Wellen um die Jahrhundertwende

KONZ/SAARBURG. (fcg) Wie sah es früher in den Städten Konz und Saarburg aus? Wie haben sich die Dörfer der Verbandsgemeinden im Laufe der Zeit entwickelt? Diesen und anderen Fragen der Historie geht der Trierische Volksfreund jeden Donnerstag in seiner Reihe "Stadt- und Dorfgeschichte(n)" nach.

Heute präsentieren wir ein historisches Foto des Dorfes Wellen, das um 1910 entstanden ist. Rudolf Molter aus Konz hat sich zu dem Bild, das aus seinem Privatarchiv stammt, Gedanken gemacht: Er beschreibt, was zu sehen ist. Der unbekannte Fotograf hatte seinen Apparat in den Weinbergen von Grevenmacher oberhalb der Gastwirtschaft Kelsen-Frisch aufgestellt. Der Bildausschnitt reicht vom damaligen "Trierer Kalk- und Dolomitwerk Itschert u. Co." am linken Bildrand bis zum Hof Josef Kiefer (erbaut 1859), der zu dieser Zeit den südlichen Abschluss des alten Dorfes Wellen mit seinerzeit etwa 400 Einwohnern bildete. Der Bauzustand des Kalkwerks, das in den 1910er-Jahren durch die Firma Itschert begonnen wurde, gibt einen Hinweis auf die Datierung, da die Weiterführung des Baus mit der Werkskolonie "Marienhof" durch die Firma Züblin in den Jahren 1920 bis 1923 noch nicht im Gange ist. Die Auswirkungen des intensiven, seit dem Bahnbau industriell betriebenen Kalksteinabbaus in der Wellener Flur sind unübersehbar. Tagebrüche und Stollenanlagen oberhalb des Werkes am Scharzberg, im Käulchen und am Weg zu den Hässeln (zum Wald und heutigem Neubaugebiet) und oberhalb des Dorfes im Bereich des früheren Sportplatzes haben tiefe Wunden in der Landschaft hinterlassen. Am Farsterweg nach Nittel (im Bild oben rechts) zeugen ältere Schürfe wie Schmittsches-Bruch von knochenharter Steinbrecherarbeit über viele Generationen hinweg. Durch das ganze Bild zieht sich der Einschnitt der 1878 eröffneten Obermosel-Eisenbahn. Der Durchstich des Tunnels zwischen Wellen und Nittel war Anfang des Jahres 1876 erfolgt. Im Bild besteht das "Neudörfchen" oberhalb der Bahn erst aus etwa acht Häusern, und es fehlt die 1927 oberhalb der Bahnüberführung erbaute neue Schule, das heutige Bürgerhaus. Besondere Akzente im Ortsbild setzt die 1893 im neugotischen Stil erbaute Filialkirche St. Kunibert. Rechts davon sind mit hochaufragendem Giebel die 1886 am Bahneinschnitt erbaute alte Schule zu erkennen sowie das als Ausgangspunkt für die Dorfbildung zu sehende Gehöft Fantes-Kiefer, kurz "der Hof" genannt. Aus der Dorflage herab zur Mosel führen unterhalb der Kirche die beiden Gassen "Gässel" und rechts davon die "Gruert", zwischen denen der alte Friedhof zu erkennen ist. Hier stand bis zum Neubau der vorgenannten Kirche die alte Wellener Kirche mit ihrem romanischen Turm. Im rechten Bildteil führt eine weitere Gasse von der Dorfstraße (heute Moselstraße) zu einem Anlegeplatz am Fluss, der ehemaligen Nachen-Fähre. Das ansonsten naturgeschaffene Moselufer zeigt einige Buhneneinbauten, so genannte Kribben, die im Verlauf der Flussregulierung Ende der 1850er-Jahre angelegt wurden. Im Bereich der Ortslage ist offensichtlich der Lein- und Treidelpfad noch teilweise erhalten. Das dritte Gebäude von rechts, ein lang gestrecktes, noch im 18. Jahrhundert erbautes typisches Trierer Einhaus (Kinn), mit dem hier die geschlossene Hauszeile beginnt, war bis zum Ende der Treidelschifffahrt um 1900 eine Halfenstation. * Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, einen für viele unverständlichen Namen eines Hauses, einer Straße oder eines Flurstücks erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen haben, dann schreiben Sie unter dem Stichwort "Stadtgeschichten" mit Ihrem Namen, Adresse und Telefonnummer für etwaige Rückfragen an die E-Mail-Adresse trier@volksfreund.de. Wichtig für eine rasche Veröffentlichung ist, dass ihre Geschichte knapp formuliert ist und etwa 60 Druckzeilen (à 30 Anschläge) umfasst. Falls Ihnen ein historisches Foto vorliegt, ist uns dieses (hinreichende Qualität vorausgesetzt) auch willkommen. Die Lokalredaktion freut sich auf Ihre persönliche(n) Geschichte(n).

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