Was bleibt, ist die Erinnerung

Tausende feiern an diesem Wochenende in Prüm den Rheinland-Pfalz-Tag 2011. Saarburg war 1998 die letzte Stadt in der Region, die das Landesfest ausgetragen hat. Die Erwartungen damals waren hoch, und nicht alle wurden erfüllt. Bedeutungslos ist die dreitägige Landesfeier für das heutige Saarburg aber nicht. Was ist geblieben? Eine Spurensuche.

Saarburg. Ein Exemplar hat er noch. In seinem Büro im zweiten Stock des Saarburger Rathauses kramt Richard Fuhs in der Schublade seines Schreibtischs. Der Verwaltungsmitarbeiter war 1998 für die Organisation des Rheinland-Pfalz-Tages in Saarburg verantwortlich. Anlässlich des dreitägigen Landesfests gab die Stadt damals eine Silbermünze heraus, sie zeigte den Saarburger Wasserfall und auf der Rückseite das Stadtwappen. 200 Stück wurden geprägt - und alle verkauft.
Bis auf eine. Und es dauert auch ein wenig, bis Fuhs sie in der Schublade gefunden hat. 13 Jahre nach dem Landesfest ist es schwer, noch irgendwo etwas Greifbares darüber zu finden.
Denn für viele Saarburger sind mit dem Fest vor allem Erinnerungen verbunden - an den bunten Umzug, das warme Wetter, die vielen Fahnen. Mit ungefähr 250 000 Besuchern rechnete der damalige Stadtbürgermeister Franz-Josef Blatt (FWG) im Vorfeld der Feier. Und der Saarburger Wirtschaft stellte er überdies Mehreinnahmen in Höhe von rund zehn Millionen Mark in Aussicht, die durch den Rheinland-Pfalz-Tag in die Kassen der Händler und Hoteliers fließen sollten.
Am Ende stellte sich aber heraus, dass diese Prognosen zu optimistisch waren. Etwa 80 000 Besucher kamen an den drei Tagen nach Saarburg, also zwei Drittel weniger als erwartet.
Und wenngleich die Saarburger Gastronomen den Juni 1998 als besonders umsatzstark in Erinnerung haben, so hatten sich manche doch noch mehr davon erhofft. "Die Gastronomie war enttäuscht, viele hatten sich auf mehr Besucher eingerichtet", sagt Klaus Diewald, Inhaber des "Saarburger Hofs".
Und auch im "Hotel am Markt" hatte man sich etwas anderes versprochen. "Wir waren zwar gut ausgelastet, hätten aber problemlos noch mehr Gäste verkraftet", sagt Inhaber Cristoforo Russo.
Langfristige Folgen der Landesfeier kann auch Stefanie Koch von der Saar-Obermosel-Touristik nur schwer ausmachen. Etwa fünf Jahre später seien noch vereinzelt Gäste gekommen, die erst durch die Feier auf Saarburg aufmerksam wurden. Aber seitdem seien praktisch keine spürbaren Auswirkungen des Festes auf die Saarburger Touristik mehr zu verzeichnen.
Allein im Bereich Kultur habe der Rheinland-Pfalz-Tag der Stadt einen enormen Schub gegeben, sagt Anette Barth, die Kulturbeauftragte der Stadt. Ein Jahr vor dem Landesfest kaufte die Stadt das alte RWE-Gebäude am Wasserfall, pünktlich zur Feier wurde darin die wichtigste Ausstellung präsentiert, die Saarburg als Glockengießerstadt zeigte.
Seit 1999 beherbergt das Gebäude das Saarburger "Amüseum". "Mit dem Rheinland-Pfalz-Tag stieg schlagartig die Bereitschaft, Geld für Kultur auszugeben. Davon profitiert Saarburg noch heute", sagt Barth.
Was ist noch vom Landesfest übrig geblieben? Da wäre das Glockenspiel an der Fassade des Saarburger Rathauses. Dessen drei Bronzeglocken schlagen seit 1998 zu jeder vollen und halben Stunde - zumindest wenn sie nicht gerade wie derzeit durch Bauarbeiten außer Betrieb sind. Gegossen wurden sie nur ein paar Hundert Meter vom Rathaus entfernt, in der Glockengießerei Mabilon.
"Drei Monate dauerte die Herstellung", sagt Gießermeister Wolfgang Hausen-Mabilon und schaut in seine Akten. Einen ganzen Ordner füllen die Dokumente für die drei vielleicht bekanntesten Saarburger Glocken.
Ein kulinarisches Überbleibsel der Landesfeier wird noch heute angeboten: Auf ihren "Saarburger Strudel" ist Helene Thiboud, Inhaberin des "Petit Café", noch immer stolz. Das Backwerk entstand als offizieller Beitrag der Stadt, wie sie erzählt - und musste deshalb auch selbstverständlich vorab von der Mainzer Staatskanzlei verkostet und für gut befunden werden.
Und schließlich sind vom Rheinland-Pfalz-Tag 1998 noch ein paar Bücher übrig geblieben, sie gehören heute der Saarburger Stadtbibliothek. "Es gab eine Ausstellung der rheinland-pfälzischen Verlage. Die Stadt bekam alle präsentierten Bücher geschenkt", erinnert sich Gudrun Lüdecke, die damals wie heute die Stadtbibliothek leitet.
Durch das Fest wuchs der Bestand der Bibliothek um etwa 120 Bücher. "Nur ein paar Taschenbücher sind zwischenzeitlich zerfallen. Die mussten wir aussortieren."