Wawern: Neubaugebiete bei Bedarf

Einstimmig hat der Ortsgemeinderat Wawern nach jahrelangem Tauziehen in seiner jüngsten Sitzung die Bebauungspläne für die Neubaugebiete "Beneförstchen" und "Hochwald II" verabschiedet. Ebenso geschlossen war die Zustimmung zum Haushaltsplan für das Jahr 2010.

Wawern. Es entwickelte sich zu einer fast unendlichen Geschichte: Sieben Jahre lang haben sich die Wawerner Ratsmitglieder mit der Entwicklung des Baugebiets "Beneförstchen" beschäftigt. Mit dem Ja des Rats könnte das Projekt nun endlich "in trockenen Tüchern" sein. "Könnte" deswegen, weil die Kommunalaufsicht vor ihrer Zustimmung zu den Gebieten "Beneförstchen" und "Hochwald II" vom Wawerner Ortsbürgermeister Franz Zebe den Nachweis "ernsthafter Kaufinteressenten" verlangt.

"Erste Nachweise habe ich schon in meiner damaligen Bürgermeisterzeit 2003 erbracht", sagt Zebe im TV-Gespräch. Und ist sich zugleich im Klaren darüber, dass diese Willensbekundungen heute "nicht mehr viel wert" sind.

Neun Bauplätze hängen von Fledermäusen ab



Von den ursprünglich 30 vorgesehenen Bauplätzen im Beneförstchen können für die nächsten Jahre nur 21 zum Verkauf angeboten werden - zu einem Preis, der vorerst nicht zu kalkulieren ist. Zebe: "Mit 120 Euro pro Quadratmeter kommen wir bestimmt nicht hin." Die neun restlichen Bauplätze können derzeit nicht verkauft werden: Sie liegen an der Einflugschneise für Fledermäuse. So lange sich diese geschützte Tierart nicht an die neuen Orientierungsbäume, die andernorts stehen sollen, gewöhnt haben, bleibt dieser Bereich für Bauherren tabu.

Das ursprünglich als Mischgebiet ausgewiesene, 724 000 Euro teure Baugebiet Beneförstchen soll nun reines Wohngebiet werden. Das dort angedachte Gewerbe wird in das Gebiet Hochwald verlagert, der dortige Kinderspielplatz wird ins Beneförstchen verlegt.

Haushalt weist dickes Minus aus



Der ebenfalls einstimmig verabschiedete Haushaltsplan 2010 ist, wie die Etats der vergangenen Jahre, defizitär, was Ratsmitglied Alfons Orth (CDU) und seinen Fraktionskollegen Hans Greis zu der Feststellung veranlasste, dass Wawern die am höchsten verschuldete Gemeinde im Kreis sei und man deshalb sparen müsse. Am Ende der Etatberechnungen steht im Ergebnishaushalt ein Fehlbetrag von rund 213 000 Euro, und der Finanzmittelbestand bei der Kreiskasse verringert sich um zirka 200 000 Euro. Bei Umsetzung aller geplanten Investitionen würde sich der Schuldenstand am Ende des Jahres auf 1,7 Millionen Euro belaufen. Darin sind allerdings auch die Aufwendungen für Beneförstchen und Hochwald II enthalten, die beim Verkauf aller Bauplätze mindestens wieder hereingeholt werden sollen.

Weitere Beschlüsse: Pflaster- und andere Arbeiten am Hirschkornhaus (17 500 Euro); Anteil an Erweiterungsplanung, Umbau und Sanierung Kindergarten Wiltingen (13 500 Euro); Sanierung des Tennensportplatzes (10 000 Euro); Breitband (DSL)-Versorgung (16 000 Euro); Sanierung der Friedhofsmauer (20 000 Euro).

EXTRA Rückblick zur Entwicklung des "Beneförstchen": Ursprünglich ging es beim Beneförstchen um die Planung eines Gewerbegebiets. Im Herbst 2005 wurde das erste Bodengutachten wegen des Wasserschutzgebietes ausgeführt. 2005/2006 kam es zur Umplanung in ein Mischgebiet, weil die Erschließung für ein Gewerbegebiet zu aufwendig geworden und die Planung für ein Baugebiet am Nordrand von Wawern eingestellt worden ist. Bis 2006 waren etwa 17 Grundstücke für Wohnen und Gewerbe geplant. Mitte 2006 eröffnen sich technische Möglichkeiten, das Plangebiet zu vergrößern. Es folgt eine neue Planung mit knapp 40 Grundstücken. Es kommen von Seiten der Behörden Bedenken auf wegen Fledermäusen, Amphibien und Vögeln sowie wegen des Landschaftsbildes. Gutachten sind die Folge. Ab Herbst 2008 folgen intensive Gespräche und mehrere Planänderungen mit schrittweiser Reduzierung des Baugebietes auf nun 30 Grundstücke im Wohngebiet. (red/kdj)

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