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Wegkreuz liegt nur kurzzeitig auf dem Boden

Wegkreuz liegt nur kurzzeitig auf dem Boden

Aufmerksamen Passanten ist es sofort aufgefallen: An der Hunsrückhöhenstraße (B 407) bei Zerf ist ein altes Wegkreuz verschwunden. Doch die Befürchtung, dass es dem aktuellen Bau eines Feldwirtschaftswegs für immer zum Opfer fiel, ist unbegründet. Schon in den nächsten Tagen wird es wieder aufgestellt.

Zerf. Als Oliver Weiler vor einigen Tagen von Hermeskeil aus kommend auf der B 407 unterwegs war, fiel ihm etwa zwei Kilometer vor dem Ortseingang von Zerf etwas auf, "das mich fassungslos" machte. Genau an der Stelle, an der bisher ein weißes Wegkreuz stand, parkte nun ein Bagger neben der breiten Schneise eines neu angelegten Wirtschaftswegs, der nach Oberzerf führt. Von dem Kreuz war im Vorbeifahren nichts mehr zu sehen. Deshalb wandte sich der Mann aus Nonnweiler an unsere Zeitung.
"Was ist mit dem Kreuz passiert? Wird es konserviert oder wieder aufgestellt? Oder wurde es aus mangelndem Wissen mit den Erdmassen abgefahren?", lauteten seine Fragen. Letzteres wäre aus seiner Sicht eine "Schande". "Wegekreuze sind doch ein ganz fester Bestandteil unserer regionalen Kultur. Es einfach zu entfernen, wäre respektlos gegenüber den Menschen, die es früher dort aufgestellt haben", sagt Weiler.
Flurbereinigung bei Zerf


Als richtig stellt sich Weilers Vermutung heraus, dass das Verschwinden des sogenannten "Ottskreuzes" (siehe Extra) in Zusammenhang mit der Flurbereinigung in Zerf steht. Bei Ortsbürgermeister Dieter Engelhardt und Ernst Bustert, dem Vorsitzenden der Zerfer Teilnehmergemeinschaft beim Flurbereinigungsverfahren, haben sich wegen der Demontage des Kreuzes auch Leute aus Zerf gemeldet und beschwert. Beide versichern jedoch: "Das Kreuz wird in den nächsten Tagen wieder aufgestellt."
Zurzeit liegt es umgekippt und etwas versteckt in der Böschung nahe dem Bagger. "Wir werden es etwa zehn Meter weiter nach oben in Richtung Hermeskeil versetzen", sagt Bustert.
Doch warum wurde der neue Wirtschaftsweg ausgerechnet dort angelegt, wo bisher das Ottskreuz stand? "Hätte man nicht so planen können, dass der Weg ein paar Meter an dem Kreuz vorbeiführt?", fragt Weiler. Nein, sagt Bustert und verweist diesbezüglich auf das wichtigste Argument, das die für die Flurbereinigung zuständigen Planer vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) ins Feld geführt haben: den Sicherheitsaspekt.
Genau gegenüber dem neu angelegten Wirtschaftsweg stößt der sogenannte Kapellenweg auf die B 407. Das heißt: Künftig müssen Traktoren die Hunsrückhöhenstraße nur noch wie auf einer Kreuzung überqueren. Die bisherige Verkehrsführung sei da gefährlicher gewesen, sagt Bustert. Die Traktoren mussten nämlich vom Kapellenweg nach links auf die B 407 abbiegen, diese knapp 100 Meter befahren, um dann nach rechts auf den alten Wirtschaftsweg nach Oberzerf abzubiegen. "An der Einmündung zur B 407 gibt es jetzt also eine wesentliche Verbesserung", betont Bustert. ax
Extra

In der 1981 von Edgar Chris-toffel verfassten Zerfer Ortschronik finden sich Informationen zum sogenannten Ottskreuz. Dabei handelt es sich um ein hell angestrichenes Steinkreuz, das ursprünglich auf dem Zerfer Friedhof stand - und zwar am Grab der Margarethe Mohsmann, geborene Ott. Als das Grab auf dem Friedhof aufgegeben wurde, haben es die Nachfahren - die Eheleute Mohsmann-Jakobs - in den 1920er Jahren an der Straße aufstellen lassen. An dieser Stelle - sie heißt im Volksmund Dicker Stein - hatte bis zu diesem Zeitpunkt ein Holzkreuz aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gestanden, das damals aber schon stark verwittert war. Die Stifterfamilie stellte das Steinkreuz laut Christoffel zum Gedenken an den Bruder von Frau Mohsmann-Jakobs auf, der Anfang der 1920er Jahre in Büschfeld bei Nunkirchen (Saarland) tödlich verunglückt war. Die Inschrift auf dem Ottskreuz ist nicht mehr zu erkennen. ax