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Wellen 2030: Weniger Bergbau erwünscht

Wellen 2030: Weniger Bergbau erwünscht

Eine Zukunft für Wellen, in der Bergbau keine große Rolle mehr spielt? Das Konzept des Vereins Sauberes Wellen hält das für möglich. Stadtplaner Jean Goedert hat es im Gemeinderat präsentiert. Während der Rat die Vision positiv aufnahm, schieden sich die Geister bei einer Debatte über eine Bushaltestelle.

Wellen. Der Verein Sauberes Wellen hat bei der jüngsten Gemeinderatssitzung im Bürgerhaus Wellen seine Vision für das Dorf an der Obermosel im Jahr 2030 vorgestellt. Von Staub aus dem Bergwerk gibt es darin keine Spur mehr. Die Planung geht in vielen Punkten davon aus, dass sich der Bergbau in Wellen weiter reduziert, möglicherweise sogar ganz eingestellt wird. Sie sieht zum Beispiel die Umnutzung von Bereichen vor, auf denen heute noch Produktionshallen der Trie rer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (TKDZ) stehen - ein Unternehmen, das Wellen seit mehr als 130 Jahren prägt (siehe Extra).
Kleines, feines Gewerbegebiet


Der luxemburgische Stadtplaner Jean Goedert hat sich federführend um das Konzept gekümmert. Und er bringt Erfahrung mit: Als Chefplaner der luxemburgischen Stadt Esch hat er maßgeblich an der Umnutzung des Schwerindustriegebiets Belval mitgewirkt. Goedert ist 2008 nach Wellen gezogen und stellvertretender Vorsitzender des Vereins Sauberes Wellen. Er kann sich auf den Grundstücken an der Josef-Schnuch-Straße, in der die TKDZ-Produktionshallen stehen, ein kleines, aber feines Gewerbegebiet mit Firmen aus der Medien- und Werbebranche und aus der Umwelttechnik vorstellen. Das Förderband, mit dem heute noch Schotter und Splitt zu den Lastschiffen an der Mosel transportiert werden, könnte zu einer Fußgängerbrücke umgebaut werden. Und der Bahnhof könnte sich zu einem touristischen Zentrum mit einer Filiale der Saar-Obermosel-Touristik, einem Fahrradverleih, einem Café und einem Service-Angebot für Kanu-Wanderer entwickeln.
Weitere Schwerpunkte in der Zukunftsskizze für Wellen: ein attraktiv gestalteter Eingangsbereich für alle Menschen, die über die Moselbrücke nach Wellen kommen, die Verknüpfung der Verkehrsinfrastruktur mit Grevenmacher und eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit in den Bereichen Tourismus, Wein, Kultur und Natur. Der Gemeinderat hat das Konzept positiv aufgenommen. Fragen nach Finanzierbarkeit der Pläne wurden nicht diskutiert, aber der Rat wurde gebeten, eine Liste der möglichen Förderprogramme auf allen Ebenen (EU, Bund, Land, Kreis, Verbandsgemeinde) aufzustellen.
Vorhandene Flächen nutzen


"Einzigartig ist, dass Wellen sich mit vorhandenen Nutzflächen weiterentwickeln kann und keine neuen Gebiete wie zum Beispiel in Nittel erschlossen werden müssen", erläuterte Stadtplaner Goedert.
Nach der Zukunftsvision kehrte dann die Gegenwart in den Gemeinderat zurück, als über die Anlage einer Bushaltestelle am Kindergarten entschieden werden sollte. Zur Diskussion standen zwei Varianten: eine Treppe vom Platz vor dem Kindergarten hinunter zur Weinbergstraße (54 000 Euro, davon Eigenanteil für Wellen 41 000 Euro) oder einen Bürgersteig vom Hof, über Im Bungert zur Weinbergstraße (75 500 Euro, Eigenanteil 48 000 Euro).
Einigen konnte sich der Rat nicht. Keine der Varianten fand eine Mehrheit. "Damit ist klar: es gibt vorerst keine Bushaltestelle", fasste Ortsbürgermeister Hans Dostert zusammen.Extra

Bergbau hat in Wellen eine lange Tradition und ist eng verwoben mit den Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerken (TKDZ). Das Unternehmen wurde 1881 gegründet. Seine Geschichte ist eng mit der des Obermoselorts verwoben. Viele der 900 Wellener arbeiteten früher bei den TKDZ. Im Jahre 1968 hatten die Werke 300 Angestellte. Im Zweiten Weltkrieg beherbergten die Kalkstollen eine Rüstungsfabrik. Nach dem Krieg verwaltete die französische Militärregierung den Betrieb. Seine Blütezeit erlebten die TKDZ unter Josef Schnuch, der 1951 das Ruder übernahm. Er schied 1981 als Geschäftsführer aus. Gleichzeitig wurde die Zementproduktion eingestellt. Die Belegschaft wurde danach weiter reduziert. Ab den 1990er Jahren gab es mehrere Besitzer: 1994 übernahmen die Rheinischen Kalksteinwerke GmbH, Wülfrath die TKDZ. 1999 kaufte der belgische Lhoist-Konzern das Unternehmen und nannte es Rheinkalk Wellen GmbH. Im Jahr 2002 kaufte Winfried Meseke das Unternehmen. Er taufte es wieder TKDZ GmbH und stellte einen Antrag, auch Abfälle in den Stollen unterbringen zu dürfen. In der Folge geriet das Unternehmen in die Kritik der Wellener Bürger. Die Pläne, Abfall in bestimmten Bereichen des Stollens zu lagern, verfolgt auch der österreichische Großkonzern Porr AG, der die TKDZ 2012 übernommen hat. Das Genehmigungsverfahren beim Landesamt für Geologie und Bergbau ist noch nicht abgeschlossen. cmk