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Wenn Rathaus-Chefs den Kochlöffel schwingen

Wenn Rathaus-Chefs den Kochlöffel schwingen

KELL AM SEE/HERMESKEIL. Rund um den beliebten Erdapfel dreht sich ab Samstag alles beim grenzüberschreitenden kulinarischen Herbstklassiker in der Region. Während der "Hochwälder Kartoffeltage" wird bis zum 22. Oktober in 28 saarländischen und rheinland-pfälzischen Restaurants die tolle Knolle in vielfältigen Variationen serviert. Höhepunkt der Veranstaltungsreihe ist am 13. Oktober das Bürgermeister-Schaukochen in Greimerath.

In alten Chroniken überliefert ist die Geschichte eines Hochwälders, der sich einst aufmachte, die Welt zu bereisen. Doch schon am vierten Tag war er wieder zu Hause und sagte: "Wenn ich net jede Omend e Dippe voll Grombiere kriehn, dann kann ich net bestehn!" Diese historische Episode beweist: Gerade in früheren Zeiten war die Kartoffel hierzulande das Grundnahrungsmittel schlechthin. Aber auch heute noch ist der Erdapfel das klassische Essprodukt der Region. Allerdings lässt die Kartoffel inzwischen sogar Genießerherzen höher schlagen und verspricht selbst Gourmets ungeahnte Gaumenfreuden. Daran haben die "Hochwälder Kartoffeltage" einen nicht unwesentlichen Anteil. 1995 auf Initiative des Trier-Saarburger Kreisheimatvereins entstanden, hat sich die gastronomische Veranstaltungsreihe längst zu einem Herbstklassiker entwickelt. "Es ist uns gelungen, die Kartoffel auch als wichtiges Kulturgut ins rechte Bild zu rücken und anzupreisen", sagt Dittmar Lauer, der geistige Vater der Kartoffeltage. Dafür sorgen in erster Linie die Gastronomen des Hochwalds, die Jahr für Jahr viel Kreativität bei der Zusammenstellung von Menüs mit dem schmackhaften Gemüse beweisen und ihren Gästen einen breiten Mix von der eher traditionellen, rustikalen Küche bis hin zu modernen und raffiniert verfeinerten Kartoffel-Variationen servieren. Diesmal werden es mehr als 100 Kartoffelgerichte sein, die in den 28 Restaurants in den Verbandsgemeinden Kell am See (acht Betriebe) und Hermeskeil (zwei Betriebe) sowie jenseits der Landesgrenze in Nonnweiler, Wadern, Losheim und Weiskirchen aufgetischt werden. Hinzu kommt während der 14 Veranstaltungstage ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm, bei dem geführte Wanderungen mit Einkehr in einem beteiligten Restaurant im Mittelpunkt stehen. Allerdings finden auch größere Veranstaltungen wie der Hermeskeiler Bauernmarkt am 8. Oktober Aufnahme im Programm. Insofern haben die Kartoffeltage auch eine wichtige touristische Bedeutung: "Für uns sind sie das Aushängeschild in der Herbst-Saison und ein wichtiges Marketing-Mittel", verweist Walburga Meyer, die Geschäftsführerin von Hochwald-Ferienland, auf das Beispiel der VG Kell am See. Erstmals keine zentrale Auftaktveranstaltung

Auch für die heimischen Küchenchefs rechne sich das Geschäft: "Bei uns gibt es keine Klagen. Wir haben einen festen Stamm an Gastronomen, die sich dieser Idee verschrieben haben und oft schon zu Beginn für die gesamte Zeit der Kartoffeltage ausgebucht sind", sagt Meyer. Damit deutet die Keller Touristikerin den Unterschied zu den Erfahrungen in der VG Thalfang an, die jetzt wegen des geringen Nutzens für die eigene Gastronomie aus dem großen Verbund ausgestiegen ist (der TV berichtete). Eine Entscheidung, die der Keller VG-Chef Werner Angsten bedauert und in Richtung Thalfang mit einem "flammenden Appell, weiter mitzumachen" verbindet. Bei der Organisation der zwölften Auflage war dies jedoch nicht die einzige Schwierigkeit. So starten die Kartoffeltage 2006 erstmals ohne eine zentrale Auftaktveranstaltung. Begründet wird dies von Meyer unter anderem durch den "hohen Arbeitsaufwand, der mit einer solchen Veranstaltung verbunden ist. Die Küchenchefs konzentrieren sich lieber auf das Kerngeschäft in ihren Häusern." Das soll jedoch nach der übereinstimmenden Auffassung von Angsten und Lauer eine Ausnahme bleiben. "Ab 2007 wird es wieder eine Eröffnungsveranstaltung geben", kündigen sie an und reklamieren zugleich, dass Schauplatz für den Auftakt grundsätzlich die VG Kell sein soll. Denn: "Man sollte respektieren, wo die Idee der Kartoffeltage herkam" , sagt Lauer. 2006 spielt sich der Höhepunkt der Kartoffeltage aber ohnehin schon in der VG Kell ab, was ursprünglich so nicht vorgesehen war. Das Schaukochen der sechs Bürgermeister - das in diesem Jahr turnusgemäß in Rheinland-Pfalz ausgerichtet wird - sollte zunächst nämlich zum Abschied der Bundeswehr in der Hochwaldkaserne in Hermeskeil stattfinden. Weil die Großküche dort aber bereits weitgehend abgebaut wurde und sozusagen keine Kochtöpfe mehr da sind, wurde diese Benefiz-Veranstaltung zugunsten der SWR-"Herzenssache" am 13. Oktober kurzerhand in das Restaurant "Zum Greimerather Forst" verlegt.Das Programm mit allen Veranstaltungen und den Angeboten der Gastronomen ist unter anderem bei den Tourist-Infos in Kell am See (Telefon 0589/1044) und Hermeskeil (Telefon 06503/95350) erhältlich.