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Weiter Wirbel um Windräder

FOTO: Herbert Thormeyer (doth), Herbert Thormeyer ("TV-Upload Thormeyer"
Weiskirchen/Zerf/ Greimerath. Bisher war`s umgekehrt: In der Verbandsgemeinde Kell, vor allem in CDU-geführten Orten, gab es massive Kritik an Windkraftplänen der Gemeinde Weiskirchen. Allerdings vergeblich - vier Räder auf dem Schimmelkopf stehen schon. Jetzt warnt eine saarländische Initiative vor einem Großwindpark auf rheinland-pfälzischer Seite. Herbert Thormeyer

Weiskirchen/Zerf/ Greimerath. Die Bürgerinitiative (BI) Gegen Windkraftanlagen im Wildpark und im Wald Weiskirchen richtet ihre Kritik jetzt auch in Richtung Rheinland-Pfalz. "Vier Windkraftanlagen bei Weiskirchen sind schlecht für die touristische Hochwaldregion, 17 auf dem Hochwaldrücken jedoch eine Katastrophe", sagt deren Vorsitzender, Jens Schommer, und spricht bereits von einem Großwindpark.
Hintergrund: Neben den bestehenden vier Rädern am Schimmelkopf will die Gemeinde Waldweiler am nahen Teufelskopf drei weitere Räder errichten. Die Gemeinde Zerf plant auf einem Areal entlang der nach Weiskirchen führenden Landesstraße 142 den Bau von zehn Anlagen (der TV berichtete mehrfach).
Schommer fürchtet, dass Arbeitsplätze im Tourismus verloren gehen, wenn diese Pläne verwirklicht werden.

Die Weiskircher Windkraftanlagen könne man doch nicht als Freifahrtsschein für Zerf und Waldweiler zur Vervielfachung der Natur- und Landschaftszerstörung erklären, sagt Schommer. Er kritisiert vor allem das Vorhaben an der L 142 scharf: "Rücksichtslos will Zerf einen gigantischen Windpark möglichst weit weg vom eigenen Dorf errichten."
Dabei würden die Weiskircher Hochwaldkliniken fast von Windrädern umzingelt. Zerf bekomme die Einnahmen, andere hätten den Schaden.Zerf: Es entsteht kein Konflikt


"Wo soll dieser Wahnsinn noch hinführen", fragt der BI-Vorsitzende. Er spricht von einem "Monster-Windpark" mit 17 oder noch mehr Windrädern und mahnt, die Natur- und Landschaftszerstörung zu beenden.
Der Zerfer Ortsbürgermeister Dieter Engelhardt (SPD) hat für die Kritik aus dem Saarland kein Verständnis. Er erwidert der Weiskircher BI: "Windkraftanlagen sollten nur dort gebaut werden, wo die Wind ernte am effektivsten ist, und das ist nun mal auf der Höhe." Engelhardt weist darauf hin, dass vor der Errichtung und Genehmigung von Windrädern umfangreiche Gutachten erstellt werden und auch die Nachbargemeinden eine Stellungnahme abgeben können. "Wenn aber jeder nur nach dem St. Florians-Prinzip handelt, führt die Energiewende ins Absurde. Auf unnötige Neid-Debatten der BI aus Weiskirchen möchte ich aber nicht eingehen", sagt Engelhardt. Er fügt allerdings hinzu, dass "unzählige Studien" bewiesen hätten, dass Windkraftanlagen und Tourismus nicht miteinander in Konflikt stünden.Schwerwiegende Eingriffe


Auch Manfred Rauber, Ortschef von Waldweiler, sieht die Pläne seiner Gemeinde zu Unrecht an den Pranger gestellt: Der SPD-Mann sagt: "Nach langjährigen, sehr harten und zum Teil sehr persönlichen und unschönen Diskussionen hat sich der Verbandsgemeinderat Kell gerade zum Schutz des Landschaftsbildes und um eine Verspargelung der Landschaft zu vermeiden auf nur zwei Konzentrationsflächen, nämlich den Teufelskopf und den Zerfer Wald, geeinigt."
Dass neben den vier Weiskircher Rädern am Schimmelkopf auf Waldweilerer Gebiet drei Anlagen hinzukommen sollen, sei der Öffentlichkeit schon seit Jahren bekannt gewesen. "Es war immer unser Ziel, einen sehr überschaubaren, länderübergreifenden Windpark zu errichten." Ebenso wie am Teufelskopf gelte auch für die geplanten zehn Anlagen in Zerf , dass sie nur gebaut werden dürfen, wenn alle Untersuchungsergebnisse positiv verlaufen. Es sei derzeit noch völlig offen, wie viele Räder sich später überhaupt auf dem Rücken des Schwarzwälder Hochwalds drehen dürfen, betont Rauber.

Rückendeckung erhalten die Windkraftgegner aus Weiskirchen von der BI Pro Natur Hochwald aus Greimerath. Diese hatte sich vergeblich dagegen gewehrt, dass 2013 auf dem zur saarländischen Gemeinde Losheim gehörenden Teil des Judenkopfs fünf Windräder errichtet wurden. "Wir teilen die Kritik der BI aus Weiskirchen an den Plänen der Gemeinden Zerf und Waldweiler", betont Pro-Natur-Sprecher Bernhard Schmitt. Auch diese beiden Windparks seien mit "schwerwiegenden Eingriffen in Natur und Landschaft" verbunden. Im Übrigen hätten die von Windkraftanlagen ausgehenden Gefahren für Menschen wie Tiere ein Ausmaß erreicht, "das nicht mehr tolerierbar ist". Die Gruppe lehne den weiteren Bau von Windrädern in Waldgebieten ab, zumal "auch noch die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen in Zweifel zu ziehen ist", so Schmitt.