Wenn aus Gästen Freunde werden

Sie kommen aus aller Welt zu den Konzer Sommerkursen und bleiben bis zu zwei Wochen in der Stadt an Saar und Mosel. Für die privaten Gastgeber ist die Begegnung jedes Mal ein Erlebnis. Und zuweilen entwickeln sich daraus echte Freundschaften.

Konz. "Zufall" sei es zunächst gewesen. Als Paul Trein Gastgeber für die auswärtigen Musiker seiner Konzer Sommerkurse suchte, haben sich auch Gisela und Wolfgang Hertel gemeldet. Sie gehören zu den zwölf Familien, die in diesem Jahr 15 der 20 Teilnehmer als Gäste aufnehmen. Die kommen aus aller Herren Länder - Argentinien, Italien, Brasilien, Taiwan, Spanien, Kolumbien, aus dem Baltikum und natürlich aus Deutschland.
Geiger Jon Hess aus Dänemark mit Studium in Deutschland ist einer der Gäste bei Familie Hertel in Konz-Roscheid. Der junge Geiger, Jahrgang 1990, sei ihnen "zugewiesen" worden, sagt Gisela Hertel. Dass sich daraus eine Freundschaft entwickelte und Hess nun schon zum dritten Mal bei den Hertels wohnt, hätte wohl keiner geahnt.
Spätestens seit die Kinder aus dem Haus sind, ist die Aufnahme von Gästen bei den Hertels eine lieb gewordene Gewohnheit. Als der Trierer Bachchor vor zehn Jahren für auswärtige Instrumentalisten Gastfamilien suchte, waren sie erstmals dabei. Musizierende Gäste - das war danach für sie auch eine Inspirationsquelle. Und noch etwas kommt dazu: "Wenn junge Leute hier sind, fühlt man sich selber jünger."
Warum kommen junge Musiker aus fast der ganzen Welt nach Konz? "Das Niveau ist schon sehr gut" sagt Jon Hess. Und hat für dieses Selbstbewusstsein einigen Grund. Wer in die Konzer Sommerakademie geht und dann in den Sommerkonzerten auftritt, hat in aller Regel ein Studium hinter sich und steht vor dem Einstieg in den nicht immer einfachen Musikerberuf. Hess, gerade mal 25 Jahre alt und Schüler renommierter Lehrer wie Joshua Epstein in Saarbrücken und Herwig Zack in Würzburg, hat als Solist und mit Kammermusik erste, professionelle Erfahrungen gemacht. Die vertieft er in der Konzer Sommerakademie.
Zu Leiter Paul Trein hat er kein traditionelles Lehrer-Schüler-Verhältnis. Es ist eher ein Miteinander auf Augenhöhe, eine gemeinsame, mal theoretische und mal praktische Auseinandersetzung mit der klassisch-romantischen Kammermusik. Die Kurse geben Freiraum zum Ausprobieren, zum besonnenen Experiment. Dabei ist die internationale Besetzung eine besondere Herausforderung. Sehr unterschiedliche Interpretations-Traditionen sind auf einen Nenner zu bringen. Dass so etwas immer wieder gelingt, ist für Jon Hess ein positives, ein motivierendes Erlebnis.
Und dann nimmt er seine Geige und spielt Bach - nicht akademisch trocken, sondern warm und ausschwingend. Das Instrument singt. Und man meint, die Welt draußen würde versinken. Wie schön, für einige Zeit solche Musik im Haus zu haben! mö
Abschluss der Sommerkonzerte am Sonntag, 13. September, 11 Uhr, Kloster Karthaus. Werke von Bach, Mozart und Liszt