Was tun, wenn's kriselt?

SAARBURG. Die Mitarbeiter der Familienberatungsstelle in Saarburg werden sich auch in Zukunft an ihrem Arbeitsplatz nicht langweilen. Dass nach wie vor bei Eltern, Kindern und Jugendlichen ein hoher Beratungsbedarf in Lebensfragen besteht, beweist der Tätigkeitsbericht aus dem Jahr 2005. Der wurde im Ausschuss für Kultur, Jugend, und Sport des Verbandsgemeinderates Saarburg jetzt vorgestellt.

Dass die Lebensberatung Saarburg, zu der neben weiteren Anlaufstellen auch die Familienberatung gehört, keineswegs der Zeit hinterher läuft und der Tätigkeitsbericht für das Jahr 2005 bereits seit April dieses Jahres vorliegt, stellte Leo Lauer, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg, zu Beginn der Sitzung des Ausschusses für Kultur, Jugend und Sport klar: "Wir besprechen jetzt, Ende 2006, den Tätigkeitsbericht aus dem vergangenen Jahr. Wir sollten vielleicht mal darüber nachdenken, ob wir für diesen Tagesordnungspunkt künftig einen Extra-Termin in der ersten Jahreshälfte ansetzen."Grundaussage unverändert aktuell

Die Grundaussage dürfte jedoch unverändert aktuell sein. So hat die Familienberatungsstelle an ihrer Existenzberechtigung nichts eingebüßt. 1087 Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben 2005 Rat bei den Mitarbeitern der Einrichtung in Saarburg gesucht. Dabei kamen laut Bericht von 320 Kindern und Jugendlichen in der Erziehungsberatung 46 Prozent aus der Verbandsgemeinde Konz, 41 Prozent aus der VG Saarburg. Sechs Prozent stammten aus dem Umland, vier Prozent aus Trier und drei Prozent aus dem Kreis Trier-Saarburg. Wegen des Themenkomplexes "Trennung/Scheidung und Probleme bei Alleinerziehenden und neu zusammengesetzten Familien" berieten die Mitarbeiter 2005 mit weitem Abstand am häufigsten (298 Beratungen). 53 Mal ging es um "besondere Arbeitsbelastungen", bei 44 Terminen spielte das Thema häusliche Gewalt eine Rolle. Sexueller Missbrauch wurde bei 40 Beratungen thematisiert. Finanzielle Probleme und Überschuldung waren bei 29 Beratungen der Anlass für den Besuch der Beratungsstelle, das Thema Migration bei 24 Terminen. "Die durchschnittliche Beratungsdauer pro abgeschlossenem Fall liegt bei fünf Stunden", heißt es in dem Bericht. Für die Ratsuchenden ist das Hilfeangebot nach wie vor kostenfrei. Träger der Lebensberatung ist das Bistum Trier (übernimmt 56 Prozent der Kosten), wobei das Land Rheinland-Pfalz (18,7 Prozent), der Kreis Trier-Saarburg (14,3 Prozent), sowie die Verbandsgemeinden Konz und Saarburg (je 5,3 Prozent) Zuschüsse bezahlen. Pilotprojekt für 2007 in Planung

Leo Lauer merkte in der Sitzung an: "Angesichts der gesellschaftlichen Entwicklung passt es nicht so ganz, dass sich das Bistum bei der finanziellen Unterstützung immer weiter zurückziehen will." In diesem Zusammenhang skizzierte der Bürgermeister ein Konzept, das den Umgang mit strafunmündigen Jugendlichen (unter 14 Jahre) und die spezielle Betreuung dieser Zielgruppe im Blick hat. Idee und Konzeption stammen von Josef Junk, Leiter der Lebensberatungsstelle in Saarburg. Gedacht sei das Pilotprojekt, das idealerweise 2007 starten solle, als Kooperation zwischen Kriminalpräventivem Rat und Familienberatungsstelle. "Es geht dabei um Jugendliche, die jünger als 14 Jahre alt und strafauffällig geworden sind", erläuterte der ehemalige Polizist Lauer. 60 bis 70 Fälle seien dies im Schnitt pro Jahr im Bereich der Polizeiinspektion Saarburg. Bislang seien diese - etwa bei Diebstahl oder Körperverletzung - mit einer Anzeige "diszipliniert" worden, woraufhin eine Meldung an das Jugendamt gefolgt sei. "Es wird in der Regel dann versucht, ein Gespräch mit den Eltern zu führen und über eine Wiedergutmachung nachgedacht." Mithilfe des Projekts hingegen sollen die auffällig gewordenen Jungen und Mädchen bei der Familienberatungsstelle einen Anlaufpunkt finden und dort eine "permanente Begleitung" erfahren, wie Lauer schilderte. "Bisher war die Hilfe eher punktuell." Josef Junk erläuterte auf telefonische TV-Nachfrage, es gehe darum, "die Eltern in ihrer Erziehungsfähigkeit zu stärken und vorbeugend einzugreifen". Junk: "Gibt es familiäre Konflikte, wie kann man dem Kind zu Erfolgserlebnissen verhelfen, was können die Eltern dabei tun, sind beispielsweise Punkte, die wir aufgreifen würden." Das Angebot solle keine Konkurrenz zu Aktivitäten der Jugendhilfe sein. Der Vorteil sei, dass sich durch die Vernetzung im Kriminalpräventiven Rat - in dem auch Schulen und Institutionen der Jugendarbeit und Jugendhilfe sind - schnell ein geeignetes Hilfs-Netz für die Jugendlichen knüpfen ließe. Personell sei das Projekt, das zunächst auf zwei Jahre angelegt sei, mit den Mitarbeitern der Lebensberatung in Saarburg zu stämmen. Allerdings betonte Lauer in der Sitzung: "Das Konzept zur Projektidee steht. Es ist aber noch nicht definitiv in trockenen Tüchern." Gespräche mit Polizei und Jugendamt stünden noch aus.