| 15:41 Uhr

Verkehr
Vorfälle im Bus – Fahrer zu rabiat oder Kinder zu wild?

 Kinder sitzen im Symbolbild ordnungsgemäß im Bus.
Kinder sitzen im Symbolbild ordnungsgemäß im Bus. FOTO: ZB / Peter Gercke
Wellen/Nittel. Eltern kritisieren den Mitarbeiter eines Busunternehmens: Er soll Grundschüler am Ranzen herumgezerrt und einige Wochen später fotografiert haben. Die Firma dementiert den ersten Vorfall, ein Bild sei jedoch gemacht worden – wegen der Zustände im Fahrzeug. Von Christian Kremer
Christian Kremer

Redakteur/Reporter

Mehrere Eltern von Grundschülern stehen an der Bushaltestelle in der Josef-Schnuch-Straße in Wellen. Sie wollen sich dort über Probleme mit dem Busunternehmen unterhalten, das ihre Kinder zur Grundschule nach Nittel bringt. In den vergangenen Monaten gab es laut den Eltern gleich zwei Vorfälle, die sie wütend machen. Die Busfirma, die zuletzt in die Schlagzeilen geraten ist, weil gegen einen ihrer Fahrer wegen Trunkenheit am Steuer ermittelt wird (der TV berichtete/siehe Info), schildert ihre eigene Version.

Eltern beschreiben Vorfälle Der erste Fall hat sich laut den Eltern im Dezember ereignet. Ein Busfahrer habe mehrere Grundschüler aus Wellen morgens an Armen und Rucksäcken von hinten nach vorne durch den Bus gezerrt. Vater Jürgen Beck sagt, der Fahrer habe die Schüler „wie Kartoffelsäcke in die Sitze geschmissen“. Der Mann habe auf eine Vorschrift verwiesen, die es Kindern verbiete, in der letzten Reihe des Busses zu sitzen. Eine solche Vorschrift gibt es nicht. Laut TV-Recherchen dürfen die Fahrgäste im Bus alle zur Verfügung stehenden Sitzplätze benutzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Schüler oder Erwachsene handelt. Als Beck den Vorfall beschreibt, nicken die anderen Eltern. Ab und zu ergänzen sie Details. Sie selbst möchten aber nicht namentlich in der Öffentlichkeit auftreten aus Angst vor Konsequenzen für ihre Kinder. Einige seien dazu übergegangen, ihre Kinder mit dem Auto zur Schule zu bringen, sagen die Eltern. Der Busfahrer sei zu rabiat. Derselbe Fahrer ist laut den Eltern auch für den zweiten Vorfall verantwortlich. Anfang Februar soll er die Kinder mit dem Handy fotografiert haben. Der Mann habe während der Fahrt auf der B 419 zwischen Wellen und Nittel ein Foto von Kindern gemacht, die auf ihren Sitzen herumgetobt seien.

Unternehmen verneint Vorfall Für die Busfirma „Saargau Linie on Tour“ äußert sich Unternehmenssprecher Patrick von Krienke zu den Vorfällen. Er bestätigt, dass der Busfahrer ein Bild von den Kindern im Bus gemacht habe. Allerdings habe er die Kinder nicht während der Fahrt fotografiert. Das Fahrzeug habe gestanden. „Die Verkehrssicherheit des Busses war zu keiner Zeit gefährdet!“ Die Kinder hätten getobt und Gegenstände durch den Bus geworfen. Der Fahrer habe das dokumentieren wollen und habe keine andere Lösung gesehen. Von Krienke sagt aber: „Es ist nicht unsere Firmenpolitik, Aufnahmen von den Fahrgästen zu machen.“ Der Fahrer sei deshalb belehrt und ermahnt worden. Den anderen Vorfall dementiert von Krienke: „Kinder wurden zu keinem Zeitpunkt körperlich angegangen.“ Aber: „Der Fahrer musste schon laut werden.“

Den Hintergrund erklärt die Geschäftsführerin des Unternehmens, Claudia Schulligen-Maslo, in einer schriftlichen Mitteilung an den TV. Darin ist von vereinzelten Eltern-Beschwerden die Rede. Die Lage sei mehrfach mit den Fahrern besprochen worden. Und: „Immer wieder kommt es zu Problemen im Schülerverkehr, weil sich Jungen und Mädchen nicht an die Anweisungen des Fahrpersonals halten, während der Fahrt aufstehen und durch den Bus toben. Damit gefährden sie sich selbst und andere Fahrgäste.“ Dann müsse das Personal einschreiten, weil die Sicherheit an oberster Stelle stehe.

Die Firma suche den Dialog mit den Eltern und der Schule, sagt die Geschäftsführerin weiter. Die Eltern seien eingeladen, mitzufahren und sich ein Bild von der Lage im Bus zu machen. „Auch die Einbindung eines Fahrzeugs in den Unterricht – eine sogenannte Busschule – ist durchaus denkbar.“

Das sagen die Behörden
Der Vorfall mit dem Foto ist auch der Schule, der für Beschwerden wegen der Schülerbeförderung zuständigen Kreisverwaltung sowie dem Schulelternbeirat (SEB) bekannt. Während weder Schulleitung noch SEB laut eigenen Angaben etwas von dem anderen Vorfall wissen, wurde dieser der Kreisverwaltung gemeldet, sagt Pressesprecherin Martina Bosch. Allerdings sei das im Dezember nur telefonisch geschehen. Den Beschwerdeführer habe die Verwaltung darauf hingewiesen, dass er den Vorfall schriftlich per Formular auf der Internetseite der Verwaltung (www.trier-saarburg.de) melden solle. Das sei aber bis heute nicht geschehen. Trotzdem habe die Verwaltung das Busunternehmen auf beide Fälle angesprochen. Die Firma müsse sich jedoch selbst um den Vorfall kümmern. Der Kreis habe keine Handhabe, weil der Bus im normalen Linienbetrieb fahre und nicht ausschließlich für Schülerbeförderung gedacht sei.


Reaktion des Elternbeirats Lotta Oittinen, Vorsitzende des Schulelternbeirats (SEB), betont: „Wenn tatsächlich ein Kind angefasst worden ist, ist das ein absolutes No-Go.“ Auch Fotos von Kindern zu machen, sei ein Unding. Probleme mit den Bussen sollten sofort beim SEB, in der Schule sowie beim Kreis gemeldet werden, sagt sie. Am besten schriftlich. Das habe der SEB schon immer empfohlen und so auch kommuniziert. Dass es im Bus manchmal wild zugehe, könne sie nachvollziehen, sagt Oittinen. Da seien auch die Eltern und die Schule gefordert die Kinder, auf die bestehenden Busregeln hinzuweisen. Eine Lösung könnten Busbegleiter sein. Das sei vermutlich nur auf ehrenamtlicher Basis umzusetzen.