Wenn andere streiten, ist sie zur Stelle

Wenn andere streiten, ist sie zur Stelle

Bevor Streithähne vor Gericht ziehen, versucht Gisela Feld zu schlichten. Und das schon seit 22 Jahren. Sie ist Schiedsfrau in Wasserliesch. Für ihr Engagement ist sie mit der Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet worden.

Wasserliesch. Nein, einen so skurrilen Fall wie den bundesweit besungenen Streit um den Maschendrahtzaun habe sie noch nie gehabt. Geschlichtet hat sie aber schon oft - seit 22 Jahren in Wasserliesch. Dort ist Gisela Feld Schiedsfrau mit Erfahrung. "Manchmal sind es eigentlich einfache und obendrein nicht einmal echte Ärgernisse, die die Menschen bedrücken", sagt sie. Mal sei es eine in luftiger Höhe angebrachte Antenne, deren bloßer Anblick die Zornesadern des Nachbarn anschwellen lässt, oder mit Regenwasser gefüllte Schlaglöcher in einer Durchfahrt zwischen zwei Häusern, über die sich die Nachbarn streiten. Menschen ganz nah

Gisela Feld ist seit 22 Jahren als Schiedsfrau im Einsatz.TV-Foto: Klaus D. Jaspers.

Gisela Feld, die bald ihren 65. Geburtstag feiert, hat mit ihrer Lebens- und Berufserfahrung vielen Streitenden geholfen, einen Lösungsweg zu finden, bevor sie vor Gericht ziehen. "Problematischer wird es im rein familiären Bereich." Einzelheiten verrät sie nicht, die Privatsphäre müsse geschützt bleiben. Aber: "Streitigkeiten nach Todesfällen zu schlichten, ist eine belastende Aufgabe", sagt Feld.Das Engagement der Diplom-Sozialpädagogin für die Gesellschaft ist teils beruflich bedingt, vor allem aber entspricht es ihrem Naturell: In ihrer Jugend leitete sie ehrenamtlich Jugendgruppen, von 1984 bis 1994 wirkte sie im Elternbeirat des Kindergartens Wasserliesch und im Schulelternbeirat in Konz mit. Seit 2008 engagiert sich Gisela Feld ehrenamtlich beim Aufbau und Betrieb des Psychosozialen Krisendienstes der Stadt Trier und des Landkreises Trier-Saarburg. Von 1992 bis 2004 wirkte sie im Arbeitskreis Suchtprävention mit, und im Rahmen ihrer Tätigkeit beim Gesundheitsamt Saarburg arbeitet sie beim Psychiatrieverein Trier. Die Frage, woher sie die Kraft für so viel Engagement nimmt, beantwortet die zweifache Mutter und Großmutter nur mit einem Lächeln. Zeit habe sie trotzdem immer genügend fürs Privatleben gehabt. "Da sind auch die Hobbys Wandern und Skifahren nicht zu kurz gekommen. Mein schönstes Hobby aber sind die Stunden mit meinen beiden Enkeln."An der Haustür weist sie auf ihr Dienstschild. "Schiedsamt" steht da. "Schiedsmann oder Schiedsfrau wäre viel schöner. Ab und zu stellen Bürger meinem Mann oder mir die Frage, ob bei uns auch Ehen geschieden werden." Aber das ist nicht ihre Aufgabe.Die Schiedsfrau oder der Schiedsmann versucht im Gespräch mit den streitenden Parteien den Sachverhalt zu klären und eine Einigung herbeizuführen. Das Ergebnis ist 30 Jahre lang gerichtlich einklagbar. Schiedsleute werden tätig, bevor Klage bei Gericht erhoben wird. Solche Fälle sind unter anderem Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Bedrohung und Verletzung des Briefgeheimnisses. In vielen Bundesländern muss dieser Schlichtungsversuch vor dem Schiedsamt bei Streitigkeiten, die das Nachbarschaftsrecht betreffen, und bei zivilrechtlichen Folgen von Ehrverletzungen unternommen werden. In Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern werden die Schiedsleute Friedensrichter genannt. In Rheinland-Pfalz ist diese Instanz seit 2008 gesetzlich vorgeschrieben, um die Justiz zu entlasten. kdj

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