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Wenn Hören und Sehen allmählich vergehen: VG Hermeskeil plant Infotag zu Herausforderungen des Alterns

Wenn Hören und Sehen allmählich vergehen: VG Hermeskeil plant Infotag zu Herausforderungen des Alterns

Für ihre älteren Bewohner hat sich die Verbandsgemeinde Hermeskeil etwas Besonderes ausgedacht: Statt eines klassischen Seniorennachmittags mit Musik, Kaffee und Kuchen organisiert sie für den 21. Mai im Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus einen Thementag zum Hören und Sehen im Alter.

Hermeskeil. Die Buchstaben der Zeitung verschwimmen beim Lesen. Den Bekannten, der von der anderen Straßenseite grüßt, erkennt man kaum noch. Auch den Radfahrer, der sein Herannahen durch ein Klingeln ankündigt, nimmt man nicht wahr. Solche Seh- und Hörschwächen schleichen sich ein, wenn man älter wird. Damit umzugehen, fällt nicht leicht.

Diesen Herausforderungen des Alters widmet sich jetzt die Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil. Sie lädt ihre älteren Bewohner am Samstag, 21. Mai, zum Thementag ins Hermeskeiler Mehrgenerationenhaus (MGH) Johanneshaus ein. Das Motto: "Es wird Dir Sehen und Hören vergehen!"

"Wir wollen zeigen, wie man gesund älter wird", sagt Annette Münster-Weber, Oberin des St. Josef-Krankenhauses und ehrenamtliche VG-Seniorenbeauftragte. Sie hat das Programm gemeinsam mit Kerstin Bettendorf vom Kooperationspartner MGH erarbeitet. Das Konzept kombiniere Information und "Bewusstseinsbildung", sagt Münster-Weber. Denn es gehe auch darum, sich mit den Schwächen auseinanderzusetzen und "auch mal herzlich darüber zu lachen".

Angeboten werden von 10 bis 15 Uhr Fachvorträge sowie eine Ausstellung von Hermeskeiler Betrieben. Besucher können Hörtests machen, Sehhilfen testen und andere Mitmach-Angebote nutzen. Ergänzend gebe es einen "humoristischen" Beitrag, der sich dem Thema auf unkonventionelle Weise nähere, kündigt Bettendorf an.
Er sei "optimistisch", dass das Angebot angenommen werde, sagt Bürgermeister Michael Hülpes. Das traditionelle Programm der VG-Seniorentage, bei denen die Menschen mit Bussen zum geselligen Nachmittag gebracht würden, verzeichne einen "radikalen Besucherschwund". Mit dem neuen Konzept gebe es nun ein thematisches Angebot", das Senioren besser erreichen könne.

Stadtbürgermeister Mathias Queck kündigt an, dass die Stadt einen Seniorennachmittag im Johanneshaus plane. "Da stehen dann Spaß, Musik und Heiterkeit im Vordergrund", sagt Queck. Er finde es gut, dass die VG sich mit der Stadt abgestimmt habe und einen anderen Ansatz wähle. Der Stadtchef lobt auch die Einrichtung der ehrenamtlichen Stelle der Seniorenbeauftragten: "Wir tun viel für die Kinder in Kitas und Schulen, aber die Älteren dürfen wir nicht vergessen." Dechant Clemens Grünebach ist Schirmherr der Veranstaltung. Er stellt fest, dass der "klassische Seniorentag" ausgedient habe. "Die Leute wollen nicht bespaßt werden. Sie sind es gewohnt, ihr Leben aktiv selbst zu gestalten."

Zielgruppe des Thementags sind zwar die Älteren, aber auch die Jugend wird einbezogen. Schüler der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil werden ihre Werke zum Hören und Sehen aus dem Kunstunterricht zeigen. Für Annette Münster-Weber ist es wichtig, dass auch die Generationen "miteinander ins Gespräch kommen". Die "Tradition des Erzählens" sei verloren gegangen, sagt sie. Ein weiteres Anliegen sei, "dass die Älteren wieder Mut fassen, um Hilfe zu bitten". Viele empfänden sich als Belastung für ihre Kinder, "weil die ja so wenig Zeit haben". Die Gesellschaft sei sehr schnell damit, Menschen auszugrenzen, die eine Schwäche zeigten. "Und das kann es nicht sein."
Eingeladen sind deshalb auch Bewohner des Altenzentrums St. Klara. Von dort soll ein sogenannter Snoozlewagen eingesetzt werden, der über Geräusche und andere Sinneseindrücke "stark eingeschränkten Patienten ein Wohlgefühl vermittelt". Pflegeschülerinnen bieten Handmassagen an.

Der Termin am Samstag sei vielleicht schwierig, gibt Münster-Weber zu. Anderseits sei das Programm "insgesamt nicht zu lang", auch die Vorträge dauerten maximal 15 Minuten. "Jeder kann sich etwas auswählen." Das Programm sei im Übrigen "schon für die nächsten sieben Jahre gesetzt". Die Themenideen reichten von Demenz und Mobilität im Alter bis zum Umgang mit der eigenen Biografie.

Die VG Hermeskeil bietet an, Fahrdienste zu organisieren, falls dafür ein Bedarf besteht. Die Anfragen koordiniert Kerstin Bettendorf, Telefon 06503/9817527, E-Mail K.Bettendorf@mgh-johanneshaus.deExtra

Programm: Unter dem Motto "Es wird Dir Sehen und Hören vergehen!" beginnt der Thementag für Senioren um 10 Uhr im Mehrgenerationenhaus Hermeskeil. Das Programm dauert bis 15 Uhr. Angeboten werden Vorträge eines Augenarztes zum "Sehen im Alter" und Vorträge von Hörgeräte-Herstellern. Pflegeschülerinnen der Marienhaus GmbH bieten Handmassagen an, das Hermeskeiler Altenzentrum St. Klara stellt einen Wagen zur Sinnesstimulierung vor. Besucher können einen Hörtest machen und Sehhilfen ausprobieren. Es gibt einen humoristischen Vortrag von Gabriele Backendorf mit dem Titel "Wir sehen nicht, wir hören nicht, und der Herde gehen wir auch nicht nach". Schüler der IGS Hermeskeil zeigen Arbeiten zum Thema "Sehen und Hören". Mittags wird eine Suppe angeboten. Der Tag endet mit einer Fachausstellung von Betrieben aus dem Bereich "Sehen und Hören". Für die Verpflegung der Teilnehmer bitten die Organisatoren um fünf Euro pro Gast. cweb