Wenn Bomben fielen, wackelte alles: Zu Besuch im Konzer Westwallbunker

Wenn Bomben fielen, wackelte alles: Zu Besuch im Konzer Westwallbunker

Hans Berweiler (67) und sein Sohn Sascha (42) bauen den Konzer Westwallbunker, ein Relikt des Zweiten Weltkrieges im Hinterhof der Granastraße 25, immer authentischer aus. Kurz vor der Winterpause ist der Maschinengewehr-Stand saniert worden. Besucher können in dem engen Schutzraum die Atmosphäre im Ernstfall wirklichkeitsnah nachempfinden.

Mit aller Kraft tritt Sascha Berweiler mit dem Fuß gegen den Notausstieg. Ein lautes Wumm ist zu hören. "So hat sich das angehört, wenn draußen eine Bombe hochging. Der ganze Bunker hat dann vibriert", erklärt er bei Führungen. Der 42-Jährige hat das Innenleben des Westwallbunkers im Hinterhof der Konzer Granastraße 25 zusammen mit seinem 67-jährigen Vater Hans Berweiler authentisch wiederhergestellt. Wie es klingt, wenn Bomben einschlugen, weiß er von Zeitzeugen, die in dem Bunker gegen Ende des Krieges als Kinder und Jugendliche Schutz vor dem Bombenhagel der Alliierten gesucht haben.Spitzname: Villa Gartenlaube

Seit dem 8. Mai 2015 ist der Bunker, der den Spitznamen "Villa Gartenlaube" trägt, als Museum zu besichtigen. Doch die Arbeit daran geht weiter. "Wir haben den Geschützturm für das Maschinengewehr MG 34 wiederhergestellt", sagt Berweiler junior voller Stolz. Richtung Westen wurde geschossen. Am Kriegsverlauf hat das nichts geändert.

Genau 1815 Besucher hat Familie Berweiler in ihrem Bunkermuseum seit der Eröffnung bereits begrüßt. Für 500 Euro war der Bunker der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, kurz Bima, gekauft worden. "Inzwischen haben wir 23 000 Euro reingesteckt", verrät Berweiler senior. Allein der Wiederaufbau des Kampfraumes hat 10 000 Euro gekostet. Dort fehlen immer noch ein Originaltisch und eine Lafette, also ein meist fahrbares Gestell, auf dem eine Waffe montiert werden kann. "Wir sind immer auf der Suche nach Originalteilen", sagt Sohn Sascha. Das MG 34 zeigt in Richtung Eisenbahnbrücke und Saarmündung. Von dort wurde der Feind erwartet, und hier ist die Bunkermauer mit 1,50 Metern am dicksten.

2000 Arbeitsstunden, auch mit vielen Freunden und Helfern, stecken inzwischen in dem Stück dunkler deutscher Geschichte. "Am meisten Arbeit war es, zwei Rollen Stacheldraht hier rauszuholen", erinnert sich der junge Museumsbetreiber. Andere Funde sind: ein Fahrrad ohne Räder, 25 Handgranaten und 200 Schuss Munition. Zweimal musste der Kampfmittelräumdienst anrücken, um alles unschädlich zu machen.

Gewehre lassen die Berweilers nicht im Bunker zurück, sondern bewahren sie in einem Panzerschrank zu Hause auf. Schießen ist mit keinem der Ausstellungsstücke möglich. "Dennoch musste ich einen Waffenschein erwerben und die Waffen bei der Polizei anmelden", sagt Berweiler junior.

Der sogenannte Heereseinheitsschutzlüfter des Bunkers musste per Kurbel immer betätigt werden, sonst wären die Leute erstickt. "Der Bunker ist total gasdicht", sagt Sascha. Bis zu 25 Leute suchten gegen Kriegsende hier bis zu drei Tage lang Schutz. Das Gefühl der Enge wird mit dem diffusen Licht einer Karbidlampe noch beängstigender. Ein Bunkerwart, meist ein Veteran aus dem Ersten Weltkrieg, unterdrückte aufkommende Panik, wenn nötig mit Gewalt.
Bis zu zehn Besucher können an Führungen teilnehmen. In rund einer Stunde erfahren und erleben sie, wie sich Krieg anfühlen könnte - mit allem Zubehör, das zum Überleben wichtig ist.

Die Berweilers bieten auf Anfrage auch im Winter Führungen an, Telefon 0178/ 8817014. Das Bunkermuseum öffnet wieder am 28. Februar 2016. Weitere Infos im Internet unter www.westwallmuseum-konz.de . Extra

Der Westwall entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches war ein militärisches Verteidigungssystem mit mehr als 18 000 Bunkern, Stollen, zahllosen Gräben und Panzersperren, das über rund 630 Kilometer verteilt war. Er verlief von Kleve an der niederländischen Grenze Richtung Süden bis nach Grenzach-Wyhlen an der Schweizer Grenze. Hitler ließ den Westwall zwischen 1938 und 1940 errichten. Der Bau verschlang knapp 3,5 Milliarden Reichsmark, was eine deutliche Inflation zur Folge hatte. doth/ Quelle: wikipedia

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