Warten auf neue Wartehäuschen

KONZ. Seit Jahren präsentiert sich der Bahnhof Kreuz Konz in einem völlig verwahrlosten Zustand (der TV berichtete). Infolge von Vandalismus pfeifen schon lange Wind und Wetter durch die zerstörten Glaswände der Wartehäuschen. Die Bahn spricht von einem bundesweiten Vandalismus-Phänomen – und hat ein finanzielles Problem.

Wer in Kreuz Konz aus dem Zug steigt, hat eine wunderschöne Aussicht auf das Moseltal. Und gleichzeitig den krassen Anblick von Schmierereien und Wartehäuschen, die nur noch aus einem überdachten Metallgerippe bestehen, aus dessen Wänden das Glas herausgeschlagen ist. Schon Jahre ist es her, dass Jugendliche die Glaswände zerdepperten. Sie wurden gefasst. "Doch von ihnen war finanziell nichts zu holen", sagt ein Angehöriger des Trierer Bahnhofsmanagements. Luftig und gefährlich

Seitdem ist der Aufenthalt in den Wartehäuschen eine luftige und für Kinder nicht ganz ungefährliche Sache, denn aus den Metallrahmen lugen die Reste der zersplitterten Glaswände heraus. Rundherum liegen auf dem Boden Glassplitter. Mühe mit dem sauberen Entfernen der Glasreste hat sich dort offenbar niemand gegeben. Vandalismus auf Bahnhöfen und in Zügen: Das Problem besteht nicht nur in Konz. Oder Trier-Ehrang, wo ebenfalls vor einigen Tagen die Glasfront eines neuen Wartehäuschens Opfer sinnloser Gewalt wurde. Die neuen, transparenten Wartehäuschen - im Bahn-Jargon "DB-Pluspunkt" genannt - erfreuen sich bundesweit der Beliebtheit von Vandalen. "Mehrere 10 000 Euro mit Aufbau und Anschluss kostet ein Wartehäuschen", sagt Hartmut Lange, Pressesprecher in der Frankfurter DB-Konzernkommunikationsstelle. "Mehr als 5000 Euro, eher 10 000" sollen die Kosten für die Reparatur in Kreuz Konz verschlingen. "Im Moment ist dazu nicht das Geld da", teilt Lange auf TV-Anfrage mit. Ob es mit einer Reparatur noch dieses Jahr klappe, könne er nicht sagen. "Abgerissen werden die Häuschen jedenfalls nicht, sie sind ja auch mit öffentlichen Mitteln gefördert worden." Mehr als 1000 der transparenten Wartehäuschen gibt es bundesweit. Doch die Erfahrungen der Bahn mit den "DB-Pluspunkten" fallen offenbar in Anbetracht der Beschädigungen negativ aus. "Es gibt kein vandalismussicheres Material in ganz Deutschland", meint der Bahnhofsmanagement-Sprecher resigniert und spricht davon, dass das Geld für Reparaturen von der Bahn an anderer Stelle wieder "abgezwackt" werden müsse. Betonhäuschen, wie sie früher gebaut wurden, kämen nicht in Frage. "Da fehlt die soziale Kontrolle!" Doch die ist auch bei den transparenten Häuschen nicht gegeben, wie die Beschädigungen beweisen. Weg von den großen Wänden

50 Millionen Euro müsse die Bahn jährlich für Vandalismusschäden aufbringen, sagt Lange, darin seien auch Graffitibeschädigungen oder herausgerissene Feuerlöscher enthalten. Angesichts von 5600 Verkehrsstationen bundesweit sieht sich die Bahn kaum in der Lage, für schärfere Kontrollen zu sorgen. Bleibt nur die Suche nach einem Material, das blinder Zerstörungswut standhält. "In der zweiten Hälfte des Jahres wird in Cottbus ein Versuch mit neuen Wetterschutzhäuschen gestartet", sagt Lange. Kleinere, unterteilte Glasflächen, andere Materialien wie Holz oder Aluminium würden dann getestet. "Wir wollen weg von den großen Glaswänden."