Weideland gegen Brot und Wein

KONZ. Ein Jahrhunderte altes Gerichtsschöffenbuch gibt nicht nur Aufschluss über Rechtsgeschäfte damaliger Zeiten sondern auch über die Ortsgeschichte von Konz. Heimatforscher Rudolf Molter hat das antike Dokument in eine heute verständliche Sprache übersetzt.

Ein wahres Kleinod ist dem Konzer Heimatforscher Rudolf Molter im Trierer Stadtarchiv in die Finger gefallen. Das Gerichtsschöffenbuch von Konz umfasst 562 Eintragungen der Jahre 1545 bis 1732 und gibt einen detaillierten Einblick in das öffentliche und familiäre Leben dieser Zeit. Rechtsgeschäfte verraten viel Buntes

Bereits 1537 hatte der Trierer Erzbischof und Kurfürst Johann von Metzenhausen eine Untergerichtsordnung erlassen. Künftig unterlag die Wahl der Schöffen kurfürstlichen Regeln. Das Gericht setzte sich aus dem "Schultheiß" als Vertreter des Kurfürsten und sieben Schöffen zusammen, darunter der Ortsvorsteher. Erstmals wurde auch ein Gerichtsschreiber eingesetzt, "der ehrbar, fromm und geschickt sei" und das Führen eines Gerichtsbuches angeordnet, in das "alle Gerichtshandlungen fleißig geschrieben werden", heißt es in der 70-seitigen Untergerichtsordnung. "In dem Buch sind nicht nur Rechtsgeschäfte aus dieser Zeit dokumentiert", sagt Rudolf Molter. "Es sind darüber hinaus eine Fülle von Informationen über die Ortsgeschichte und die Konzer Familien enthalten." Alle Grund und Boden betreffenden Rechtsgeschäfte, An- und Verkäufe, Erbvorgänge, Kreditgeschäfte und eine Vielzahl anderer Angelegenheiten aus 187 Jahren sind akribisch aufgelistet. Zum Beispiel der Verkauf einer Gemeindeweide am Moselufer an die "Karthäuser von St. Alban zu Trier" für 85 Reichstaler, 24 Sester Wein und 20 Brot. "Interessant an diesem Eintrag vom 10. März 1644 ist die Tatsache, dass alle 17 Konzer Hofbesitzer anwesend waren", sagt Molter. "Dies lässt Rückschlüsse auf die Bevölkerung zum Ende des 30-jährigen Krieges zu." Forscher entdeckt unbekannten Hof

Viele Geschäfte seien damals in Naturalien abgewickelt worden, erläutert der Heimatforscher. Nahrungsmittel, Gebrauchsgegenstände und Kleidung seien gegen Weideland, Gartenstücke oder Weinberge getauscht worden. Die Auswertung der Gerichtsprotokolle brachte zudem eine Reihe von Informationen zur Ortsgeschichte. So wird ein Unfall vom 17. August 1697 geschildert, bei dem ein Nachen beim Überqueren der Saar gesunken war. Dabei ertranken "des Zöllners Knecht samt der Magd". Auch konnte Molter familiäre Beziehungen rekonstruieren, Kriegsauswirkungen erfassen und die Liste der Pfarrer und Bürgermeister erweitern. Und manche Neuigkeit entdeckte der Heimatforscher bei seinen Untersuchungen. So fand er einen bisher unbekannten Hof, der hinter der heutigen Bahnhofstraße am Saarufer lag und einen Vorgängerbau der aus dem Jahr 1787 bekannten Fischers Mühle. Das Buch mit vielen interessanten Eintragungen ist für 10 Euro im Rathaus und in der Buchhandlung Kolibri erhältlich.