War Cäsar einst in Hermeskeil?

Sie haben erneut in unserer Vergangenheit gegraben und sehen sich in ihrer These bestätigt: Archäologen legten auf einem Acker am "Ringgraben" ein größeres Gräberfeld frei. Es befindet sich in der Nähe des Fundorts, an dem einst ein römisches Feldlager gestanden haben soll. Für die Forscher wird es deshalb immer wahrscheinlicher, dass Hermeskeil zu Cäsars Zeiten ein wichtiger Militärstützpunkt war.

Hermeskeil. Zum dritten Mal haben die saarländischen Archäologen der Terrex GmbH oberhalb von Hermeskeil Sondierungsgrabungen gemacht; zum dritten Mal sind sie bei ihrer Arbeit fündig geworden und konnten wichtige Erkenntnisse gewinnen. Nur einige hundert Meter Luftlinie von den mysteriösen Erdwällen im Grafenwald entfernt, haben Thomas Fritsch und seine Helfer auf einem Acker am "Ringgraben" mehrere Gräber aus römischer Zeit entdeckt.Die Experten sind sich schon seit zwei Felduntersuchungen in den Jahren 2005 und 2007 ziemlich sicher, dass der Wall in der Nähe des Waldstadions von Menschenhand aufgeschüttet wurde und es sich um ein größeres römisches Feldlager gehandelt hat (der TV berichtete). Spekulationen über Herlager

"Der zeitliche Zusammenhang stimmt", betont Fritsch mit Blick auf den damaligen Fund eines Amphorenhalses und von Holzkohleproben, die inzwischen mit der sogenannten C14-Methode datiert wurden. Seine Hypothese lautet, dass in Hermeskeil einst Tausende römische Legionäre zur Überwachung des feindlichen Keltenstamms der Treverer stationiert waren, die nur wenige Kilometer entfernt auf dem Ringwall bei Otzenhausen siedelten und diesen 53 vor Christus aufgaben. "Es ist nur eine Mutmaßung, aber Cäsar berichtet im ,Bello Gallico', dass er nach seinem Sieg über die Treverer eine große Heerschau abgehalten hat. Diese könnte durchaus hier in der Nähe des Feldlagers stattgefunden haben." Fritsch spekuliert sogar darüber, dass eine der bekanntesten Figuren der Welthistorie möglicherweise vor 2000 Jahren über Hermeskeiler Boden gewandelt ist. Wie auch immer: Durch den jüngsten Gräberfund sieht sich Fritsch in seiner Auffassung bestätigt, dass Hermeskeil - Cäsars persönliche Anwesenheit hin oder her - einst ein wichtiger militärischer Stützpunkt der Römer war.Auf dem Acker am "Ringgraben" haben die Terrex-Forscher auf einem eng abgesteckten Areal gleich zehn Gräber freigelegt. Dort wurden Leichenbrand, also Knochenreste, Urnen und Keramiken gefunden. Auch die vermutliche Stelle des Verbrennungsplatzes, des Krematoriums, haben die Archäologen bereits geortet. Sie konnten ihn bislang aber noch nicht näher untersuchen. Für Fritsch steht fest: "Wir müssen von einer dichten Belegung des Friedhofs und vielleicht mehreren Hundert Gräbern ausgehen". Trotz der neuen Erkenntnisse stellen sich für den Forscher noch etliche Fragen. "Vieles ist möglich. Wir wissen noch nicht genug", betont Fritsch. Er vermutet, dass sich an das Militärlager auch eine Siedlung angeschlossen haben könnte, und geht von "einer konstanten Besiedlung über Jahrhunderte hinweg" aus. Wie lange diese andauerte, lässt sich aber nicht sagen. Um mehr Licht ins Dunkel zu bringen, sind laut Fritsch "systematische Grabungen auf einer größeren Fläche" nötig. Das aber erfordert einen verstärkten finanziellen Aufwand, bei dem sich der Wissenschaftler mehr Unterstützung von der Stadt wünschen würde.