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Weg frei für Gespräche mit Saarburg: Keller VG-Rat votiert einstimmig für Fusionsverhandlungen mit Nachbarn im Osten

Weg frei für Gespräche mit Saarburg: Keller VG-Rat votiert einstimmig für Fusionsverhandlungen mit Nachbarn im Osten

Was sich bei der Bürgerversammlung in Mandern vor zwei Wochen angedeutet hat, ist nun bestätigt: Die politischen Vertreter in der Verbandsgemeinde Kell am See sind sich weitgehend einig, mit wem sie über einen Gebietszusammenschluss verhandeln wollen. Der VG-Rat hat Gesprächen mit Saarburg zugestimmt – ebenso die meisten Ortsgremien.

Lange diskutiert wurde am Mittwochabend im Gasthaus Zender in Waldweiler nicht. Zu groß war die Einigkeit unter den Mitgliedern des Keller Verbandsgemeinderats in der Frage, wie sie mit dem vorliegenden Vorschlag zur Gebietsreform umgehen sollten. Der Lenkungsausschuss - ein Gremium aus Bürgermeister, Beigeordneten, Verwaltungsmitarbeitern und den Chefs der Ratsfraktionen - hatte empfohlen, mit der VG Saarburg über einen Zusammenschluss mit Kell zu verhandeln (der TV berichtete mehrfach). Diesem Vorschlag haben sich nun die VG-Ratsmitglieder einstimmig angeschlossen.

Bürgermeister Martin Alten (CDU) sprach zuvor von einer "großen Einigkeit", die sich auch in der breiten Zustimmung der Ortsgemeinden zeige. Er hoffe, "dass wir dies beibehalten, um eine Zerschlagung der VG Kell in zwei oder drei Teile zu vermeiden". Nur als Einheit habe man ein entsprechendes Gewicht in den anstehenden Fusionsverhandlungen.
In den 13 Dörfern haben laut Verwaltung die Gemeinderäte Baldringen, Greimerath, Mandern, Paschel, Schömerich, Waldweiler und Zerf ihre "uneingeschränkte Zustimmung" zu Gesprächen mit der VG Saarburg erteilt. Für Hentern und Vierherrenborn haben die Ortschefs mehrheitliche Zustimmung "signalisiert". In Heddert will man zusätzlich mit der VG Hermeskeil sprechen, die als zweiter möglicher Fusionspartner gilt. Schillingen und Kell wollen aus ihrer Sicht wichtige Eckpunkte für Fusionsgespräche mit Saarburg erarbeiten.

"Es läuft wie geschmiert", stellte Klaus Marx (CDU) fest. Viele hätten zu Jahresbeginn nicht daran geglaubt, "dass wir es schaffen, die VG zusammenzuhalten". Aus der geringen Teilnahme der Bürger an Sitzungen und an der Infoversammlung in Mandern lese er heraus, "dass sie damit einverstanden sind, was wir hier machen". Manfred Rauber (SPD) lobte die "große Einigkeit über alle Fraktionen hinweg". Er erinnerte an die Bürgerbefragung von 2012, bei der im östlichen Teil der VG Kell - auch in seiner Ortsgemeinde Waldweiler - eine deutliche Mehrheit für einen Wechsel nach Hermeskeil gestimmt hatte. Damals sei die Ausgangslage jedoch eine andere gewesen, sagte Rauber. Er habe selbst in Waldweiler einen Informationsabend angeboten, mit nur zwölf Teilnehmern: "Die Bürger schenken uns wohl ihr Vertrauen."

Erwin Rommelfanger (FWG) betonte die Vorteile einer "gemeinsamen Verhandlungsposition" gegenüber Saarburg. Der Keller Ortschef Markus Lehnen verlangte für seine Ortsgemeinde: "Wir müssen jetzt klare Aussagen bekommen, was mit Saarburg umgesetzt werden kann und was nicht." Die Punkte, die Kell vorlegen werde, seien "Pflöcke, die darüber entscheiden werden, ob wir am Ende zustimmen."

Nur am Rande erwähnte Bürgermeister Martin Alten zwei Bürgerbegehren, die zurzeit laufen. In Lampaden sollen die Bürger per Unterschrift erklären, ob es im Ort erneut eine Befragung zur Gebietsreform geben soll. In Kell am See hat eine Gruppe um Dittmar Lauer bereits Unterschriften gesammelt. Gefragt wurde, ob die Ortsgemeinde Kell in die VG Hermeskeil wechseln solle, um mit dieser eine starke Hochwald-VG zu bilden. Für diese Option setzt sich die Gruppe ein, um den Erhalt des Mittelzentrums Hermeskeil und seiner Einrichtungen zu sichern.
Meinung

Das Thema ist noch nicht durch

Wenn man sieht, wie die politischen Debatten zur Kommunalreform andernorts ablaufen, dann machen die Keller offensichtlich einiges richtig. Die Diskussion läuft bislang erfreulich sachlich ab. Entscheidungen werden öffentlich gemacht. Und politisch herrscht offenbar Einigkeit über das weitere Vorgehen. Aber damit ist das Thema trotzdem noch nicht durch.
Lenkungsausschuss und VG-Rat sind unter der Vorgabe, für die VG Kell als Einheit einen Partner zu finden, davon überzeugt, dass die VG Saarburg die beste Option ist. Von dort kommen, so wird betont, die besseren Angebote und Argumente. Worin aber die Vorteile gegenüber der VG Hermeskeil konkret bestehen, blieb bislang recht vage. Im östlichen Teil der VG, der nach Hermeskeil orientiert ist, gab es bisher zwar kaum Widerstand. Der regt sich aber nun in Form des Bürgerbegehrens in Kell am See. Dessen Befürworter werden jetzt ihre Argumente für eine starke Hochwald-VG mit Nachdruck vorbringen. Haben sie Erfolg und stimmen die Keller für Hermeskeil, dann könnte das die aktuelle Einigkeit auf die Probe stellen.
c.weber@volksfreund.de
Extra

Hohe Auszeichnung
Der erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde Kell am See, Walter Rausch (SPD), ist vom rheinland-pfälzischen Innenminister mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette für sein kommunalpolitisches Engagement geehrt worden. Bürgermeister Martin Alten gratulierte seinem Beigeordneten zu dieser "hohen Auszeichnung", dankte ihm für die "gute Zusammenarbeit" und seine lange politische Tätigkeit in der VG Kell. Rausch war 1979 erstmals in den Ortsgemeinderat Kell am See gewählt worden, war dort 14 Jahre lang als Ortsbürgermeister tätig. Seit 1994 ist er Mitglied des Keller VG-Rats, seit 2004 sitzt er im Kreistag Trier-Saarburg.