Weihnachten ist das ganze Jahr

MEHRING. Im Haus von Adele und Hans Mendel liegt das ganze Jahr über ein Hauch von Weihnachten. Denn der gelernte kaufmännische Angestellte hat ein besonderes Hobby. Fast jede freie Minute widmet er dem Krippenbau.

Keine ist wie die andere, und alle sind sie für sich ein seltenes Kunstwerk, das von Bekannten und Freunden bewundert wird. Alle haben sie aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind aus 100 Jahre altem Eichenholz gefertigt und nusstrocken. Als bei der Moselkanalisation im Jahre 1962 die Häuser entlang des Ufers abgerissen wurden, konnte Hans Mendel die Holzbalken aus den Gebäuden erwerben. Ohne zunächst etwas Besonderes damit vor zu haben, lagerte er sie trocken am Haus. Hans Mendel und Ehefrau Adele betrieben von 1971 bis 2002 (der Trierische Volsfreund berichtete) das Café Mendel in Mehring. In dieser Zeit kam dem heute 73-Jährigen die Idee, für seinen Enkel Michael Diederich eine Krippe zu bauen. Natürliche Formen mit dem Teppichmesser

Mit viel handwerklichem Geschick und eben dem alten, eigelagerten Holz gelang ihm gleich auf Anhieb ein Prachtstück. Die Spannung und das Bestreben nach immer neuen Konstruktionen und Formen ließen ihn in den Jahren danach nicht mehr los. Rund 100 Stunden investiert Mendel in jede einzelne Weihnachtskrippe. Mendel: "Das Besondere an den bis zu 1,2 Meter breiten Bauwerken ist, dass ich keinen Nagel und keine Schrauben verwende." Alle Holzteile sind penibel mit Holzdübeln und etwas Leim verbunden. Und auch bei den Holzdübeln hat der Krippenbauer seine eigenen Vorstellungen: "Die Dübel aus dem Baumarkt passen farblich nicht zu meinem alten Eichenholz." Also gilt: Messer raus und Dübel schnitzen. "Obwohl ihm alle möglichen Maschinen und Werkzeuge in seiner Werkstatt zur Verfügung stehen, arbeitet er am liebsten mit dem Teppichmesser", verrät Adele Mendel. Dann erklärt der Krippenbauer dem Besucher: "Damit kann ich auch die schönsten geraden Holzstücke so bearbeiten, dass sie krumm und buckelig aussehen." Genau das sollen seine Gebilde auch sein: etwas windschief und nicht unbedingt an allen Ecken gleich. Eben so, wie man damals Ställe gebaut haben könnte. Das Gelände um die Krippen herum ist mit Wegen aus Baumrinde, mit Brunnennachbauten, Brücken und Bäumen verschönert. Getrocknetes Moos stellt die Wiesen dar. Wenn Tochter Iris bei einem Besuch in der Werkstatt einen Verbesserungsvorschlag macht, wird auch schon mal das neueste Fantasiegebilde, für das es keinen Bauplan und keine Zeichnung gibt, abgebaut und neu konstruiert. "Zunächst habe ich eine Krippe nach der anderen gebaut und wollte eigentlich nie eine aus dem Haus geben", erzählt Mendel. Doch dann gab er die ersten wegen Platzmangels aus dem Haus, und seine Abnehmer waren von seiner "perfekten Handarbeit" ganz begeistert. Acht bis neun Krippen baut er im Laufe eines Jahres. "Das muss bei mir ganz ohne Zwang und Druck gehen, eben wie es meine Freizeit zulässt", sagt er. Das ist auch ein Grund, warum er sich nicht an einen Verein binden will. Seine Werke sind am ersten und zweiten Adventswochenende bei den Weihnachtsmärkten in Fell und Mehring zu sehen - und zu bestaunen.