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Wellener Bergwerk: Stollen bleibt einsturzgefährdet

Wellener Bergwerk: Stollen bleibt einsturzgefährdet

Der Streit um die Einlagerung von Abfall zum Abstützen des Bergwerks der Trierer Kalk-, Dolomit- und Zementwerke (TKDZ) in Wellen bricht nicht ab. Während viele Wellener weiter skeptisch sind, hat die Porr AG an der Oberfläche vorsorglich einen 3900 Quadratmeter großen Bereich wegen Einsturzgefahr eingezäunt.

Wellen. Die Gemeinde Wellen will genauso wenig wie viele ihrer Bürger, dass Abfall im Wellener Josefstollen eingelagert wird. Die österreichische Porr AG, die die TKDZ 2012 übernommen hat, will die Einlagerung von Stoffen nach der Bergversatzordnung (siehe Extra) hingegen nicht nur zum Geschäftsmodell machen, sondern so auch die Stollen sichern. Das Unternehmen hält das Material für harmlos. Es handele sich zum Beispiel um Bauschutt. Und die Porr AG sieht Handlungsbedarf: Erst vor wenigen Wochen hat es Obertage einen 3900 Quadratmeter großen Bereich eingezäunt.
Unter Tage schwächeln in diesem Bereich laut Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) die Pfeiler. Die Behörde hält einen weiteren Tagbruch für möglich. Das LGB werde wahrscheinlich ab Juli einen neuen Hauptbetriebsplan für das Werk genehmigen. In Sachen Abfalleinlagerung würden noch die von der TKDZ vorgelegten Gutachten geprüft, sagt Behördenleiter Harald Ehses.

Rechtsstreit: Der Streit um das Bergwerk zieht sich seit fast viereinhalb Jahren hin. Schon der umstrittene Vorbesitzer wollte Abfall einlagern, schlitterte dann knapp an der Insolvenz vorbei und verkaufte die Firma an die österreichische Porr-Gruppe. Anders als der Vorgänger setzt das Großunternehmen auf einen Dialog mit dem Bürgerverein Sauberes Wellen und der Gemeinde. Weitergekommen sind die Parteien in der Frage der Abfalleinlagerung zum Stützen der Stollen nicht.
Das zeigt die Klage der Gemeinde, mit der sie den Plan verhindern. Ein Urteil wollte das Landgericht am 26. Juni sprechen. Laut Mitteilung des Gerichts wird der Termin aber vertagt, weil die TKDZ eine neue Stellungnahme abgegeben hat.

Diskussion in Wellen: Der Trier-Saarburger Grünen-Kreisverband hat am vergangenen Freitag unter Federführung der Landratskandidatin Sabina Quijano eine Diskussion zum Bergrecht im Gasthaus Weber in Wellen organisiert. Es ging auch um die Situation an der Obermosel. Die Debatte machte deutlich, dass die Wellener einen standfesten Berg, unverschmutztes Grundwasser und ein sauberes Dorf haben wollen. Auch die wirtschaftlichen Interessen der TKDZ kamen zur Sprache.
"Ich habe Angst, dass alles einstürzt, wenn das Werk geschlossen werden sollte", sagt zum Beispiel der Onsdorfer Werner Faber. Er ist Landwirt und Eigentümer der Fläche, auf der 2011 der Stollen eingebrochen ist. "Besonders einsturzgefährdete Bereiche müssen verfüllt werden, aber natürlich müssen die Stoffe umweltgerecht sein." Faber will als Betroffener nicht dem Unternehmen die Schuld geben. Da seien auch Ingenieurbüros und das LBG verantwortlich. Vertreter des Bürgervereins Sauberes Wellen weisen darauf hin, dass es nicht nur darauf ankomme, was in den Berg komme, sondern auch, wie es in den Berg komme. Es sei sinnlos, vor dem Gerichtsurteil ein Gespräch zu führen, meint Vereinsmitglied Rolf Franke. Andreas Hartenfels, Landtagsabgeordneter der Grünen, versucht zu vermitteln: "Weil das unter Tage stattfindet, ist das Grundmisstrauen groß. Eine Konfrontation ist nicht sinnvoll."

Situation der TKDZ: Der neue TKDZ-Geschäftsführer Wolfgang Hirzi, der die Position Anfang Juni übernommen hat, beschreibt die wirtschaftliche Situation der TKDZ als "äußerst angespannt". Die 32 Mitarbeiter des Unternehmens sind seit Februar in Kurzarbeit tätig. Er beklagt mangelhafte Gesprächsbereitschaft bei Gemeinde und Bürgern: "Ich bemühe mich um Gesprächspartner, aber niemand kommt." Im sogenannten Bergversatz sieht er ein Mittel zur Verwertung von Abfall. Der positive Nebeneffekt: Die Einsturzgefahr werde verringert. Immerhin sei unter Wellen ein riesiges Loch, aus dem in den vergangenen 140 Jahren sieben Millionen Kubikmeter Gestein abgebaut worden sind. Aus Sicht der Porr AG ist das Abstützen der Stollen bitter nötig. Allerdings sei zu wenig stolleneigenes Material da.
Erst vor wenigen Wochen hat die TKDZ eine 65 mal 60 Meter große Stelle oberhalb des Stollens wegen Einsturzgefährdung abgesperrt - etwa 150 Meter entfernt von Fabers Grundstück, auf dem 2011 das 35 Meter tiefe Loch aufklaffte.Extra

Geologie-Professor Jean-Frank Weber von der Universität Trier hat mit dem TV über die Grenzwerte in der Versatzverordnung gesprochen. Er sieht im sogenannten Bergversatz - dem Einlagern von Abfall in Stollen zum Abstützen eines Berges - keine Gefahr, solange sich die Unternehmen an Verordnungen halten. "Die Grenzwerte liegen deutlich unter denen, die für eine Hausmülldeponie gelten", sagt Wagner. Er vergleicht das Material mit Bauschutt. Im Wesentlichen enthalte es Salze. Das Einlagern von Gießereischlacken beurteilt er skeptischer, weil diese einen erheblichen Schwermetallgehalt haben können. Wichtig seien hydrogeologische Gutachten zum Wasservorkommen im Berg, die die Auswirkung auf Grundwasserentnahmestellen berücksichtigen. Sein Fazit: "Meines Wissens sind die Grenzwerte in Ordnung. Solange das vernünftig überwacht wird, entsteht keine Gefahr für die Bevölkerung." cmk