betrifft, betont Bürgermeister Michael Hülpes. "Der Effekt, dass nach dem 11. September 2001 die Leute weniger Fernreisen und mehr Naherholung gemacht haben, ist abgeklungen", sagt Hülpes. Der Rekord aus dem Jahr 2002 mit 25 262 Gästen oder die Spitzenmarke von 94 754 Übernachtungen im wetterverwöhnten Jahr 2003 scheinen demnach vorerst in unerreichbare Ferne gerückt. Einfach hinnehmen dürfe man diese Entwicklung aber nicht. "Wir müssen besser werden und uns in diesem inzwischen sehr kurzlebigen Geschäft auf neue Trends einstellen", betont der Bürgermeister und fügt hinzu: "Ich glaube, dass wir das auch können." Bislang hat die VG jedoch ein Manko, das Schindler offen anspricht: "Uns fehlen noch die Highlights". Die Betonung liegt bei dieser Einschätzung aber auf dem Wörtchen "noch". Denn mit dem Premium-Wanderweg "Saar-Hunsrück-Steig", der von Mettlach beziehungsweise Trier nach Idar-Oberstein führt und noch in diesem Jahr fertig gestellt wird, erwarten sich sowohl Schindler als auch Hülpes einen deutlichen Schub für den Tourismus. "Wir haben mit diesem Wanderweg ein echtes Aushängeschild, um unsere Region attraktiver zu machen und können ihn ab 2007 aktiv vermarkten", sagt Schindler. Zunächst müsse jedoch in den nächsten Wochen die genaue Wegführung festgezurrt werden. Neben der Zielgruppe der Wanderer richten sich die Hoffnungen auch auf andere Aktiv-Touristen: die Radfahrer. Voraussichtlich 2008 wird der Ruwer-Hochwald-Radweg von Trier bis Hermeskeil komplett fertig sein. "Unsere Aufgabe wird es sein, Angebote zu stricken, um einen langfristigen Aufenthalt von Radtouristen in der Region zu gewährleisten", sagt Schindler. In diesem Zusammenhang sei zum einen wichtig, dass die Strecke mit dem überregionalen Radwegenetz (beispielsweise dem Saar- oder dem Nahe-Radweg) vernetzt wird. Zum anderen sollen die Radler von der früheren Bahntrasse aus in Schleifen beispielsweise zur Grimburg und anderen Sehenswürdigkeiten in der Verbandsgemeinde gelotst werden. Ein Fragezeichen steht hingegen weiterhin hinter der touristischen Nutzung der Bahnstrecke zwischen Hermeskeil und Morbach. Angedacht ist, dass dort unter anderem Draisinen rollen könnten. "Das wird aber noch ein schwieriger Weg", verweist Hülpes auf die offene Frage der Finanzierung und die Forderungen der Deutschen Bahn AG, die derzeit noch Eigentümerin der Gleise ist.Fernziel: Konversions-Erfolg

Ein großes Fernziel ist schließlich der Erfolg bei den Konversionsbemühungen in Hermeskeil. Denn die generelle Richtung läuft auf eine touristische Nachnutzung des ehemaligen Kasernengeländes hinaus, wobei der Bau eines Feriendorfs oder einer Wasserski-Anlage nur zwei von mehreren Ideen sind. Vorerst sind dies aber Visionen. In der Saison 2006 wird bei den touristischen Angeboten daher auf bewährte Programmpunkte gesetzt. Zu nennen ist dabei die Vielzahl an Museen, die mit dem Hexenmuseum in Grimburg und vor allem mit dem Dokumentationszentrum in Hinzert Zuwachs bekommen haben. Ein wichtiges Standbein sind die Gästeführungen, die auf der Grimburg einen Schwerpunkt haben, aber auch beliebte Schmugglertouren rund um Gusenburg beinhalten.