Welcome, Bienvenue, Willkommen

Die ersten 16 Flüchtlinge sind am Donnerstagmorgen in der Notunterkunft im Hochwald angekommen. Im Laufe des Tages wurden noch einmal etwa 20 in Kleinbussen von Trier nach Hermeskeil gefahren. In den kommenden Tagen folgen weitere. Sie werden in den vom Land auf dem Gelände der Hochwaldkaserne aufgestellten Zelten einquartiert. 375 Menschen haben dort Platz.

Hermeskeil. Madlen (17) läuft mit ihren beiden kleinen Cousins und ihrer Cousine in die ehemalige Turnhalle der Ex-Hochwaldkaserne. Ganz hinten in dem großen Raum stehen Zelte. In einem sind Regale aufgebaut, gefüllt mit Schuhen. Von denen suchen sich die Kinder jeweils ein Paar aus. In einem anderen Zelt gibt es Spielsachen. Besonders das Kindertretauto gefällt den Jungen. Ihre Augen strahlen. Sie strahlen auch, weil sie in Sicherheit sind. Raus aus Syrien. Weg vom Krieg. Mit ihren Eltern sind die drei Geschwister geflohen, über die Türkei und Griechenland nach Deutschland."Schreckliche Angst"

Welcome, Bienvenue, Willkommen
Foto: friedemann vetter (ve.), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"
Welcome, Bienvenue, Willkommen
Foto: friedemann vetter (ve.), Friedemann Vetter ("TV-Upload vetter"


Wie ihre große Cousine Madlen schon vor zwei Jahren. "In Syrien war es sehr schlimm. Als ich einmal in der Schule war, ist eine Bombe explodiert. Viele meiner Freunde sind gestorben", sagt die 17-Jährige. Und das Lächeln verschwindet für einen Augenblick von ihrem Gesicht.
Madlen hat in ihrer Heimat Schlimmes erlebt. "Dort gibt es schreckliche Angst." Nach ihrer Flucht kam das Mädchen in die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) nach Trier. Nun lebt sie in Cochem. Neue Freunde hat sie dort gefunden. Sie spricht gut deutsch.
Das steht ihrer Tante, ihrem Onkel und deren drei Kindern noch bevor. Madlen hat sie am Donnerstag in Trier abgeholt und nach Hermeskeil begleitet. Dort lebt die Familie vorerst in einem der drei Zelte. Für den Übergang. Den riesigen Raum werden sie sich schon bald mit 120 weiteren Flüchtlingen teilen.
Am Donnerstag sind die ersten der 375 Menschen angekommen, die in dem Behelfsquartier untergebracht werden. "Die Flüchtlinge bleiben vier bis sechs Wochen hier", sagt Stefan Ding, der künftige Leiter der (Afa) Hermeskeil, die im Herbst, voraussichtlich am 1. November, in den ehemaligen Kasernenblocks eröffnet werden soll. Bis dahin haben er und die Mitarbeiter des DRK-Kreisverbands Trier-Saarburg alle Hände voll zu tun. "Wir haben hier aber auch viele ehrenamtliche Helfer aus Hermeskeil, die sich gemeldet haben", sagt Petra Witt vom DRK.
Freiwillig und ehrenamtlich ist auch Laura Becker vom DRK-Ortsverein Hochwald am Donnerstag im Einsatz. In der Turnhalle teilt sie das Mittagessen aus. Denn bereits am Morgen waren die ersten 16 Flüchtlinge in Hermeskeil angekommen. "Ich bin hier, weil die Leute mir leidtun. Ich werde auch sicher öfter hier sein, so oft es meine Arbeit zulässt." Mit Arbeit vertreiben sich auch einige Männer aus Eritrea, Syrien und der Zentralafrikanischen Republik die Zeit. Sie tragen Warnwesten und Handschuhe. Sie helfen den Mitarbeitern des DRK und der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier, räumen Müll weg, tragen benötigte Materialien auf den Platz und in die Halle. Alles scheint besser, als nichts zu tun und über das Erlebte, Krieg, die Flucht nachzudenken. "Sie haben sich freiwillig gemeldet und verdienen sich als unsere Hausarbeiter etwas dazu. 1,05 Euro pro Stunde", sagt Marco Rohler von der Afa in Trier. Er ist in Hermeskeil, um seinen Kollegen zu unterstützen.
Gerade fährt ein Kleinbus auf das Gelände. Einige Männer steigen aus. Die Strapazen, die sie auf sich genommen haben, sind ihnen anzusehen. Rohler läuft zu ihnen. "Welcome, Bienvenue", spricht er sie auf Englisch und Französisch an. Er erklärt ihnen in ruhigem Ton, dass sie sich zunächst registrieren lassen müssen. Name, Geburtsdatum, Herkunftsland. Danach erhalten sie Kissen, Decken und Bettbezüge, die sich in Kartons verpackt in der Halle stapeln. Damit gehen sie in eines der drei Zelte. Ruhe werden sie dort nicht lange haben. Dicht an dicht stehen die Doppelstockbetten. "Aber hier kann man gut schlafen - ohne Angst", sagt Madlen. Es ist ein Anfang. Sie lächelt. Sie ist froh, ihre Familie zu sehen. Und sie weiß, dass sie nun ein neues Leben beginnen können.