Wenn gestandene Musiker aus aller Welt nach Konz wollen

Wenn gestandene Musiker aus aller Welt nach Konz wollen

Die Halbzeitbilanz der Konzer Sommerkonzerte fällt rundum positiv aus. In der zweiten Matinee, die am vergangenen Sonntag im Kloster Karthaus war, beeindruckten insgesamt sechs Interpreten durch enorme Kompetenz. Mittlerweile kommen Musiker bereits in der zweiten Generation zur Konzer Sommerakademie.

Konz. Die Wogen der Begeisterung schlugen hoch im Festsaal Konz-Karthaus. Gerade hatte die Interpretin mit dem österreichischen Namen Kerstin Radl und einer deutsch-spanischen Herkunft mit einem Werk aus Franz Liszts "Années de Pèlerinage" (Wanderjahre) ein virtuoses Glanzstück auf das Podium gestellt. Aber auch die Interpretationen von Scarlatti (Luiz Gustavo Gouveia), Haydn (Michelle Stephenson), Brahms (Gabriel Asens) und abschließend Beethovens berühmter Kreutzersonate für Violine (Jon Hess) und Klavier (Orlando Millaá) spielten sich auf einem hohen Niveau ab. Einmal mehr wurde in der Sonntagsmatinee vor 80 Besuchern deutlich: Bei den Teilnehmern der Sommerakademie, die bei den Sommerkonzerten auftreten, handelt er sich nicht um Anfänger, sondern um Instrumentalisten von hoher musikalischer Reife.
Seit 1994 zieht die Konzer Sommerakademie junge, fertig ausgebildete Künstler aus der ganzen Welt an. Dieses Jahr sind 14 Pianistinnen und Pianisten, dazu zwei Cellisten und zwei Geiger, die bei Akademieleiter Paul Trein Impulse für ihre künstlerische Weiterentwicklung suchen und finden. Warum legen die jungen Musiker, die fast alle aus Übersee kommen, den weiten Weg ins kleine Konz zurück? "Wir haben gute Lehrer bei uns", sagt Pianist Luiz Gustavo Gouveia aus Brasilien. "Aber ich möchte von der deutschen Musikkultur profitieren. Außerdem habe ich hier die Chance, an mehreren Orten aufzutreten, ohne gleich ein komplettes Abendprogramm zu spielen. Und ich kann gemeinsam mit anderen Musikern neue Interpretationsideen entwickeln." Für Luiz war es auch schön zu wissen, dass Akademieleiter Paul Trein in seinem Heimatland Brasilien geboren wurde. Ein argentinischer Freund, der in Würzburg lebt, hat ihn auf die Konzer Sommerakademie aufmerksam gemacht. Dieses Jahr ist er zum zweiten Mal dabei. Und möchte im nächsten Jahr selbstverständlich wiederkommen.
Bei Michelle Stephenson aus Canton im US-Staat Georgia war es der eigene Lehrer You Ja Lee, der ihr die Sommerakademie empfahl. Lee war selber in den 1990er Jahren in Konz dabei. Das ist kein Einzelfall. "Wir gehen schon in die zweite Generation", sagt Jutta Weyand, die mit Freundinnen und Freunden das Akademie-Projekt organisiert. Will heißen: Immer häufiger schicken ehemalige Teilnehmer ihre Schüler nach Konz zur Weiterbildung. Auch Michelle Stephenson ist über ihren Lehrer nach Konz gekommen. "Ich möchte hier Aufführungs-Routine gewinnen", sagt sie. Auch sie möchte die deutsche Musikkultur erleben. Und nicht zuletzt reizt sie der Kontakt zu den anderen Musikern, die zum Teil ganz andere Traditionen mitbringen. "Es herrscht ein wunderbares Miteinander", beschreibt Akademieleiter Paul Trein die Stimmung. Keine Konkurrenz-Stimmung wie bei Probespielen und Wettbewerben gebe es, sondern eine echte Harmonie unter Menschen, bei denen die Musik im Mittelpunkt steht. Und als Carlota de Miguel aus Spanien im Eröffnungskonzert patzte und erst einmal aufgab, wurde sie von den Mitstreitern und der eigens für die Akademie engagierten Musikpsychologin Charlotte Tomlinson aufgerichtet. Jetzt ist sie wieder dabei. mö
Extra

Mittwoch, 7. September, 20 Uhr Karthaus: Klaviermusik von Bach, Mozart, Chopin und Beethoven. Freitag, 9. September, 20 Uhr, Centre culturell Paul Barblé Strassen/Luxemburg. Sonntag, 11. September, 11 Uhr, Karthaus: Orchesterkonzert von Mitgliedern der Trierer Philharmoniker.