Wenn die Flut kommt

Nach heftigen Regenfällen in Süd- und Ostdeutschland kämpfen viele Menschen gegen die Wassermassen in ihren Städten. Um sich auf solche Naturkatastrophen besser vorzubereiten, haben Gemeinden entlang der Saar die Hochwasserpartnerschaft Untere Saar gegründet. Vor allem Hausbewohner sollen aufgeklärt werden, wie sie sich schützen können.

Merzig/Saarburg/Konz. Zufall oder Vorsehung? Menschen stehen knietief im Schlamm. Feuerwehrleute und andere freiwillige Helfer schleppen Sandsäcke. Hausbesitzer verzweifeln daran, vollgelaufene Keller leerzupumpen. Ausgerechnet während die Menschen in Süd- und Ostdeutschland gegen die Fluten des verheerenden Hochwassers kämpfen, gründen die Gemeinden entlang der Saar die Hochwasserpartnerschaft Untere Saar. Damit wollen sie sich für künftige Katastrophen wappnen.Gestern haben 15 Gemeinden aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland in Merzig die Gründungsurkunde unterzeichnet. Für die Verbandsgemeinde (VG) Saarburg unterschrieb in Vertretung des Verbandsbürgermeisters Jürgen Dixius, für die VG Konz Karl-Heinz Frieden.Christof Kinsinger, Berater für Hochwasserpartnerschaften, macht klar: "Nach Katastrophen hört man immer von Klimawandel und Deichbau. Aber selten von Hochwassermanagement." Die Menschen hätten rücksichtslos in Überschwemmungsgebieten gesiedelt. Der technische Schutz stoße an seine Grenzen. Technischer Schutz sind etwa höhere Deiche und Mauern entlang der Flüsse. Die Menschen müssten lernen, mit den Folgen eines Hochwassers zu leben. Saarburg hatte in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach unter Wasser gestanden, zuletzt 1993. Dann wurde eine Mauer am Saarufer gebaut. Laut Kinsinger ist das aber kein Schutz auf ewig. "Wir müssen mit Extremsituationen rechnen."Die Partnerschaft wird deswegen etwa Infoveranstaltungen für Bürger anbieten. Sie vermitteln, wie sich die Bewohner gefährdeter Häuser schützen können. Liegt mein Haus in einem Risikogebiet? Was kann ich im Keller lagern? Wie soll ich meine Heiztechnik installieren? Wie werde ich über nahende Flutwellen informiert und wie können bettlägerige Menschen in Sicherheit gebracht werden? Das sind einige der Fragen, die mit den Bürgern geklärt werden sollen.Die Internationalen Kommissionen zum Schutze von Mosel und Saar (IKSMS, siehe Extra) in Trier verbreitet Broschüren zum Thema sicheres Bauen in Hochwassergebieten. Sie legt die Schwachstellen eines Hauses offen und gibt Tipps. So kann es etwa sinnvoll sein, einen Keller mit sauberem Wasser zu fluten, bevor schmutzige Brühe von außen eindringt.Ob eine Wohnung in einem Risikogebiet liegt, sollen Karten zeigen. Das Umweltministerium veröffentlicht unter www.hochwassermanagement.rlp.de Grafiken, die unterschiedliche Hochwasserstände simulieren. Alfred Weinandy von der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Trier befürchtet, dass vielen Menschen das Risiko noch nicht bewusst ist. "Man spricht bei großen Überschwemmungen von einem hundertjährigen Hochwasser. Dahinter verbirgt sich eine statistische Wahrscheinlichkeit. Es kann aber innerhalb weniger Jahre mehrfach starke Hochwasser geben. Sicher ist man nie."hochwassermanagement.rlp.deflow-ms.euExtra

Die Internationalen Kommissionen zum Schutze von Mosel und Saar (IKSMS) in Trier koordinieren die Hochwasserpartnerschaft. Sie wird - wie weitere elf Partnerschaften im Einzugsgebiet von Saar und Mosel - über das Interreg-Programm der EU gefördert. Die EU zahlt die Hälfte der nötigen 3,4 Millionen Euro. Den Rest teilen sich Rheinland-Pfalz, das Saarland, Luxemburg und das französische Lothringen. Rheinland Pfalz übernimmt 1,3 Millionen Euro. thie