Wenn Kinder zu Drogen greifen

KONZ/TRIER. Eine Anlaufstation für Eltern drogenabhängiger Kinder gibt es nun in Konz. Ein neu gegründeter Elternkreis trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat im DRK-Haus in Konz.

Landesweit gibt es zwölf Elternkreise drogengefährdeter und drogenabhängiger Kinder. In Trier und im Kreis Trier-Saarburg gab es bislang keine Selbsthilfegruppe dieser Art. Das hat eine betroffene Mutter nun geändert."Alle haben das Problem verharmlost"

Mit ihrem Namen möchte sie nicht in der Zeitung zitiert werden, und sie verwehrt sich auch gegen ein Foto. Deshalb erhält sie den fiktiven Namen Maria Schulze. Auch ihre Begleiterin möchte anonym bleiben, wir nennen sie Ursula Mayer. "Wir müssen auch an unsere anderen Kinder denken" , sagen beide Frauen. "Es ist schon schlimm genug für die Geschwisterkinder, wenn sie gefragt werden, wo denn ihr Bruder ist." Die beiden Frauen haben ein gemeinsames Schicksal. Beide haben Söhne, die drogenabhängig sind und irgendwo leben. Sven fing mit 15 Jahren mit dem Kiffen an, Michael mit 14. So, wie die Frauen die Lebenswege ihrer Söhne beschreiben, drängt sich besonders ein Gefühl in den Vordergrund: weit gehende Hilflosigkeit und Ohnmacht auf Seiten der Mütter gegenüber der Entwicklung ihrer Kinder. "Ich habe überall gefragt - bei Ärzten, Drogenberatungsstellen. Alle haben die Situation verharmlost. Alle haben gesagt, dass es normal ist, wenn Pubertierende mal kiffen, sie mal einen Durchhänger haben. Ich solle mir keine Gedanken machen. Auch Sven selbst hat es verharmlost", erzählt Maria Schulze. Ohne, dass sie Einfluss auf seine Haltung nehmen kann, rutscht Sven allmählich ab: Schulabbruch, Lehrabbruch, Beschaffungskriminalität folgen. Bei einem Elternseminar während Svens richterlich verordneter Therapie, die er vorzeitig abbricht, erfährt Maria Schulze, wie wohltuend es ist, mit anderen Betroffenen zu sprechen. Selbst "krank und ausgepowert" wegen Svens Drogenproblemen belastet sie vor allem die "Elternschuld". "Was habe ich falsch gemacht?", fragt sie sich ständig. "Ich war doch immer für ihn da." Bei der Selbsthilfe Kontakt- und Informationsstelle Sekis in Trier rennt sie offene Türen ein. Schon lange hat man dort gehofft, dass Betroffene einen Elternkreis gründen - nur in Bitburg und Cochem gab es bislang Selbsthilfegruppen. Zu einem ersten Elterntreffen seien fünf Betroffene gekommen. "Dabei reichte die Palette von einer Mutter, die sich nur Sorgen macht, bis zu einem Vater, dessen Kind an einer Überdosis gestorben ist." Ihr eigener Sohn sei in sehr kurzer Zeit abgestürzt, habe regelrechte Chemiekeulen genommen. Sie habe genauso wenig wie Maria Schulze die Augen vor dem Drogenproblem ihres Sohnes verschlossen, betont Mayer. "Ich habe aber zu spät verstanden, auf welchem Weg das Kind war." Schulabbruch, Rausschmiss aus dem Ausbildungsverhältnis, monatelanges Herumtreiben, Zwangseinweisung in die Psychiatrie. Beschaffungskriminalität führt bei ihrem Sohn schließlich zur Haftstrafe. Auch Mayer fragt sich: "Wann ist etwas schief gelaufen?" Vielleicht müssten Eltern stärker sensibilisiert werden, überlegen die Mütter. Denn: "Wie sollen Eltern helfen, wenn sie nicht informiert werden? Auch Schulen verharmlosen das Problem." Deshalb will Schulze in dem Elternkreis langfristig auch Vorträge von Fachleuten organisieren. Das erste Treffen habe bereits gezeigt: "Man braucht sich nur anzugucken und versteht sich. Zum ersten Mal musste man nichts erklären. Jeder weiß, was los ist." Trotz Traurigkeit kommt Hoffnung der Frauen zum Ausdruck. "Sie bleiben ja unsere Kinder, ein Leben lang. Man hat sich so viel gewünscht für die Kinder. Wenn wir nur anderen Eltern helfen können, die unsicher sind, ist viel erreicht." Der neu gegründete Elternkreis trifft sich an jedem ersten Dienstag im Monat im DRK-Haus in Konz, Granastraße 115. Informationen gibt es unter der Elternkreis-Telefonnummer 06501/6042312 oder bei Sekis in Trier unter Telefon 0651/141180.