Wasserburg in Flammen

WELSCHBILLIG. (red) Welschbillig blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Und auch die Burg Welschbillig hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Diesen und anderen historischen Fragen geht der Trierische Volksfreund jeden Donnerstag in seiner Reihe "Stadt- und Dorfgeschichte(n)" nach.

Das Foto von Friedel Thörnig zeigt die Toranlage der Welschbilliger Burg mit dem ehemaligen Burghaus, das 1711 - nach dem Abriss des alten Burghauses - neu erbaut wurde und seit 1884 als Pfarrhaus dient. Die Burg war von einem teilweise heute noch erhaltenen Wassergraben umgeben - eine Wasserburg also. Sie konnte nur von der Stadtseite durch das Burgtor über eine Zugbrücke, die 1749 durch die auf dem Bild sichtbare Grabenbrücke ersetzt wurde, betreten werden. Eine Pfarrkirche, rechts außerhalb des Bildausschnittes stehend, wurde von 1887 bis 1890 nach Plänen des Trierer Dombaumeisters Reinhold Wirtz innerhalb des Burgberinges neu erbaut. Am Pfarrhaus sind im Mauerwerk noch Einschusslöcher zu sehen, deutliche Spuren des Zweiten Weltkriegs. Der Opel Admiral, der unter dem Baum geparkt ist, legt eine Datierung des Fotos auf Mitte bis Ende der 1960er-Jahre nahe. Die Gemeinde Welschbillig blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Überreste einer dort gefundenen römischen Anlage am nordwestlichen Ortsrand werden als Hauptgebäude einer Domänenverwaltung oder als kaiserlicher Sommersitz gedeutet. Dazu gehörte ein Weiher mit umlaufender Hermengalerie, die heute im Rheinischen Landesmuseum Trier zu besichtigen ist. Dieser umfangreiche römische Besitzkomplex gehörte später zum fränkischen Königsgut, und König Dagobert beschenkte daraus 634 das Trierer Stift St. Paulin mit Ländereien in Welschbillig und Umgebung. St. Paulin hat diese Güter später verloren, und Welschbillig erscheint um 1212 als erzbischöflicher Besitz im Bistumsurbar. Das Urbar verzeichnet die Welschbilliger Burg als eine von insgesamt sieben Landesburgen im Besitz des Trierischen Landesherrn. Sie beherbergte damals neben dem Burggrafen eine Besatzung bestehend aus vier Burgmannen, zwei Burgwächtern und einem Torhüter. Laut Bischofs-Chronik "Gesta Treverorum" ließ Erzbischof Arnold II. von Isenburg (1242 bis 1259) die Burg, die in die römische Villenanlage hineingebaut war, durch vier seitliche Türme und im Torbereich so verstärken, dass sie als uneinnehmbar galt. Auch seine Nachfolger bauten weiter an ihr, denn schließlich grenzte hier die Trierische Landesherrschaft an Luxemburger Einflussgebiet. Welschbillig ist ein gutes Beispiel für den Ausbau und die Sicherung des kurtrierischen Territoriums durch Burgenbau und begleitende Städtepolitik. Im Mai 1291 hatte König Rudolf von Habsburg auf Bitten des Trierer Erzbischofs Boemund Welschbillig die Stadtrechte verliehen, und sein Nachfolger Erzbischof Balduin machte Welschbillig zum Sitz eines kurtrierischen Amtes. Der adlige Amtsmann saß in der Burg, im Burghaus. Natürlich wurde die junge Stadt von einer Stadtmauer umgeben, die die Burg mit einbezog und darüber hinaus noch durch einen Graben mit Außenwall verstärkt war. Welschbillig hat dies alles wenig genutzt: Im 30-jährigen Krieg wurde die Stadt zunächst von Spaniern, dann von Franzosen eingenommen. Bei der Besetzung des Trierer Landes durch die Franzosen 1673/74 wurde die Burg zerstört und Welschbillig niedergebrannt. Davon hat sich die Stadt nicht mehr erholt und wurde danach nur noch als Marktflecken bezeichnet. Es blieb die Funktion als Verwaltungsmittelpunkt: Aus dem kurtrierischen Amt wurde 1801 eine französische Mairie und 1815 eine preußische Bürgermeisterei. Erst im Zuge der Kommunalreform wurde 1970 das Amt Welschbillig aufgelöst und in die Verbandsgemeinde Trier-Land eingegliedert. Barbara Weiter-Matysiak

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